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Zum 13. Mal
Singschwan-Tage laden in Nationalpark

Singschwäne im Nationalpark Unteres Odertal
Singschwäne im Nationalpark Unteres Odertal © Foto: Oliver Voigt/MOZ
dpa / 17.01.2019, 07:48 Uhr - Aktualisiert 17.01.2019, 10:39
Criewen (dpa) Große, überflutete Flussauen sind für sie ideal zum Überwintern: nordeuropäische Singschwäne.

Seit Jahren machen die Zugvögel in der kalten Jahreszeit im Nationalpark „Unteres Odertal“ Station, tummeln sich am Abend im Familienverband auf den Schlafplätzen im Wasser, fliegen tagsüber zum Fressen auf umliegende Felder und sind vor allem nicht zu überhören. Kilometerweit dringen die glockenartigen Rufe der äußerst kommunikativen Tiere.

Um sie näher kennenzulernen, veranstaltet die Nationalparkverwaltung alljährlich im Januar Singschwantage. In diesem Jahr beginnen sie am Freitag (18.1.). Drei Tage lang führen Exkursionen sowohl zu den Schlaf- als auch Fressplätzen. Zum Begleitprogramm mit Vorträgen und Märchen gehören Mythen und Sagen, in denen Schwäne eine Bedeutung haben.

Je nach Ausmaß der Überflutung in der Oder-Polder-Landschaft überwintern bis zu 1500 Singschwäne im Nationalpark. „In diesem Jahr sind es allerdings weniger. Aufgrund der extremen Trockenheit führte die Oder lange Zeit extremes Niedrigwasser, so dass viele Polderwiesen trocken blieben“, erklärt der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dirk Treichel.

Als er 2005 sein Amt antrat, gab es in der Öffentlichkeit noch viel Kritik am Konzept des großflächigen Schutzgebietes zu beiden Seiten des Flusses. „Wir wollten zeigen, dass wir uns hier nicht abschotten oder Gebiete dichtmachen, sondern dass der Nationalpark für die Menschen da ist“, erinnert sich der Initiator der mittlerweile 13. Singschwantage.

Gezielte Veranstaltungsangebote sollten die Auenlandschaft im Nordosten Brandenburgs auch überregional bekannt machen. Mit den Kranichwochen im Herbst und den Singschwantagen an einem Wochenende Anfang des Jahres sei das gelungen. Ende Oktober sind laut Treichel die ersten Singschwäne an der Oder zu hören. Ende Januar stiegen die Zahlen aufgrund erhöhter Zugbewegungen an. „Da machen viele Singschwäne, die bereits auf dem Rückflug aus weiter südlich gelegenen Winterquartieren wie dem Bodensee sind, bei uns Zwischenstation.“

Dann kommen bis zu 1500 Besucher aus ganz Deutschland. Allerdings brauchen sie viel Geduld, denn die ruffreudigen Singschwäne sind äußerst scheu. „Die haben eine Fluchtdistanz von 250 bis 300 Metern. Näher kommst du an die Vögel einfach nicht ran“, weiß Treichel. Während die heimischen Höckerschwäne, die sich vor allem durch die Schnabelfärbung von den nordischen Verwandten unterscheiden, seelenruhig weiterschwimmen, fliegen Singschwäne sofort auf und davon, sobald sich Menschen nähern.

Damit Besucher dennoch auf ihre Kosten kommen, können sie durch Spektive der Nationalparkverwaltung schauen, monukulare Fernrohre mit 30-facher Vergrößerung. Am schönsten zu beobachten seien Singschwäne, wenn Schnee liegt, schwärmt der Nationalpark-Leiter. „Die Tiere verschmelzen mit der Umgebung, sind nur anhand der schwarzen Beine und der gelben Schnäbel auszumachen.“

Echten Winter kann der Nationalpark bisher nicht bieten. Aber auch so seien die „Gesangswellen“ der Tiere beeindruckend, bemerkt der studierte Forstwirt Treichel. „Dieser Singsang verbreitet Melancholie und klingt einfach faszinierend. Höckerschwäne können das schon aus anatomischen Gründen überhaupt nicht.“

Nicht nur der Nationalpark „Unteres Odertal“ ist bei Singschwänen im Winter beliebt. Auch an der Elbe und zunehmend auf den Tagebauseen in der Lausitz sind sie derzeit zu finden. Die Heinz Sielmann Stiftung lädt deshalb am 20. und 27. Januar zur Singschwan-Safari in die Luckauer Region im Spreewald. „Ihre Zahl nimmt seit Jahren zu. Derzeit sind bei uns rund 500 Singschwäne zu Gast“, berichtet der Ornithologe Ralf Donath.

Die Tiere fänden auf den Feldern ausreichend Futter, das Wasserangebot der Teichlandschaften in den ehemaligen Tagebaugebieten wirke offenbar ebenfalls einladend. Donath wird die rund vierstündigen Safaris durch den Naturpark Niederlausitzer Landrücken und entlang Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen leiten.

Seit einigen Jahren brüten vereinzelte Singschwan-Paare sogar in Brandenburg, sagt Treichel. „Bevorzugtes Gebiet sind die Teichlandschaften der Lausitz.“ Dass die Vögel sich gen Süden verbreiten, habe allerdings nichts mit dem Klimawandel zu tun. „Der Bestand liegt bei weltweit etwa 180 000 Tieren. Sie brauchen einfach mehr Platz.“

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