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Förderung
Stipendium soll junge Ärzte locken

Dr. Eleonore Baumann ist Amtsärztin im Kreis.
Dr. Eleonore Baumann ist Amtsärztin im Kreis. © Foto: Jörn Tornow
Olaf Gardt / 17.01.2019, 17:50 Uhr
Beeskow (MOZ) Fünf Medizinstudenten pro Jahr können mit einer monatlichen Förderung ihres Studiums in Höhe von 500 Euro rechnen, wenn sie im Anschluss für mindestens drei Jahre im Landkreis arbeiten. Der Entwurf einer entsprechenden Richtlinie wird nun in den Kreistagsgremien diskutiert.

Die Lage ist dramatisch. Von den gut 250 im Landkreis Oder-Spree ambulant tätigen Ärzten sind 141 älter als 55 Jahre, 90 sogar über 60 Jahre alt. Knapp ein Drittel der Mediziner  wird also in absehbarer Zeit aus dem Berufsleben ausscheiden. An den Kliniken ist es ähnlich. Neue, junge Ärzte gibt es dagegen kaum. Das Studium ist schwer und langwierig, im Anschluss  gibt es finanziell lukrativere Jobs, beispielsweise in der Pharmaindustrie, als in den ländlichen Regionen Brandenburgs.

Um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum langfristig zu sichern, will der Landkreis gegensteuern. Amtsärztin und Gesundheitsamtsleiterin Dr. Eleonore Baumann hat deshalb ein Konzept erarbeitet, mit dem man Medizinstudenten für eine Arbeitsaufnahme im Landkreis gewinnen will. Ihr Vorschlag: Studenten, die die erste Hürde, das Physikum, genommen haben, können sich um eine Förderung beim Kreis bewerben. Für fünf Ausbildungsjahre würden sie eine monatliche Unterstützung von jeweils 500 Euro erhalten. Als Gegenleistung verpflichten sie sich, nach dem Studienabschluss für drei Jahre im Landkreis ärztlich tätig zu werden. Das kann in einem Krankenhaus, einer Praxis oder im Gesundheitsamt sein. Wird die Auflage nicht erfüllt, muss die Förderung zurückgezahlt werden.  Außerdem enthält der Richtlinienentwurf noch etliche weitere Details, Ausnahmeregelungen für die Elternzeit und die Pflicht, während des Studiums auch ein Praktikum, bei Medizinstudenten heißt das Famulatur, im Kreis zu absolvieren.  Gewährt werden kann die Hilfe nicht nur an Studenten in Deutschland, sondern auch künftige Ärzte, die sich in anderen europäischen Ländern an Hochschulen eingeschrieben haben.  Gründe dafür gibt es mehrere. Für ein Medizinstudium ohne lange Wartezeit braucht man in Deutschland ein weit überdurchschnittlich gutes Abitur, an privaten Hochschulen ist die Ausbildung zudem extrem teuer. Die Studenten an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (Neuruppin) müssen rund 115 000 Euro für die sechsjährige Ausbildung aufbringen.

Dr. Rutker Stellke, der den Richtlinienentwurf im Sozialausschuss vorstellte, geht davon aus, dass man mit der Förderung nur gewinnen kann. Seine Hoffnung: „Wenn junge Mediziner sich für drei Jahre Tätigkeit im Kreis verpflichten, ist die Chance groß, dass sie auch im Anschluss bleiben, hier sesshaft werden und Familien gründen.“ Ein Schaden entstehe auf keinen Fall, weil die Förderung zurückgezahlt werden muss, wenn die jungen Ärzte nicht in den Kreis kommen. Stellke machte auch klar, dass die angedachte Förderung kein Allheilmittel für die Ärzteknappheit sei. Im Landkreis Dahme-Spreewald, der neben Elbe-Elster ein ähnliches Programm anbiete, hätten sich im ersten Jahr lediglich zwei Bewerber gefunden. Der Richtlinienentwurf wird nun diskutiert. Schließlich geht man mit dem Papier finanzielle Verpflichtungen von bis zu 300 000 Euro pro Jahr ein. Auf der Kreistagssitzung im April steht eine Entscheidung über die Umsetzung an.

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