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Restaurierte Grabplatten auf Lieper Friedhof demoliert und sogar gestohlen / Örtlicher Heimatverein setzt 300 Euro Belohnung aus

Grabschändung
Randalierer zerstören Kindergrabsteine

Zerstört: Unter anderem dieses Kreuz eines Grabsteins auf dem Lieper Friedhof ist mutwillig abgerissen worden.
Zerstört: Unter anderem dieses Kreuz eines Grabsteins auf dem Lieper Friedhof ist mutwillig abgerissen worden. © Foto: Guido Herbst
Julia Lehmann / 29.12.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 29.12.2018, 15:05
Liepe (MOZ) Bei einem Spaziergang an den Weihnachtsfeiertagen war es ihm aufgefallen: Gleich mehrere Grabsteine und -platten auf dem Friedhof in Liepe sind zerstört worden. Vandalen haben hier ihr Unwesen getrieben, sagt Guido Herbst. Einige Elemente von Gräbern sind sogar gestohlen worden. Der Vorsitzende des Heimatvereins Liepe setzt sich mit dieser Zeitung in Verbindung, um auf die Sachbeschädigung hinzuweisen – und eine Belohnung auszusetzen.

300 Euro, so Herbst, gibt es für denjenigen, der zu den Tätern führt. Ein Grabstein aus Sandstein sei schwer beschädigt worden. Er gehört zu einem Kindergrab aus dem Jahre 1883. Es sind die Kinder der Familie August und Caroline Hoppe aus Liepe, sagt Guido Herbst. Die beiden Jungen waren im Alter von nur einem und sechs Jahren an Diphtherie verstorben.

Ein anderer Grabstein sei sogar gestohlen worden, sagt Guido Herbst weiter. Er umfasste eine eingelegte Tafel. Auch dieser gehörte zu einem Kindergrab aus dem Jahre 1900. Willy Quart starb im Alter von zehn Jahren. „Andere Grabplatten wurden abgerissen, sind aber zum Glück noch da“, so Guido Herbst. Verzierte Konsolen auf Grabtafeln wurden zudem abmontiert. Auch von ihnen fehlt jede Spur.

Diese ebenfalls aus Sandstein bestehenden Tafeln stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie erst später bekannt wurde, fehlen auch die Türen einer Grabumfassung aus Schmiedeeisen aus der Gründerzeit.

Man habe nun eine Strafanzeige wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung in Verbindung mit Diebstahl und Hausfriedensbruch gestellt, berichtet Guido Herbst weiter. Ihm und dem Heimatverein ist es sehr ernst, die Täter zu überführen und die fehlenden Grabteile zurückzuholen. Wenngleich ihm die Polizei nur wenig Hoffnung gemacht hätte, dass man die Täter schnappen werde. „Dass Diebe noch nicht einmal vor einem Ort wie dem Friedhof haltmachen, ist für uns völlig unverständlich“, so Herbst. Er sei sauer und traurig. „Ein Schock für alle, die mitgeholfen haben.“

Denn über die Schändung der Gräber hinaus, die in Deutschland eine Straftat ist, ist auch die Arbeit des Heimatvereins zunichte gemacht. Erst im Jahr 2016 hatte der Heimatverein die alten Grabsteine des Lieper Friedhofs zusammengetragen, gereinigt und mit Spenden- und Vereinsgeldern restaurieren lassen. Die beschädigten Steine wolle man nun erneut reparieren und restaurieren. „Grabsteine in diesem Alter sind inzwischen sehr selten“, sagt Guido Herbst. Besonders in kleinen Ortschaften wie Liepe. Man wolle sie unbedingt erhalten.

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