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Advent
Ein Mini-Urlaub vom Alltag

Spielraum: Kinder und Eltern sollen sich bei der Erziehungs- und Familienberatungsstelle wohl fühlen. Diplom-Sozialarbeiterin Arlett Kowalle berät dort zu Erziehungsfragen.
Spielraum: Kinder und Eltern sollen sich bei der Erziehungs- und Familienberatungsstelle wohl fühlen. Diplom-Sozialarbeiterin Arlett Kowalle berät dort zu Erziehungsfragen. © Foto: Larissa Benz
Larissa Benz / 12.12.2018, 09:15 Uhr
Beeskow (MOZ) Spielen rückt in manchen Familien im hektischen Alltag in den Hintergrund. Larissa Benz erfuhr von von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Landkreises Oder-Spree, warum Spielen aber für die Beziehung zwischen Eltern und Kind wichtig ist.

Frau Kowalle, gemeinsames Spielen scheint in manchen Familien immer mehr verloren zu gehen. Warum ist es denn wichtig, auf diese Art und Weise Zeit miteinander zu verbringen?

Gemeinsames Spielen hat meiner Meinung nach eine sehr  große Bedeutung, weil damit gemeinsame Erlebnisse geteilt werden. Diese Zeit kann eine Art „Mini-Urlaub“, eine Auszeit vom manchmal hektischen Alltag sein. Im Spiel findet Begegnung und Austausch statt. Eltern erleben ihre Kinder in einer anderen als der „üblichen“ Alltagssituation, lernen ihre Kinder näher kennen und entdecken vielleicht völlig neue Seiten. Dies gilt aber auch umgekehrt für die Kinder. Auf jeden Fall hat gemeinsames Spiel verbindenden, Vertrauen und Nähe stiftenden Charakter. Gemeinsames Spielen  ist die Chance für eine gelungene Beziehungsgestaltung zwischen Eltern und Kindern.

Kann Spielen auch dabei helfen, Konflikte, zum Beispiel zwischen dem Kind und den Eltern, zu lösen?

Ja, denn in einer ungezwungenen, entspannten Atmosphäre erleben Kinder, dass das Elternteil ganz bewusst Zeit mit ihm verbringt. Das ist eine besondere Form der Wertschätzung für das Kind. Im gemeinsamen Spiel bieten sich viele Gelegenheiten, die Kommunikation zwischen beiden zu fördern. Im spielerischen Kontext ist es eher möglich,  Spannungen oder bisher unausgesprochene Dinge, vielleicht im Spiel mit Figuren oder Puppen, zum Thema zu machen. Hieraus können sich neue Verabredungen oder Ansätze für Lösungen von Problemen ergeben.

Manche Eltern denken, es reicht, wenn sie ihrem Kind viel Spielzeug kaufen und es sich damit beschäftigt...

Hat ein Kind zu viele Spielsachen, besteht die Gefahr einer Reizüberflutung. Kinder haben in diesen Fällen auch oft kein Lieblingsspielzeug mehr. Abgesehen davon, dass sie oft nicht mehr zuordnen können, zu welchem Anlass und von wem sie es bekommen haben.  Meines Erachtens  kommt es vor allem auf die qualitative Zeit an, die man beim Spielen miteinander  verbringt. Sind  beide Elternteile berufstätig, ist Zeit natürlich ein entscheidender Faktor. Aber:  20 Minuten gemeinsames Spielen ist wesentlich wertvoller als stundenlanges Alleinspiel eines Kindes.

Können Spiele auch gezielt Kinder fördern?

Spielen ist eine einfache und sinnvolle Art der Förderung. Spielerisch werden Ausdauer, Konzentration und Durchhaltevermögen erlernt und trainiert, aber auch soziale Kompetenzen wie Sich- Verabreden, Absprachen einhalten, Teilen, Rücksicht nehmen, Kompromisse finden und Abwarten können.

Wie bewerten Sie es, dass neue Medien schon im Kleinkindalter  klassische Spiele ablösen könnten?

Insbesondere im  Säuglings- wie Kleinkindalter  entwickeln sich Kinder noch sehr stark über die  Sinneseindrücke. So sind alle Materialien, die die kindlichen Sinne ansprechen und Tasten, Riechen, Schmecken, Hören, Sehen und Erkunden ermöglichen, zu empfehlen. So lernt das Kind die Welt zu „begreifen“. Digitale Medien sind hier eher nicht entwicklungsfördernd.

Welche Rolle spielen das Gewinnen und Verlieren beim Spielen?Oft zeigen Kinder ja recht heftige Emotionen, wenn sie verlieren...

Spielen ist ein wunderbares Übungsfeld, um zu erleben, dass man nicht immer Sieger und Erster sein kann. Manchmal entscheidet nicht nur Können, Geschick oder Taktik über einen Gewinn, sondern auch ein Quäntchen Glück. Es gibt auch einen zweiten oder dritten Sieger. Wie schwierig dies auszuhalten ist, kann man manchmal gut beobachten, wenn Erwachsene Karten spielen.

Kann die Weihnachtszeit ein guter Anfang sein, um wieder mehr miteinander zu spielen?

Ich finde, es kann ein guter Anfang sein, sich zu Weihnachten, wenn die Familie zusammenkommt, gemeinsam ein Spiel zu schenken. Das kann man dann über die Feiertage ausprobieren.  Vielleicht entsteht daraus ja ein schönes Ritual für einen festen Spieletermin in der Woche.

Die Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Landkreises Oder-Spree berät kostenlos Eltern, die sich in Erziehungsfragen unsicher sind oder etwa bei Konflikten in der Familie Hilfe benötigen. Sitz ist in Eisenhüttenstadt und Beeskow. Infos unter Tel. 03366 351526.

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