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Fastnachten
Mit einem Blumensträußchen am Revers

Bärbel Kraemer / 15.01.2019, 08:04 Uhr
Mörz Mit dem Start in das neue Jahr laufen in vielen Orten der Region die Vorbereitungen für die traditionellen Fastnachtsfeierlichkeiten an. So auch in Mörz. Dort werden Viktoria Paul und Luisa Thiele als Platzmeisterinnen zur Fastnacht einladen. Gefeiert wird am kommenden Wochenende, 19. und 20. Januar. An jeder Tür im Dorf werden sie klingeln und nach altem Brauch, zum Fastnachtstanz einladen. Jeder unverheiratete Mann wird ihnen dann ein buntes Schleifenband ans Jackett heften. Auch das ist Tradition. „Laden Platzmeister ein, heften die unverheirateten Frauen Bänder an“, erklärt Paul. Luisa Thiele nickt und ergänzt: „Dadurch wusste man früher sofort, wer noch zu haben ist.“

Bereits zum zweiten Mal übernehmen die beiden in ihrem Heimatdorf in Bezug auf die Bewahrung der alten Fastnachtstradition als Platzmeisterinnen „Hauptrollen.“ In diesem Jahr sorgen sie jedoch für eine kleine Neuerung. Die Platzmeisterinnen werden „Antanzmänner“ an ihrer Seite haben. Sechs an der Zahl.

Für deren Aufgaben konnten sie Lucas Thiele, Johannes Thiele, Richard Preuss, Karl Severin, Thomas Willmann und Alexander Paul gewinnen. Das Sextett im Alter von 20 bis 28 Jahren hat in der Fastnacht eine ganz besondere Aufgabe zu erfüllen und trägt als Erkennungszeichen ein kleines Blumensträußchen am Revers. Jede Frau, die das Spektaktel besucht, wird von ihnen zum Tanz aufgefordert - „angetanzt“, wie es in der Fachsprache der Fastnachtsfreudigen Mörzer heißt. Nach erfolgtem Tanz bekommt jede Dame wiederum eine pinkfarbene Schleife von ihnen an Kleid oder Bluse geheftet. Als sichtbares Zeichen, dass die Antanzmänner sie bereits auf das Parkett geführt haben. Die Organisatoren erwarten zwischen 200 bis 250 Besucher. Da garantiert das Schleifchen, dass die Männer den Überblick behalten. Die Platzmeisterinnen ihrerseits heißen die männlichen Gäste Willkommen. „Das kriegen wir schon hin“, so Viktoria Paul und Luisa Thiele einstimmig. Dieser Tage hatten sie mit Freundinnen bereits ordentlich zu tun. Einen ganzen Abend lang haben sie aus meterlangen Schleifenbändern die kleinen Schleifenanstecker gebastelt, die am kommenden Wochenende gebraucht werden.

Die Idee der Antanzmänner haben sich die Platzmeisterinnen in Lehnsdorf abgeguckt. Dort, wie in anderen Dörfern im Hohen Fläming auch, gehören diese zur Fastnacht wie die Platzmeister selbst. „Warum nicht also mal was neues ausprobieren“, so die 24-Jährige Viktoria Paul. Als sie im Dorf davon erzählte, herrschte anfangs Skepsis. Doch als die sich gelegt hatte, war man sich einig. Dem Einstand der Antanzmänner bei der Mörzer Fastnacht stand damit nichts mehr im Wege. Jetzt müssen sie sich nur noch bewähren. Dass es gelingt, daran haben die beiden Frauen keine Zweifel. Nicht mehr und nicht weniger als Kenntnisse im Disco-Fox, der landläufig auch als Ein-Zwei-Tipp bezeichnet wird, sind dafür erforderlich.

Dazu kommt, dass sich der Einsatz der sechs Antanzmänner allein auf den Sonnabend beschränkt. Während Luisa Thiele und Viktoria Paul sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag ihre Frau stehen müssen.

Los geht es am Sonnabend Nachmittag. Punkt 13.00 Uhr machen sie sich wie eingangs beschrieben auf den Weg durch das Dorf, die Einwohnerschaft zum Fastnachtstanz einzuladen. Weil es den örtlichen Gasthof nicht mehr gibt, wird seit 2000 in einem großen Festzelt auf dem Sportplatz gefeiert. „Vor Kälte braucht sich dort niemand zu fürchten“, fügt Viktoria Paul hinzu und sagt: „Wir hoffen auf viele Gäste“.

Am Tag darauf heißt es für die Platzmeisterinnen wieder früh aufzustehen. Schon um 9.30 Uhr beginnt unter Vorantritt der Brücker Blaskapelle das Zimpern im Dorf. Wieder wird es von Haus zu Haus gehen - dabei erhalten die beiden jedoch Unterstützung. Mit ihnen werden viele kostümierte Fastnachtsfans unterwegs sein. An jeder Haustür - fast 60 Mal - werden sie den jeweiligen Hausherrn oder die Hausdame zum Tanz auf die Dorfstraße bitten. Im Gegenzug bekommen sie ein Schnäpschen, Pfannkuchen und andere Gaumenkitzler gereicht.

Bis am Nachmittag der Kinderfasching beginnt, muss die Runde durch das Dorf beendet sein. „Das kann ganz schön anstrengend werden“, sagen die beiden und ergänzen: „Aber es ist zu schaffen.“

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