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Oldtimerfreunde
Mit der Schienenschwalbe in den Tunnel

Uwe Spranger / 20.01.2019, 07:00 Uhr
Herzfelde (MOZ) Wenn im Frühjahr  die Bauarbeiter den Abschluss der Arbeiten am U-Bahnhof Rotes Rathaus feiern, sind auch einige Herzfelder dabei. Denn vor den gelben Zügen der BVG wollen die Oldtimer- und Ziegeleibahnfreunde etwas anderes durch den Untergrund rollen lassen.

Ganz neu ist das Gefährt von Tobias Zorn, Christian Schäfer und einigen anderen Bastlern nicht mehr. Vor etwa fünf Jahren sei die Konstruktion entstanden. „Auf einmal hat jemand gesagt, halt mal mein Bier, ich hab da `ne Idee“, erinnert sich Zorn. Denn in der rund 40 Leute zählenden Truppe aller Altersgruppen, die auch das inzwischen bundesweit bekannte Herzfelder IFA-Treffen organisiert, wird  an unterschiedlichsten Mobilen geschraubt. Auch an den inzwischen kultigen Kleinrollern. Mit denen sind einige in ganz Europa unterwegs. Zum Beispiel am Gardasee.

Die Bastler sind auch an der Ziegeleibahn aktiv, einer Schmalspurbahn für Transporte der  ehemaligen Tongruben und Ziegeleien in der Umgebung, schrauben an alten Lokomotiven und Wagen. Und hatten eben eine Idee. Die ist ziemlich simpel. Es wurden einfach einige Gerüststangen verbunden, Räder befestigt und das Moped mittels Metallstreben so fixiert, dass sein Antriebsrad auf die Schiene drückt und so das Gefährt antreibt. „Wir wollten ja keine großen Umbauten an der Schwalbe vornehmen, weil wir auch noch auf der Straße damit fahren wollen“, erklärt Zorn.

Zunächst hatte die Draisine nur ein Moped für den Vortrieb. Da war der Richtungswechsel nicht ganz einfach, musste der Wagen gedreht oder der Roller umgebaut werden. Deshalb kamen die Tüftler irgendwann auf die Idee, einfach eine zweite Schwalbe entgegengesetzt zu montieren.

Mit ihrer „Schienenschwalbe 2.0“, wie sie jetzt heißt, waren sie inzwischen nicht nur auf der eigenen Strecke unterwegs, sondern beispielsweise auch bei der Museumsbahn in Gramzow (Uckermark), auf der Märkisch-Oderländer Draisinenstrecke zwischen Sternebeck und Wriezen, in der Berliner Wuhlheide oder bei Schienenfahrrad-Treffs. Beim Märkischen Feldbahnfest im Ziegeleipark Mildenberg (Oberhavel) erregte das Gefährt zwischen Dampflokomotiven ebenfalls Aufsehen. Zumal Wagen angehängt werden können oder sich auf einem Podest Bänke und Tisch platzieren lassen, so dass nicht nur die Sitzbänke der Roller besetzt werden können.

Die Spurweite ist durch die Gerüststangen ohnehin variabel. Mit dem 2,7-Kilowatt-Motor bringt es das Gefährt auf den Gleisen auf Tempo 40 bis 50. „Wenn es erst mal in Schwung ist ...“, beschreibt Zorn. Bis zu zehn Kilometer habe man sich bislang auf Schienen bewegt.

Dagegen wird die Strecke im Tunnel der U 5 deutlich kürzer. Die bislang noch im Bau befindliche Verbindung zwischen Brandenburger Tor und dem Alexanderplatz ist gerade einmal gut zwei Kilometer lang, weiß Zorn.

Der Herzfelder ist in die Installation der Tunnelbeleuchtung zwischen Alex und Rotes Rathaus eingebunden. Und sein Bauleiter sei ein Schwalbe-Fan, berichtet Zorn. Deshalb kamen sie ins Gespräch. Als der letzte Beton vergossen war, sei man schon einmal mit dem Roller durch den Schacht gefahren. Da lagen aber noch keine Gleise.

Mittlerweile schon. Deshalb ist für die „Jungfernfahrt“ etwas anderes gefragt. Die Herzfelder Bastler wollen sich dafür noch etwas Besonderes einfallen lassen und spezielle Wagen bauen. „Es darf  aber nicht so schwer werden“, schränkt Zorn ein. „Es gibt da nämlich ein paar Steigungen.“

Offiziell in Betrieb gehen soll die Verlängerung der U 5 vom Alex über Rotes Rathaus, Museumsinsel sowie Unter den Linden zum Hauptbahnhof 2020. Derzeit wird nur das Stück vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor als U 55 befahren.

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