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Stadtverwaltung
Strausberg verweigert Zustimmung zu Hähnchenmist in Biogasanlage

Eine Biogasanlage bei Seelow.
Eine Biogasanlage bei Seelow. © Foto: Doris Steinkraus
Jens Sell / 17.01.2019, 19:56 Uhr
Strausberg (MOZ) Die Stadtverwaltung verweigert der wesentlichen Änderung der Biogasanlage in Hohenstein das gemeindliche Einvernehmen. Das Landesumweltamt hat keine Bedenken. Eine Bürgerinitiative will dagegen klagen.

Einmal schon hatte die Stadtplanung die Zustimmung verweigert, als die Biogas Hohenstein GmbH vor genau einem Jahr eine wesentliche Änderung der Anlage beim Landesumweltamt beantragt hatte. Im April vorigen Jahres war das. Die wesentliche Änderung bedeutet, dass durch einen zusätzlichen Motor die Stromeinspeisung ins Netz flexibler gestaltet werden kann. Außerdem bewirkt sie, dass die Anlage auch Hähnchenmist zu Biogas vergären darf. Das ist für die von der Landfarm Hohenstein GmbH geplante Hähnchenmastanlage mit 150 000 Plätzen in acht Mastdurchgängen pro Jahr von großer Bedeutung. Geht es doch um eine umweltverträgliche Entsorgung des Hühnermistes und andererseits um eine staatlicherseits geförderte effizientere Betreibung der Biogasanlage. Denn der Anbau von Energiepflanzen wie Mais könnte reduziert werden, eine Senkung des Kohlendioxidausstoßes wird ebenfalls prognostiziert.

Das Landesumweltamt hält an seiner positiven Stellungnahme zu den Plänen des Hohensteiner Landwirts fest und will das gemeindliche Einvernehmen ersetzen. Das teilte es der Strausberger Stadtverwaltung im November mit. Zuvor forderte es eine schriftliche Stellungnahme ab. Die hat Stadtplanerin Anja Krause fristgerecht eingereicht, teilte sie jüngst dem Bau- und Umweltausschuss mit. „Wir erhalten unsere Versagung des gemeindlichen Einvernehmens aufrecht“, sagte sie und zitierte aus dem Schreiben die Argumente. So werde die bestehende Biogasanlage mit der beantragten Änderung zu einer Nebenanlage der Hähnchenmast. Daher bedürfe es einer gemeinsamen Genehmigung für beide Anlagen, dafür müsse also ein gemeinsamer Antrag für die Hähnchenmast- und die Biogasanlage gestellt werden. Untersucht werden müsse dann die Gesamtbelastung durch Lärm und Geruch beider Anlagen, wobei die Vorbelastung des Standortes durch eine bestehende Schweinemastanlage zu berücksichtigen wäre. Im Zuge dessen sei zu prüfen, ob die Gesamtbelastung durch Geruch und Lärm am besonders nahe gelegenen Haus der Familie F. noch vertretbar sei.

In einer Untersuchung der zu erwartenden Geruchsimmissionen durch die Hähnchenmastanlage, die die Stadt bei der Gesellschaft für Umwelt- und Managementberatung in Auftrag gegeben hatte, wurden die Immissionen der geplanten drei Hähnchenställe und der Umschlag des Hähnchenmists im Zusammenhang mit allen geruchsrelevanten Anlagenteilen und Quellen der Schweinemast- und der Biogasanlage betrachtet. Darin heißt es, „dass für die Gesamtbelastung im Beurteilungsgebiet einschließlich der angedachten Erweiterungsfläche Dorfgebiet die Immissonsrichtwerte ... unterschritten werden“. Eine Ausnahme bilde das nahe gelegene Wohnhaus der Familie F. mit deren eigener benachbarter Schweinemastanlage.

Dass die Stadtplanung die Versagung des gemeindlichen Einvernehmens aufrechterhält, begrüßt der Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Hähnchenmast, Kurt Zirwes: „Klar, das ist zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung. Die Stadtverordneten und die Verwaltung hätten aber schon vor sechs Jahren klar sagen können: Es geht nicht!“ Damals hätten es die Kommunalpolitiker in der Hand gehabt, Hähnchenmast und Biogasanlage zu verhindern. „Vielen, die sich für nicht betroffen halten, ist nicht klar, dass die Rückstände des vergorenen Hähnchenmists auf den umliegenden Feldern hin bis zum Flugplatz ausgebracht werden“, sagte Kurt Zirwes.

Landfarm-Geschäftsführer Jörg Piprek sieht es als Frevel, wenn er unverarbeiteten Hähnchenmist auf die Felder ausbringen würde: „Da steckt ja noch Energie drin, die wir mit der Biogasanlage gewinnen können. Die Rückstände sind wertvoller Dünger für Marktfrüchte, die wir auf den Feldern anbauen.“ Sollte der Mist aus eigener Produktion nicht ausreichen, hält er sich die Option offen, von außerhalb Hähnchenmist zuzuführen. Er soll nur einen Teil des Substrats ausmachen und so die Anbauflächen reduzieren.

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