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Eiserne Hochzeit
Seite an Seite durch´s Leben

Elli und Gerhard Kuhl blicken auf 65 gemeinsame Ehejahre zurück.
Elli und Gerhard Kuhl blicken auf 65 gemeinsame Ehejahre zurück. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 19.12.2018, 09:11 Uhr
Lehnsdorf Elli und Gerhard Kuhl in Lehnsdorf erwarten heute viel Besuch. Die beiden feiern Eiserne Hochzeit und sind damit seit 65 Jahren verheiratet. Kinder, Enkel und Urenkel reihen sich natürlich als erste in die Gratulantenschar ein.

„Das wir das erleben dürfen“, so der 86-Jährige und lächelt seine um ein Jahr ältere Ehefrau an. Die lächelt zurück und reicht ihm die Hand. So, wie damals, als sie sich in der Lehnsdorfer Kirche das Ja-Wort gaben.

Elli Kuhl ist im Dorf geboren. Sie wuchs mit zwei Schwestern auf. Die Eltern führten eine kleine Landschaft, die die Familie ernährte. Als sie nach der achten Klasse aus der Schule entlassen wurde, arbeitete sie in der elterlichen Landwirtschaft mit.

Gerhard Kuhl wurde in Wittenberg geboren. 1936 kauften seine Eltern ein kleines Gehöft in Straach. Dort verlebte er mit drei Geschwistern die Kindheit. Seine Biografie ähnelt der seiner Frau. Auch für ihn endete die Schule nach der achten Klasse. Danach wurde er auf dem elterlichen Hof gebraucht.

Im Sommer 1951 lernten sie sich kennen. „Auf dem Tanzboden. Wo sonst. In Cobbelsdorf“, erzählt der 86-Jährige. Er kann sich noch gut daran erinnern wie er seine Elli zum ersten Mal zum tanzen aufforderte. Mit Herzklopfen in der Brust verabschiedeten sie sich an jenem Abend. Zuvor hatten sie jedoch noch die Adressen getauscht. „Danach haben wir uns Briefe geschrieben“, verrät Gerhard Kuhl. Zwischendurch trafen sie sich immer wieder auf den Tanzböden der umliegenden Dörfer. Im Februar 1952 lud Elli ihren Gerhard nach Lehnsdorf zum Fastnachten ein. Er kam und bald darauf stand für beide fest, dass sie zusammenbleiben wollten. Weshalb Gerhard bei Ellis Vater um die Hand der Tochter bat. Die Antwort die er bekam, war jedoch nicht die erhoffte. „Was ich danach für Tränen vergossen habe“, sagt die 87-Jährige. Die junge Liebe der beiden wurde nachfolgend auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Doch Gerhard Kuhl ließ nicht locker. Im September suchten seine Eltern das klärende Gespräch mit den ihren und Ellis Vater gab endlich sein Einverständnis. „Dann ist alles ganz schnell gegangen“, so der 86-Jährige weiter.

Schon am 19. Dezember standen beide vor dem Traualtar. Danach wurde gefeiert. „Im kleinen Kreis, nur mit den Geschwistern und den Eltern. Zuhause in der Stube, aber noch im alten Haus“, erzählt der Jubilar und zeigt ihr Hochzeitsbild. Sie trägt ein langes weißes Kleid, im Arm hält sie weiße Chrysanthemen. Er einen schwarzen Anzug an. Das Bild zeigt ein wunderschönes und glückliches Paar.

1956 wurden sie zum ersten Mal Eltern. Sohn Bernd wurde geboren. Bald darauf erblickte Roswitha das Licht der Welt. Ihr Zuhause, dass sie bei ihren Eltern gefunden hatte, platzte aus allen Nähten. Im April 1963 wurde das alte Haus abgerissen und an gleicher Stelle ein neues errichtet. Für die junge Familie und die Schwiegereltern. Als im Dezember 1963 der Neubau bezogen wurde, war mit Tochter Carola die Familie erneut gewachsen.

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Gerhard Kuhl in der Lehnsdorfer LPG als Traktorist. Auch Elli hatte, als die Kinder aus dem gröbsten raus waren, ihre Arbeit in der Genossenschaft. 1972 wechselten beide als Melker in die LPG Tierproduktion im Nachbardorf Grubo. Bis zum Eintritt in den Ruhestand verdienten sie in der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt.

Danach begann für beide eine Zeit, in der sie sich etwas gönnen konnten. Mit dem Busunternehmen Glaser aus dem Nachbardorf Klepzig bereisten sie Deutschland, Österreich, die Schweiz und Italien. „Früher hatten wir dafür kein Geld und keine Zeit“, erklärt der Jubilar. Die vielen schönen Erinnerungen daran haben sie sich bewahrt. Genau wie die, an ihre Hochzeit und ihr langes gemeinsames Leben.

Ihre Hobbys haben sich beide, soweit es die Gesundheit erlaubt, erhalten. Während Elli Kuhl noch immer gern mit den Stricknadeln in der Hand für warme Wintersocken für die Familie sorgt, zieht es Gerhard Kuhl oft in seine Werkstatt. Wenn gleich er heute keine Axtstiele, Heuharken und Muskellen mehr herstellt, nimmt er das Werkzeug doch noch immer wieder gern zur Hand. Aktuell zimmert er mit Unterstützung seiner Schwiegertochter an einem Pferdestall für Urenkelin Leonora. Bis Weihnachten muss er fertig sein. Sohn Bernd und die Töchter Roswitha und Carola gratulieren mit den Ehepartnern und ihren Familien den Jubilaren zu ihrem Ehrentag.

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