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Herzberger Senioren
„Meine Acht hat lauter Ecken“

Begeisterte Seniorensportlerinnen: Kursleiter Olaf Wolff (in Grün) gab den Frauen des Herzberger SV einen bunten Strauß an Tipps für den Alltag mit auf den Weg. Über ein Vierteljahr lang lief im und am Gemeindezentrum das bislang kostenfreie Angebot. Es mündet vielleicht in eine zweite, erschwingliche Auflage.
Begeisterte Seniorensportlerinnen: Kursleiter Olaf Wolff (in Grün) gab den Frauen des Herzberger SV einen bunten Strauß an Tipps für den Alltag mit auf den Weg. Über ein Vierteljahr lang lief im und am Gemeindezentrum das bislang kostenfreie Angebot. Es mündet vielleicht in eine zweite, erschwingliche Auflage. © Foto: Matthias Haack
Matthias Haack / 26.12.2018, 20:00 Uhr
Herzberg Warum auch nicht! Auf die Frage vom Kursleiter, „Wie starten wir heute?“, kommt eine einhellige Antwort. „Mit einem Lächeln.“ 15 Kehlen bringen diese drei Worte heraus. Zeitgleich. Sofort in die Tat umgesetzt. Zum letzten Mal im Gemeindezentrum Herzberg. Vorerst.

Olaf Wolff heißt der einzige Mann in dieser Runde. Er ist Vorsitzender vom Fitness-Studio-Natur, lizenziert in vielen Bereichen und beendete kurz vorm 4. Advent einen seiner Kurse. AlltagsTrainingsProgramm – so nennt sich die zwölfteilige Aktion, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aufgelegt hat. Ihr Partner im Nordwesten Brandenburgs: Olaf Wolff.

In Rägelin war er schon. In Schönermark, in Stöffin. In Manker leitete er sogar zwei Kurse. Und heute schließt der Neuruppiner das Vierteljahr bei den Seniorinnen des Herzberger SV ab. Bevor es an die sehr lange, vielfältig dekorierte und mit endlosen Naschereien versehene Weihnachtstafel geht, fordert er noch einmal die HSV-Frauen mit dem einstündigen Folgeprogramm seiner so sympathischen Begrüßungsformel.

17 schwarze Stühle sind in einer Ei-Form gestellt. Durchschnittlicher Durchmesser fünf Meter. 15 Teilnehmerinnen plus Olaf Wolff. Der Platz rechts neben ihm bleibt zunächst frei. Acht Minuten später ist auch er von einer Nachzüglerin besetzt. Keiner ist sauer.

Auflockern: Erst nickt der Kopf, dann kreisen die Schultern, die Hüften schwingen aus der Körperachse. Kniebeuge wie ein Skifahrer. „Denkt daran“, fordert Wolff, „ganz Herzberg hört uns jetzt.“ Er möchte ein betontes Ausatmen vernehmen. „Alles noch Erwärmung.“ Gehen im Stand folgt. Allerdings mit gehobener Anforderung, der nicht alle nachkommen: Ist der Arm nach vorn geschwungen, ist die Hand geschlossen. Ist sie hinten, dann wird sie geöffnet. Über die Musikanlage im Gemeindezentrum läuft „Pump up the jam“ aus den 1980er Jahren.

Mit Übungen zur Koordination geht es weiter. Je eine Taschentuch-Packung oder ein kleines Säckchen reicht er aus einer viereckigen Box. Vier Befehle: Hep, Hip, Hop, Herum – vier Aufgaben. Gar nicht so leicht, zu werfen, zu fangen, zu übergeben zum Nachbarn auf Kommando. Dabei ist das Höchstmaß der Konzentration noch meilenweit entfernt. Nächste Übung: „Sicherer Stand auf einem Bein und dann das andere durchschwingen“, fordert er auf. Und da sind sie, seine unendlich vielen Tipps für den Alltag. „Das kann man beim Zähneputzen machen. Benutzt möglichst das schwächere Bein. Denn wir wollen ja die Baustelle im Körper suchen und an ihr arbeiten.“ Über die Musikanlage im Gemeindezentrum läuft „We are the champions“ aus den 1970er Jahren.

