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Sarah Wiener kocht mit Eberswalder Studenten / Für McDonald’s-Nachfolge steht sie nicht zur Verfügung

Kochkurs
Das Politische im Palatschinken

Marco Marschall / 17.01.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 17.01.2019, 10:34
Eberswalde (MOZ) TV-Köchin Sarah Wiener hat am Dienstagabend die Regie in der Mensaküche der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) übernommen und damit ein Versprechen aus 2015 eingelöst. Acht Studenten haben sich drei Tage unter ihr Regime begeben und jede Menge gelernt.

„Was ist der Unterschied zwischen schwarzem und weißem Pfeffer“, fragt die hargere Frau im gepunkteten Rollkragenpulli und Schürze in die Runde. „Die Farbe“, kommt als spontane Antwort. Doch am Ende hat doch jemand aufgepasst. Weißer Pfeffer ist nichts anderes als geschälter Schwarzer. Grün ist er, wenn er jung geerntet wird, rot, wenn er gereift, schwarz wenn er trocken ist. Geschält werde er laut Sarah Wiener nur, weil mancher keine schwarzen Körner in weißer Soße mag. Wieder was gelernt. Ende der Pfefferkunde. Zurück an die Töpfe.

TV-Starköchin  Sarah Wiener weihte Studenten der HNE in der Waldcampus-Mensa in die Geheimnisse des Kochens ein.
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HNE-Studenten kochen mit Sarah Wiener

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Die 56-jährige TV-Köchin passt auf, dass alle Studenten in der Küche der Waldcampusmensa etwas zu tun haben. Zubereitet werden Palatschinken, eine Hackfleischpfanne als Belag, Kaiserschmarrn, Apfelmus, Apfelkompott, Hummus, Quiche und Rotebeetechips. Die probiert Hochschulpräsident Wilhelm-Günther Vahrson höchst persönlich, als er jenseits des Gewusels an den Arbeitsflächen entlangschleicht. „Gut. Ein bisschen salzig. Hervorragend um Durst zu produzieren“, lautet sein Urteil. Vahrson konnte Sarah Wiener bereits 2015 als Gastrednerin zur Immatrikulationsfeier seiner Studenten begrüßen. Damals habe sie versprochen wiederzukommen, um mit Studenten zu kochen.

Dieses Versprechen wurde nun eingelöst. Acht Studenten konnten sich für einen dreitägigen Kurs bewerben, der am Dienstag endete. „Es war tatsächlich stressig, aber eine tolle Erfahrung“, sagt die 21-jährige Alisa Suwe, als sie gerösteten Sesam zermörsert, um einen natürlichen Geschmacksverstärker zu gewinnen. Gelernt habe sie außerdem, wie man Rotbarsch paniert und leckeren Nudelteig selber macht.

Sarah Wiener probiert derweil das Apfelkompott. „Noch ein bisschen fad“, sagt sie und empfiehlt einen Hauch von Chili. Ihren Kochkurs an der HNE beschreibt die TV-Köchin als „Liebesdienst“. Sie wolle junge Leute couragieren zu kochen. Dabei gehe es auch um das Politische in den Lebensmitteln.

So wird der Palatschinken mit demeter-zertifizierter Biomilch angerührt. Milch sei ein Grundnahrungsmittel und sollte möglichst wenig verarbeitet sein – nicht fettreduziert. „Keine fettarmen Produkte mehr kaufen, sonst werdet ihr fett“, gibt sie den Teilnehmern mit auf den Weg. Außerdem achtet Wiener darauf, dass nichts verkommt. Die teure Vanilleschote könne gut 20 Mal verwendet werden, bevor sie ihr Aroma verliert. Brösel von harten Brötchen verleihen dem Apfelmus mehr Sämigkeit.

Das Mensapersonal, das tagsüber knapp 400 Essen herausgegeben hat, darf am Abend zuschauen und Utensilien reichen. „Man lernt selber noch dazu“, sagt Mensaleiter Matthias Plath. Wiener verfüge über ein unglaubliches Küchenwissen.

Dabei ist die in Österreich aufgewachsene Geschäftsfrau und zweifache Berliner Stadtmeisterin im Vollkontakt-Taekwondo überhaupt keine gelernte Köchin, hat auch keinen Schulabschluss. Nach einem Cateringservice eröffnete sie 1999 ihr erstes Restaurant in Berlin. Weitere Gastronomie, TV-Sendungen und Bücher folgten. Mit einem Restaurant in Eberswalde liebäugelt sie trotz Verbundenheit zur HNE nicht und will auch die nach dem McDonald’s-Auszug freie Fläche in der Rathauspassage nicht übernehmen. „Nein. Das würde ich eher in Angermünde machen, weil ich da zuhause bin. Das sollen die Leute machen, die hier wohnen“, sagt sie. Vor vier Jahren hat Sarah Wiener mit weiteren Partnern den Bauernhof Gut Kerkow bei Angermünde gekauft. Dort werden vor allem Fleischprodukte in Bioqualität produziert.

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