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CDU-Bildungsforum
Wo Mangel nur den Plural kennt

Bildungsforum in Neustadt: Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Gordon Hoffmann, der Prignitz-Ruppiner Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke, Primarstufenleiterin Manuela Rehfeldt und und Kita-Leiterin Sabine Heller (von links) saßen unter anderem im Podium.
Bildungsforum in Neustadt: Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Gordon Hoffmann, der Prignitz-Ruppiner Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke, Primarstufenleiterin Manuela Rehfeldt und und Kita-Leiterin Sabine Heller (von links) saßen unter anderem im Podium. © Foto: MOZ/Christian Schönberg
Christian Schönberg / 09.01.2019, 12:00 Uhr
Neustadt (MOZ) Pränatal ist das Fachwort für vorgeburtlich. Schon pränatal, also im Mutterleib, bildet sich der Mensch. Der Staat mit Bund, Land und Kommunen kommt da aber noch nicht ins Spiel – erst ab Krippe, Kita und vor allem mit der Schule.

Die CDU hat am Montagabend bei einem Bildungsforum erörtert, welche Herausforderungen wie gemeistert werden können. Es hapert an vielem. Leitungsfreistellung ist so ein Stichwort. Es bezieht sich auf Kita-Chefinnen, die allerdings oft dieselbe Tätigkeit ausüben wie eine ganz normale Erzieherin. Dabei müssen sie sich auch ums Erarbeiten pädagogischer Konzepte kümmern – um die Qualität in der Einrichtung zu erhalten.

Mehr Personal und mehr Pädagogik kostet aber auch mehr Geld. Sabine Heller von der Stephanus-Kita in Kyritz plädierte deshalb dafür, dass die neuen Bundesmittel des „Gute-Kita-Gesetzes“ nicht dafür genutzt werden, um den Kita-Besuch beitragsfrei zu machen: Denn dass das der Weg zu mehr Qualität in der Erziehung ist, wagt sie offenbar zu bezweifeln.

Gerade an Schulen ist der Zusammenhang zwischen Personalbedarf und Unterrichtsqualität hoch. Quereinsteiger sind dennoch gern gesehen. Ohne sie gehe es auch in den kommenden Jahren nicht, betonte der bildungspolitische Sprecher der Landes-CDU, Gordon Hoffmann. Denn die Lehrerausbildung dauere zu lang, um schon in zwei, drei Jahren viele neue Bewerber zu finden.

Er will deshalb Schul-Fachangestellte einführen. Bezahlen soll diese das Land. Ähnlich wie im Justizwesen könnten diese Beschäftigten die Fachleute der Schulen entlasten, also die Pädagogen. Solche speziellen Angestellten könnten schon kurzfristig die Lehrer entlasten. Ob das wirklich funktioniert, bezweifelte die Neustädter Primarstufen-Leiterin Manuela Rehfeldt. Vor allem Lernstandserhebungen, die vom Lehrerkollegium verlangt werden, „rauben uns den Atem“, betonte sie. Solche Erhebungen müssten aber beim pädagogischen Fachpersonal bleiben.

Dabei sind schon lange nicht mehr alle Lehrer solches Fachpersonal. Hoffmann berichtete davon, dass es Schulen gebe, an denen bis zu 50 Prozent der unterrichtenden Mitarbeiter Quereinsteiger sind. Das ist in Zeiten des Lehrermangels notwendig, aber nicht unumstritten. Laut Rehfeldt verlangen Eltern mitunter, dass ihre Kinder nicht von solchen Leuten unterrichtet werden. Auch Hoffmann kennt Fälle, bei denen Bauingenieure mitunter „zu lässig“ an den Unterrichtsjob herangegangen sind. Und nur selten sehen Eltern in Seiteneinsteigern auch eine Bereicherung für ihre Kinder. Immerhin fand sich eine Mutter im 40-köpfigen Publikum, Irmgard Henne vom Kreis-Elternbeirat: Die Querstarter können mitunter einen anderen Erfahrungsschatz einbringen, findet sie.

Schwer wird es, Lehrer zu gewinnen, wenn die Gebäude marode sind. Lehrer seien hoch motiviert, aber wer gern und gut die Kinder unterrichten will, brauche ein besseres Arbeitsumfeld, betonte der Musikpädagoge Henning Wehmeyer. Allerdings hapert es gerade da an vielen Ecken und Enden. In Rheinsberg fehlt das Geld für die Sanierung der Gebäude vom neuen Bildungscampus. Aber auch der Tagungsort Neustadt war entsprechend gewählt: Die Prinz-von-Homburg-Schule wartet seit Jahren auf Geld für den nötigen Umbau.

Rehfeldt bezeichnete den baulichen Zustand noch gelinde als „fragwürdig“, zumal die Schule mit ihrem Integrationskonzept von Förderschülern einen anspruchsvollen Ansatz verfolge: „Wir brauchen barrierefreie Räume“, sagte die Schul-Leiterin. „Sonst geht das Konzept des gemeinsamen Lernens nicht auf.“ Apropos gemeinsames Lernen: Früher nannte man das auch Inklusion. Der Begriff sei jetzt in Potsdam und überhaupt zum Tabuwort erklärt worden, berichtete Hoffmann: „Er war zum Kampfbegriff geworden und soll jetzt nicht mehr verwendet werden.“ Eigentlich war Inklusion bis vor Jahren noch mit der Hoffnung verbunden, 2019 alle Förderschulen abschaffen zu können. Die dort speziell unterrichteten Mädchen und Jungen sollten in den normalen Unterrichtsalltag integriert werden – gemäß einer UN-Konvention. Doch ist das Zukunftsmusik von gestern. Hoffmann hält es ohnehin für besser, wenn Eltern die Möglichkeit haben, ihr Kind zu speziellen Förderschulen zu schicken, anstatt ihnen den Zwang zum Normalunterricht aufzuerlegen.

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