Die einbeinig stehenden 16 Frauen mögen eine Acht mit dem freien Fuß schreiben. „Und nun auch mal die Acht anders herum“, bittet er um ein Umdenken. „Meine Acht hat lauter Ecken“, wirft eine Teilnehmerin ein. Die Gruppe lacht, obwohl sie „heute sehr ruhig ist“, bemerkt Olaf Wolff. Das mag am Medienvertreter liegen, vermutet er. Über die Musikanlage im Gemeindezentrum läuft „Cutton eye Joe“ aus den 1990er Jahren.

Zwei Aufgaben hat er noch, die letzten nach zwölf „fantastischen Wochen“, wie die Seniorensportgruppe später einhellig werten wird. Erheben vom Stuhl. Sicherer Stand mit hüftbreit auseinander gestellten Füßen. Sie zeigen nach vorn. Kein O mit den Beinen. Kein X. Es schließt sich eine schwungvolle Standübung an: Oberarme liegen am Körper, die Hände sind senkrecht. mit den Unterarmen wird gehackt. „Das muss aussehen wie bei einem Roboter“, zeichnet Olaf Wolff vor. Sein Blick schweift ins Oval. Von Teilnehmerin zu Teilnehmerin. Über die Musikanlage im Gemeindezentrum läuft „Final countdown“ aus den 1980er Jahren.

Herzlicher Applaus brandet auf, als der ATP-Kurs offiziell beendet wird. Sport sei zwar schon immer wesentlicher Inhalt für die HSV-Frauengruppe gewesen. Aber selten hat es soviel Spaß gemacht. Seit 23 Jahren besteht die eingeschworene Gemeinschaft, erklärt Ingrid Stolzenberg. „Natürlich sterben einige, andere ziehen weg. Aber uns hält vieles zusammen“, auch über den Rahmen der ältesten HSV-Sportgruppe hinaus. Ein jüngeres Trainingsteam gibt es noch beim Sportverein.

Das ältere Team hat als jüngstes Mitglied „Beate, 62“ und als Älteste „Edelgard, 83“. „Im Durchschnitt sind wir 75“, rechnet die neue Teamleiterin vor. Diese Aufgabe fiel an Ingrid Stolzenberg, weil „unsere Chefin nach elf Jahren nach Berlin umgezogen ist“. Zupass kamen ihr der Beruf als Lehrerin und auch Organisationstalent. „Mir blieb nichts übrig, als reinzuwachsen und mich zu informieren.“ Eher zufällig entdeckte sie dabei das ATP-Angebot. Ohne Scheu waren der Telefonhörer in der Hand und die Stimme von Olaf Wolff am Ohr. Im Mai. Im Herbst begann der auf drinnen und draußen angelegte Kurs, der unter dem Motto steht: Mobilität erhalten und Lebensfreude geben. Dass er ab 2019 nicht mehr kostenfrei ist, bedauert Olaf Wolff zwar. Nur sei „Alltag in Bewegung mit 60plus“ finanzierbar durch Krankenkassen. 80 und mehr Prozent werden teilweise erstattet. „Auf euch würden etwa 1,50 Euro zukommen.“ Den Herzbergern fiel bei dieser Summe ein Stein vom Herzen.

AlltagsTrainingsProgramm

■  Der Kursleiter: Als Unternehmer, Vereinsvorstand, Übungsleiter sowie Natur- und Landschaftsführer bringt Olaf Wolff aus Überzeugung und Spaß an einem gesunden Lebensstil seine Aktivitäten, Angebote und Projekte an der frischen Luft Interessenten näher. Er eint Sport und Natur. In diesem Jahr gründete er den Verein Fitness-Studio-Natur. Fokus liegt auf Kombination der sportlichen Aspekte mit Freude und Genuss am Bewegungsausgleich in reizvoller Natur. Zertifizierte Kompetenzen sind DOSB-Übungsleiter C (Breitensport) und B (Prävention) sowie Vereinsmanager C, Nordic Walking Basic Instructor, Übungsleiter AlltagsTrainingsProgramm (ATP), Gesundheitswanderführer.

■ Der Vereinschef des Herzberger SV: Nur lobende Worte hat Malte Seidack von seiner Frauensportgruppe über den Kurs gehört. „Das ist eine wunderbare Geschichte mit Herrn Wolff. Er bringt ein Programm an die Frau, das sehr abwechslungsreich ist, altersgerecht und dennoch fordernd.“ Seidack zeigt sich entschlossen, einen zweiten Lehrgang für den HSV im neuen Jahr auf den Weg zu bringen.⇥(maha)

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