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Streit mit der Deutschen Bahn über weggebaggerten Denkmal-Güterboden am Bahnhof Casekow

Denkmalschutz
Behörde verärgert über Abriss

Oliver Schwers / 10.12.2018, 18:43 Uhr
Casekow (MOZ) Der Abriss des alten Güterbodens am Bahnhof Casekow sorgt im Nachhinein für Ärger. Nach Ansicht der Kreisdenkmalbehörde hat die Bahn viel zu viel Bausubstanz ohne Genehmigung platt gemacht. Möglicherweise droht ein Verfahren. Das Amt Gartz stellt sich hinter die Bahn.

Der alte Güterboden ist im September vollständig verschwunden. Jetzt entsteht hier eine Grünfläche. Alles sorgfältig eingeebnet. Aus Sicht von Casekower Einwohnern hat die Bahn damit einen Schandfleck im Ort beseitigt. Denn durch den jahrelangen Leerstand war das denkmalgeschützte Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Um Gefahren zu verhindern, war bereits ein Teil des Daches abgenommen worden. Auch das gleichfalls leere Empfangsgebäude macht derzeit auf Reisende von und nach Stettin einen denkbar schlechten Eindruck.

Doch die Denkmalbehörde des Landkreises ist überrascht. Sie habe nur eine denkmalrechtliche Erlaubnis für etwa die Hälfte des Güterbodens erteilt, also den Teil ohne Dach. Der vermutlich ältere und noch überdachte Bereich sollte stehenbleiben. Nach Auskunft der Behörde gab es sogar die Auflage, den historischen Teil vor Beschädigungen zu schützen. Außerdem habe man eine Dokumentation gefordert. Stattdessen ist jetzt alles weg.

Das zuständige Bauordnungsamt prüft Konsequenzen. Möglich wäre ein Bußgeldverfahren, heißt es in einer Stellungnahme. Außerdem bestehe die Möglichkeit, den zu viel abgerissenen Teil wiederherstellen zu lassen.

Bei der Deutschen Bahn ist man darüber erstaunt. Das Unternehmen hat auf Anfrage der Gemeinde Casekow reagiert. Frühere Sicherungsmaßnahmen (ein Notdach) hätten die Gefahr für Reisende und Bahnbetrieb nicht verringert. Der Zustand sei nicht haltbar gewesen, heißt es seitens Bahn. Noch erstaunter ist man dort über die Kritik der Denkmalbehörde. Denn im März hatte ein Vor-Ort-Termin stattgefunden mit Vertretern der Bahn, der Kreisverwaltung und der Gemeinde. Exakt die dort geäußerten Wünsche seien nun umgesetzt worden. „Von Seiten der Denkmalbehörde haben wir keine Einwände erhalten“, heißt es in einer Stellungnahme dazu.

Genau das bestätigt auch der Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann. „Ich kann die jetzige Argumentation der Denkmalbehörde nicht nachvollziehen. Wir sind froh, dass der Abriss so abgewickelt wurde. Der eigentliche Bahnhof kommt jetzt deutlich besser zur Geltung. Die Nebengebäude waren nicht zu retten.“ Bei dem Vor-Ort-Termin wie auch in der Stellungnahme der Gemeinde und in der Abrissanzeige sei deutlich erkennbar gewesen, dass es den gesamten Güterboden betreffe und nicht nur einen Teil.

„Uns geht es ja um den Erhalt des historischen Bestands, von dem geschichtsinteressierte Ortsbeiräte noch Unterlagen besitzen“, so Gotzmann. Das Empfangsgebäude war früher kleiner. Allerdings habe die Denkmalbehörde dieser Idee, das Haus auf den Urzustand zurückzubauen, nicht zugestimmt.

Was nun dauerhaft aus dem leeren Bahnhof wird, bleibt den Planern überlassen, die gerade am zweigleisigen Ausbau der Stettiner Strecke tüfteln. Diesen Ergebnissen könne man nicht vorgreifen, so die Antwort der Deutschen Bahn. Ein Verkauf ist momentan nicht beabsichtigt.

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Peter Müller 11.12.2018 - 10:18:08

In Schwedt

hätte das niemanden Interessiert, dort werden Denkmalgeschützte Gebäude Reihenweise abgerissen, zb altes Gaswerk, Schützenhaus, Rathaus etc..

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