Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jazz
Mit Ruth Hohmann und ihrer Jazzband beschwingt in den Advent

Konzerterlebnis: Die Band interpretierte gemeinsam mit Ruth Hohmann Jazz-Klassiker.
Konzerterlebnis: Die Band interpretierte gemeinsam mit Ruth Hohmann Jazz-Klassiker. © Foto: Wolfgang Gumprich
Wolfgang Gumprich / 17.12.2018, 19:32 Uhr
Zehdenick „Möge sie doch bald wiederkommen“, schrieb der Kollege im März des vergangenen Jahres in dieser Zeitung. Und sie schien diesen Wunsch – so kurz vor Weihnachten – erhört zu haben: Ruth Hohmann, die kleine Grande Dame des DDR-Jazz, trat am Sonntagnachmittag in der Klosterscheune Zehdenick auf. Neben sich ein Trio gnadenlos guter Musiker mit Lukas Natschinski an Gitarre und Flügel, Alex Will am Kontrabass sowie Jürgen Meyer am Schlagwerk. Sie legten den Teppich, auf dem die 87-jährige Künstlerin sich bei ihren Jazz-Swing-Standards austoben konnte.

Gleich zu Beginn kokettierte sie mit ihrem Alter: „Wer nicht morgens drei Mal schmunzelt/wer nicht mittags die Stirne runzelt/…..der wird hundert Jahre alt“ swingt sie und kommentiert anschließend „da müssen die Jungs – sie meint ihre Band – noch bis zu 77 Jahre warten“. Ihr Markenzeichen ist der so genannte Scat-Gesang, bei dem statt verständlicher Sätze ein „da-die-du-dibb-de-dipp“ gegurgelt beziehungsweise geröhrt wird. Und den beherrscht Ruth Hohmann! Sei es bei Ellingtons „It don’t mean a thing if it ain’t got that Swing“, dem „Sentimental Journey“ oder Ray Charles‘ „Hallejuah, I love him so”.

Und dann gab Ruth Hohmann die Bühne frei für ihre „Jungs“, die mit Oscar Petersons „Hymn of Freedom“ loslegten. Hatte Lukas Natschinski schon zuvor an der Gitarre sein Können gezeigt, so bewies er sich nun als Herrscher über 88 Tasten. Zwischenapplaus bekam er beim folgenden Stück, dem „St. Louis Blues“, da bediente er die sechs Saiten seiner Halbakustikgitarre. Bei den „autumn leaves“ setzte Ruth Hohmann für den Geschmack des Rezensenten zu viel Scat ein, doch vielleicht lag es auch daran, dass dem Rezensenten die getragene Original-Version von Yves Montands „les feuilles mortes“ mit dem Text von Jacques Prévert im Kopf steckte.

Zwei Songs trug Ruth Hohmann vor, für die sie deutsche Texte geschrieben hat. Aus „Sweet Georgia Brown“ wurde „Ach, sie kascht dich/sie vernascht dich/die süße Georgia Brown“ aus „Makin‘ whoopee“ wurde: „Er quatscht von Heirat/denkt aber nur an whoopee“. Weg vom Swing hin zum groovigen Soul und Funk wies das Trio mit „Affirmation“ von George Benson. Das klang, als ob der Meister selbst die Gitarre spielen würde. Nicht nur Lukas Natschinski zeigte sich als Meister seiner Instrumente, Jürgen Meyer schüttelte zwischendurch immer wieder kurze Soli aus dem Handgelenk, Alex Will jammte über seine vier Saiten, dass die Füße der Zuhörer nicht stillstanden.

Weihnachtlich wurde es mit einer sehr eigenen Interpretation von „Oh Tannebaum“ und einer „Weltpremiere“, wie Ruh Hohmann den „Christmas Song“ ankündigte. „Den haben wir nicht geprobt“. Viel Zwischenapplaus erhielten die Musiker für ihre Interpretation von „Can’t give you anything but love“, hier verwandelte sich Hohmann beim Scat-Gesang in Ella Fitzgerald und Louis Armstrong. Mit dem „Lullaby of Broadway“ entließen die Musiker ein beswingtes Publikum in den dritten Advent.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG