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Baustelle Conradsberg
Aus Jugendclub wird Gemeinschafts-Zentrum

Wiebke Wollek / 17.01.2019, 10:24 Uhr - Aktualisiert 17.01.2019, 11:05
Hennigsdorf ( ) Für knapp drei Millionen Euro ist das Freizeitzentrum am Konradsberg kernsaniert und umgebaut worden. Vielen Hennigsdorfern war der Komplex bislang nur als Jugendclub bekannt. In Zukunft richten sich die Angebote des Gemeinschaftszentrums an alle Generationen.

Dass die Häuser aus den 30er-Jahren längst in die Jahre gekommen waren, daran gab es keine Zweifel. „Die Jugendlichen haben hier oft ziemlich gefroren, im Winter haben wir die Räume gar nicht warm gekriegt“, erinnert sich Jennifer Burczyk, die im Rathaus den Fachdienst Familie, Jugend und Integration leitet. Der Grund für die miserable Isolierung war auch bekannt. Die beiden Hauptgebäude wurden sozusagen auf Sand gebaut. Wie Ingo Rudolf vom städtischen Gebäudemanagement berichtet, sei das eigentliche Ausmaß erst bei der Kernsanierung zutage getreten. „Der Fußboden hat gemodert, außerdem wurde teerhaltige Pappe gefunden“, sagt Jennifer Burczyk. „Aber die drei Millionen muss man erstmal haben“, ergänzt sie.

Die Kosten für die Sanierung und Umgestaltung des Areals neben dem Konradsberg liegen laut Ingo Rudolf nach aktuellen Kalkulationen bei rund 2,9 Millionen Euro. Das sind gut 84 000 Euro mehr als ursprünglich veranschlagt. „Ich denke, das ist vertretbar“, konstatiert der Fachman aus der Stadtverwaltung. In den umfangreichen Förderanträgen haben Jennifer Burczyk und ihre Kollegen dem Projekt den Namen Ideenstellwerk gegeben. Mittlerweile wurde der Name der neu gestalteten Anlage in Gemeinschaftszentrum Conradsberg geändert. „Conradsberg mit C“, betont Stadtsprecherin Ilona Möser, die sich zusammen mit ihren beiden Kollegen am Mittwochvormittag auf der Baustelle umgesehen hat. „Im Mai ist ein Fest zur Neueröffnung geplant“, blickt sie voraus. Doch bereits im Februar wird der Betrieb auf dem neuen Areal aufgenommen. Der Rückzug aus den Ausweichquartieren kann in den kommenden Wochen starten.

Die Förderantrage für das Programm Aktive Stadtzentren II führten schließlich zum Erfolg, sodass die Gesamtkosten zu je einem Drittel von Bund, Land und Stadt getragen werden. Der Komplex setzt sich aus vier Gebäuden zusammen. Von der Parkstraße aus gesehen liegt rechts Haus 2. Dort wird nach wie vor der Jugendclub Conny Island sein Domizil haben. Auf einer Bühne können Bands spielen. Hinter dem Zuschauerbereich befindet sich die Küche mit roten Schränken. Jennifer Burczyk hat sie ausgesucht, ebenso wie die Holzmöbel im Gemeinschaftsraum, welche von Behindertenwerkstätten gefertigt wurden. Wo die Wände einst in knalligem Orange leuchteten, präsentieren sich die teils weißen, teils champagnerfarbenen Wände nun eher zurückhaltend. „Es soll ein Café-Charakter entstehen“, erklärt die Fachdienstleiterin.

Sowohl Haus 2 als auch Haus 3 gegenüber, in der sich bis vor wenigen Jahren eine Werkstatt befand, sind kernsaniert worden. Fundament, Fußböden, Heizung, Sanitär – alles musste erneuert werden. Energetisch gesehen sei die Aussattung vor dem Umbau eine Katastrophe gewesen, sagt Jennifer Burzcyk. In Haus 3 – von der Straße aus gesehen links – wird wieder die Begegnungswerkstatt einziehen. Durch zwei Faltwände lässt sich der große Saal mit Bühne kurzerhand in mehrere kleinere Räume für Krabbelgruppen, Seniorensport oder andere Freizeitangebote teilen. Hebammen, Insolvenzberater oder andere Interessenten können Büroräume für wöchentliche Sprechzeiten mieten. Außerdem wird es wieder eine Keramik- sowie eine Fahrradwerkstatt geben, in der jeder Räder, aber auch Möbel oder andere defekte Gegenstände repariert kann.

Der neue Innenhof verfügt über einen Platz für Lagerfeuer und Sitzgelegenheiten. Die Kleinkunstbühne ist noch nicht fertig, ebenso wie das Ballsportfeld. Extra aufgehängte Lkw-Planen sollen später mit Graffiti besprüht und danach zu Taschen verarbeitet werden. Über der Terrasse wird ein Sonnensegel angebracht und Hängematten sollen zum Entspannen bei sommerlichem Wetter aufgestellt werden.

Das Bandhaus auf dem hinteren Teil des Hofes ist bereits wieder bezogen. Dort können künftig ein Tanzsaal mit Spiegel sowie das Tonstudio genutzt werden. „Grundsätzlich kann jeder die Räume kurzzeitig mieten“, sagt Ingo Rudolf. Auch Schulklassen werden als Gäste erwartet. Das kleine Gebäude an der Straße wird weiterhin als Geschäftsstelle für drei Vereine genutzt.

Zur Geschichte

In der 1930er Jahren ist der Gebäudekomplex als Hitlerjugend-Heim errichtet worden.

Zu DDR-Zeiten war eine Behindertenschule in den Räumen untergebracht.

1993 wurde das Jugendförder- und Freizeitzentrum Konradsberg mit dem Jugendclub Conny Island gegründet. Vor etwa sieben Jahren wurde das Bandhaus bezogen.

2015 kam als weiteres Angebot die Begegnungswerkstatt hinzu, die viel von Geflüchteten genutzt wurde. ⇥(wol)

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