Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Urteil
Bewährungsstrafe für Kindesmissbrauch

Amtsgericht Oranienburg.
Amtsgericht Oranienburg. © Foto: MOZ/Jana Reimann-Grohs
Roland Becker / 18.12.2018, 17:44 Uhr
Hennigsdorf/Velten (MOZ) Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes sowie Herstellen und Besitz von Kinderpornographie ist ein  33-jähriger Hennigsdorfer am Dienstag am Amtsgericht Oranienburg zu einem Jahr und acht Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden, verurteilt worden. Das Urteil hat bereits Rechtskraft.

80 Prozent aller Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch, so sagen Statistiken, finden innerhalb des Freundes- oder Familienkreises statt. So war es auch in diesem Fall. Den Angeklagten N. und die in Velten lebende Familie M. verband eine langjährige, vertrauensvolle Freundschaft. Wie auch an diesem 28. Mai 2018 hatte sich N. schon häufiger angeboten, auf die Kinder der Familie aufzupassen. Als die Eltern ihre Wohnung gegen 13.30 Uhr verließen, forderte N. die damals fünfjährige Tochter auf, ihren Mittagsschlaf im Gästezimmer zu halten. Laut Richter Thomas Passerini manipulierte der Angeklagte an den Geschlechtsteilen des schlafenden Kindes und nahm zwei Videos sowie mehrere Fotos auf.

Dieses Verbrechen wäre vielleicht nie zutage getreten, hätte nicht die kleinere Tochter nach der Rückkehr der Eltern ihrem Vater das Handy von N. in die Hand gedrückt. Gegenüber dieser Zeitung sagt der Vater: „Nur dadurch habe ich aufs Display gedrückt, um die Uhrzeit zu sehen.“ Zugleich habe er dabei eine Wischbewegung auf dem Bildschirm gemacht. Dabei sei er auf die Aufnahmen gestoßen.

Der Angeklagte, ein eher schmächtiger Mann, dessen leise Stimme im Gerichtssaal oftmals vom Surren der Klimaanlage übertönt wird,  räumt die Taten ein. Er sucht auch nach keinen Ausflüchten, als es um ein weiteres kinderpornografisches Foto geht, das auf seinem Handy gefunden wurde.

N. hat bisher straffrei gelebt. Das schlägt sich bei der Strafforderung der Staatsanwältin nieder, der sich der Richter später anschließen wird. Heraus kommt aber auch, dass N. nach der Tat keinen ärztlichen oder psychologischen Rat suchte. Und obwohl das schon früher gespeicherte Foto eines Mädchens mit gespreizten Beinen und sichtbarem Geschlechtsteil bei ihm gefunden wurde, geht der Richter in seiner Urteilsbegründung von einer „positiven Sozialprognose“ aus. N. habe Arbeit und festen Wohnsitz. Eine längerfristige Beziehung mit einer Frau, so räumt der 33-Jährige auf Nachfrage des Richters ein, habe er noch nicht gehabt.

Die Eltern und Angehörigen des kleinen Mädchens sagen dieser Zeitung nach dem Prozess, dass sie erleichtert sind. In gewisser Weise könnten sie mit dem Urteil einen Schlussstrich ziehen. Einige Erinnerungen an die Stunden, Tage und Wochen nach dem Missbrauch werden sie aber wohl nie aus ihrem Gedächtnis bekommen. Dazu zähle auch die Untersuchung der Fünfjährigen in der Berliner Charité. Auch wenn das Mädchen beim Missbrauch geschlafen haben soll,  muss sich das Geschehen in ihr eingebrannt haben. „Sie wollte danach eine Weile allein auf die Toilette, und sie wollte nicht, dass jemand dabei ist, wenn sie sich auszieht“, berichtet der Vater. (rol)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG