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Landtag
Fünf Jahre Besuchermagnet

Herzlichen Glückwunsch: Der Brandenburger Landtag wird am Wochenende in seinem neuen Domizil fünf Jahre alt. Am 18. und 19. Januar 2014 hatten mehr als 22 000 Bürger ihr Parlament im wiederaufgebauten Stadtschloss in Besitz genommen.
Herzlichen Glückwunsch: Der Brandenburger Landtag wird am Wochenende in seinem neuen Domizil fünf Jahre alt. Am 18. und 19. Januar 2014 hatten mehr als 22 000 Bürger ihr Parlament im wiederaufgebauten Stadtschloss in Besitz genommen. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Ulrich Thiessen / 18.01.2019, 10:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Der Neubau des brandenburgischen Landtages in der Hülle des ehemaligen Stadtschlosses war ein Wagnis. Vor fünf Jahren wurde das Ergebnis der Öffentlichkeit vorgestellt. Gemeckert wurde nur am weißen Adler – aber der ist inzwischen Geschichte.

Zwei Touristen in der Potsdamer Innenstadt: „Wir laufen bis da vorn zu dem alten Gebäude“, sagt einer.  Gezeigt wird auf den Landtag. Das Haus mit dem rosa-orangen Putz und den Sandsteinverkleidungen scheint schon immer da gestanden zu haben. Dabei wurde es erst im Januar 2014 eingeweiht.

Vorausgegangen waren jahrelange Debatten, ob das brandenburgische Parlament aus der ehemaligen Reichskriegsschule und SED-Bezirksleitung auf dem Brauhausberg ausziehen soll – und wenn ja, wohin. Der nach der Sprengung des Stadtschlosses 1960 leer gefegte Alte Markt kam erst spät ins Gespräch, und es bedurfte noch endloser Debatten, bis die über das Grundstück verlaufende Straße verlegt wurde und man sich für die äußere Rekonstruktion der alten Residenz entschied. Ohne eine 22-Millionen-Spende des SAP-Gründers Hasso Plattner hätte das Haus heute keine Sandsteinfassade und statt des Kupferdaches eine Zinkeindeckung.

Vor der Eröffnung war quer durch die Fraktionen die Aufregung groß, ob die Brandenburger das Haus akzeptieren oder es als zu protzig ablehnen würden. Seinen Ausdruck fand das nicht zuletzt in der Kunst am Bau. In goldenen Lettern wurde an die Außenfassade (mit Blick auf Sanssouci in Französisch) geschrieben: ceci nést pas un château – das hier ist gar kein Schloss.

Spätestens innen wird dies deutlich. Nüchterne Flure und Büros – alles in den Landesfarben Rot und Weiß. Der heutige Vizepräsident des Landtages, Dieter Dombrowski (CDU), witzelte bei der ersten Besichtigung: „Da braucht man ja eine Schnee-Brille.“ Inzwischen hat man sich an das gleißende Licht bei Sonnenschein gewöhnt.

Zum Eröffnungswochenende erlebte der Neubau einen Besucherandrang von 22 000 Gästen. Die Resonanz war durchweg positiv. Nur das Wappentier im Plenarsaal stieß auf Kritik. Architekt Peter Kulka hatte sich für einen weißen Adler quasi als Schattenriss entschieden, da ein roter zu dominant sei. Es gab Umfragen dazu und Petitionen, der Adler verschwand im Keller und hängt heute völlig unbeachtet in der Lobby. Stattdessen gibt es einen kleinen roten Adler am Rednerpult im Plenarsaal.

Das Besucherinteresse riss seit der Eröffnung nicht ab. Die ersten Jahre hatte der Landtag mehr Besucher als Sanssouci. Das kann auch daran gelegen haben,  dass Reisebusunternehmer die preiswerte Kantine empfahlen und zu einem kostenlosen Besuch der Toiletten rieten. Darüber hinaus gibt es so viele Interessierte, dass das Personal für Führungen aufgestockt werden musste. Außerdem locken Ausstellungen oder einfach nur der Blick von der Dachterrasse Besucher an. 676 000 wurden in den fünf Jahren gezählt. Parlamentspräsidentin Britta Stark (SPD) zeigte sich zum Jubiläum stolz, dass der brandenburgische Landtag ein offenes Haus ist, das jeder ohne Anmeldung besichtigen kann.

So selbstverständlich heute der Landtag in der Mitte Potsdams steht, ist er doch immer noch im Werden. Das Äußere wird durch Spenden für den historischen Figurenschmuck verschönert – ein Vorhaben für Jahrzehnte. Innen wird ständig umgezogen. Jeder Austritt aus einer Fraktion bringt eine neue Sitzordnung im Plenarsaal und eine andere  Büroverteilung. Für die Zeit nach der Landtagswahl am 1. September 2019 wird schon mal Platz geschaffen. Teile des Landesrechnungshofes, der ebenfalls im Stadtschloss residiert, mussten bereits weichen.

Im 35. Band der von der Märkischen Oderzeitung veröffentlichten Buchreihe „Einst und Jetzt“ wird die Geschichte des Potsdamer Stadtschlosses zum Landtag anhand von historischen und neuen Fotografien beleuchtet. Das Buch ist im MOZ-Shop unter www.moz.de/buecher erhältlich.

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