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Freunde des Görlsdorfer Parks zeigen bei traditioneller Wanderung ihre Arbeit /Baumpaten finden Nachahmer

Lenné-Park
Winterwanderung auf den Spuren Lennés

Daniela Windolff / 04.01.2019, 06:15 Uhr
Görlsdorf (MOZ) Der Förderverein Freunde des Görlsdorfer Lenné-Parks bemüht sich seit fast 20 Jahren, das historische Areal nach den Ideen seines Gestalters zu sanieren. Bei der traditionellen Winterwanderung zeigten sie die Ergebnisse ihres Mühens.

Das Wasser der Welse plätschert munter unter der Holzbrücke am Eingang des Görlsdorfer Parks hindurch und trägt das Wasser aus dem Grimnitzer Becken zum Wolletzsee. Auf dem Weg dorthin trieb es einst ein Dutzend Mühlen an. Eine davon stand genau an dieser Stelle, an der die Winterwanderung der Freunde des Görlsdorfer Lennéparks in diesem Jahr beginnt. Zum Jahreswechsel laden die Parkfreunde Mitglieder, Einwohner und alle Interessenten zu einer Führung ein, um für das landschaftlich und historisch wertvolle Juwel zu werben, das sie mit Fleiß und Idealismus aus dem Dornröschenschlaf erwecken.

Der alte Mühlenstandort, im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, ist sogar vielen Einheimischen nicht mehr bekannt. Im 18. Jahrhundert wurde der Görlsdorfer Gutbesitzer von Redern Eigentümer der Mahl- und Schneidmühle, bis sie Anfang des 20. Jahrhunderts ausgedient hatte und auch der Mühlenteich mit Sand aufgefüllt wurde. Daran erinnert heute nur noch eine mit Schilf umrandete Senke und Dagmar Schmidt vom Förderverein, die die Parkführung mit interessanten Fakten bereicherte. Auch der stattliche Schlossteich, einst das Herzstück des 250 Hektar großen Parks, den die Adelsfamilie zu Lynar-Redern rund um ihren Herrensitz nach den Plänen des legendären Gartengestalters Lenné anlegen ließ. Auf dem Teich liefen die Görlsdorfer Kinder einst Schlittschuh. Längst ist er versandet, das Schloss nach dem Krieg abgebrannt.

Aus den Trümmersteinen bauten sich die Neubauern nach 1945 ihre Häuser. Das Holz der Parkbäume nutzten sie als Bau- und Brennholz. Für den restlichen Verfall sorgte der Zahn der Zeit. Doch es gab immer Menschen, die den Wert des historischen Ensembles als kulturgeschichtliches Denkmal erkannten und erhalten wollten. Zu ihnen gehört Gerhard Schwanebeck, der die Sanierung des Lenné-Parks zu seiner Lebensaufgabe machte.

2001 erhielt Görlsdorf eine Million D-Mark Fördermittel, um den verwilderten Park von Grund auf zu strukturieren. 2003 wurde auf Schwanebecks Initiative der Förderverein gegründet, dessen Vorsitzender er bis zum Frühjahr 2018 war. Aus gesundheitlichen Gründen gab er den Vorsitz an Gordine Klingelhöfer ab, ist aber noch immer durch sein exzellentes Fach- und Geschichtswissen unverzichtbar. Klar, dass er auch die diesjährige Winterwanderung nicht versäumte. Für den Verein ist sie auch eine Chance, neue Mitglieder und  Baumpaten zu werben.

Was als private Initiative einer Angermünder Familie begann, findet willkommene Nachahmer. Bürger spenden Bäume für den Park, dürfen sie selbst mit einpflanzen, übernehmen Patenschaften und setzen sich somit ein Denkmal auch für spätere Generationen. In diesem Jahr spendete eine Gramzower Familie einen Rotdorn. Ein Brautpaar aus Kerkow pflanzte eine Ulme und der Erbprinz von Redern spendete Rotbuchen. „Wir haben noch viel Bedarf, denn der Baumbestand muss aufgefrischt werden, vor allem an den sichtbaren Achsen und Wegen“, erzählt Gerhard Schwanebeck. Nicht zuletzt warf der Orkan im Herbst 2016 die Aufbauarbeit im Lenné-Park um Jahre zurück, weil unzählige auch alte Bäume umbrachen und ganze Teile des Parks verwüstet wurden. Die Wucht der Zerstörung ist in einigen Teilen noch heute sichtbar. Auch das konnten die Wanderer erleben, und ebenso im schon wieder aufgeräumten Bereich den Fleiß der vielen Helfer einschätzen.

Drei Arbeitseinsätze organisierte der Verein im vergangenen Jahr und auch 2019 wird es viel zu tun geben. Eine ehrgeizige Vision der Parkfreunde ist es, einmal den alten Schlossteich wiederherzustellen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

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