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Uckermärkisches Startup-Unternehmen etabliert Plattformen zur Bürgerbeteiligung bei kommunalen Problemen

Digitialisierung
Mitbestimmung übers Internet

Schnelle Orientierung via Handy und Internet: Abbas Albukhari (l.) und Waldemar Wegner von der Firma VR Easy basteln an einem neuen Bürgerbeteiligungstool. Sie hoffen, dass ihre Idee größerer Transparenz bei wichtigen Entscheidungen vor allem bei Kommunen und Landkreisen auf offene Ohren stößt.
Schnelle Orientierung via Handy und Internet: Abbas Albukhari (l.) und Waldemar Wegner von der Firma VR Easy basteln an einem neuen Bürgerbeteiligungstool. Sie hoffen, dass ihre Idee größerer Transparenz bei wichtigen Entscheidungen vor allem bei Kommunen und Landkreisen auf offene Ohren stößt. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 17.01.2019, 06:45 Uhr
Angermünde (MOZ) Enttäuscht über die fehlende Reaktion aus der Politik ist Waldemar Wegner. Der Chef des Online-Marketing-Unternehmens VR Easy aus Angermünde hat eine Bürgerbeteiligungsplattform für Kommunen entwickelt. Sie soll für mehr Transparenz in der Demokratie sorgen.

Die Idee ist gar nicht so neu: Auf einer Internetseite kann sich der Bürger schnell und übersichtlich per Rechner, Tablet oder Handy über ein aktuelles Problem informieren und dazu seine Meinung abgeben. Am Ende werden alle Kommentare zusammengefasst. Es gibt auch Abstimmungen über Pro und Kontra. Solche Varianten laufen längst in öffentlichen Netzwerken oder auf Internetseiten von Medienhäusern.

VR Easy aus Angermünde hat die Idee nun für Städte, Dörfer und Landkreise weiterentwickelt. Entstanden ist ein Bürgerbeteiligungstool, anwendbar für alle erdenklichen Einzel- und Problemfälle. Startup-Unternehmer Waldemar Wegner hat dabei gar nicht so sehr ein Geschäftsmodell im Auge, sondern die Demokratie. „Überall sieht man, dass der Frust steigt“, sagt er. „Die Leute wollen keine Amtsblätter lesen. Stattdessen muss man Themen heute visualisieren.“ Es geht ihm um neue Bauvorhaben, um Windräder, Stadtplanungen, Kitas, Spendenaufrufe oder auch um Kommunalwahlen – um alle Themen, bei denen die direkte Meinung von Bürgern gefragt sein sollte. „Es geht mir um maximale Transparenz.“

Mit Fotos und Videos, mit leicht verständlichen Erläuterungen und Fragestellungen soll der Bürger die Möglichkeit haben, sich besser zu artikulieren oder gar selbst abzustimmen, Projekte vorzuschlagen, Lösungen zu zeigen. Maximalaufwand: Zwei Minuten. Ergebnisse, Kommentare und Zusammenfassungen leitet VR Easy in Form eines Datensatzes dann an die jeweilige Verwaltung weiter. „Eigentlich haben wir gar nicht die Zeit dafür, das alles zu moderieren“, sagt der Firmengründer. „Wir machen es aber, weil wir hier leben, wohnen, Kinder haben und eben auch für die Region kämpfen.“ Gerade Orte mit unter 20 000 Einwohnern müssten künftig aufpassen, nicht abgehängt zu werden.

Eigentlich hatte er gehofft, mit seiner Idee auf offene Ohren zu stoßen. Doch die Reaktion aus der Uckermark läuft gegen null, obwohl er es nach eigenen Angaben für „einen schmalen Taler“ anbietet. „Ich bin enttäuscht“, sagt Wegner. „Vor allem, weil die Landrätin dauernd von den Chancen der Digitalisierung spricht.“ Doch beim Mitreden der Bürger würden Verwaltungen oftmals blockieren anstatt Transparenz zu zeigen. Also macht VR Easy die Sache auf eigene Rechnung. Das Bürgerbeteiligungstool soll demnächst starten als Modellprojekt für Angermünde. Die Themen sind allzu bekannt: Zukunft des Tierparks, Garagenmieten, Windkraft und Wolletzsee-Projekt.

„Ich würde mich freuen, wenn die Kommunen die Sache für sich entdecken würden“, sagt der Firmenchef und hat sich Termine geben lassen in verschiedenen Wirtschaftsausschüssen. Immer wieder sieht er sich dem Vorwurf ausgesetzt, dass er Eigeninteressen vertrete. „Uns geht es vielmehr darum, dass Kommunen, Menschen und Initiativen das Internet besser für sich nutzen.“

Zum Beispiel bei Wahlen. „Hier muss doch mal ein Gegengewicht zu etablierten Parteien geschaffen werden. Denn Parteilose haben keine Gelder und damit weniger Chancen.“ Ebenso könnten Politiker öffentlich die Meinung der Wähler hinterfragen – alles für alle sichtbar. „Wir haben hier etwas Gewaltiges in der Hand, von dem viele Menschen profitieren könnten“, sagt Wegner. Er ist jetzt mit seinem Unternehmen schon mal direkt vor die Politik gezogen – in die leeren Räume einer Bank, direkt mit Blick aufs Angermünder Rathaus.

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