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Investor Koha bau hat alte Gaststätten am Werbellinsee abgerissen und plant Hotelerweiterung / Weitere Grundstücke im Visier

Investitionen
Altenhof wird zur Baustelle

Susan Hasse / 25.01.2019, 06:15 Uhr
Altenhof (MOZ) Das kleine Dorf am Werbellinsee Altenhof ist in Bewegung: An der Promenade wurden gleich zwei Traditionssgaststätten dem Erdboden gleich gemacht. Auch auf dem Grundstück hinter dem Parkplatz an der Dorfstraße wird derzeit gerodet.

Irene Höhns erinnert sich noch genau an ihre Zeit als Küchenchefin im FDGB-Heim „Strandpavillon“ in Altenhof. Sage und schreibe 1300 Menschen pro Tag wurden in der Hochsaison verpflegt. Als Küchenchefin war Irene Höhns von 1972 bis 1992 unter anderem für die Bestellungen und den Nachschub zuständig. „Da war ordentlich was los hier in Altenhof“, erinnert sich die 76-Jährige. Zu DDR-Zeiten waren in den Sommerferien Tausende Feriengäste in dem kleinen Dorf mit ein paar Hundert Einwohnern unterwegs. Vollbesetzte Doppelstockbusse mit Tagesgästen aus Berlin kamen ins Dorf und füllten die zahlreichen Gaststätten. Die Höhns blicken gern auf diese Zeit zurück.  Beliebt war das kleine Werbellinsee-Dorf vor allem bei der Führungselite des Landes. Die Ferienplätze in den FDGB-Heimen waren heiß begehrt und für viele unerreichbarer Sehnsuchtsort. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Seit Jahren dümpelt die touristische Entwicklung Altenhofs vor sich hin wie ein alter Anka-Kahn. Zwar zieht es immer mehr Boote in den Ort, doch an den sich selbst versorgenden Skippern verdient im Ort niemand.  Doch nun soll es vorangehen mit dem Tourismus am schönsten See der Schorfheide.

Bereits im Sommer eröffnete das Fontane Hotel an der Seepromenade seine Pforten. Der Berliner Investor Koha Bau mit seiner Geschäftsführerin Elena Kories und ihrem Ehemann Peter Kories will nun kräftig im kleinen Dorf investieren. Die Grundstücke rechts und links neben dem Fontane-Hotel hat Koha bereits dem Erdboden gleichmachen lassen. Früher standen hier die HO-Gaststätte „Seeblick“ und der „Strandpavillon“.

Was passiert denn hier?, lautet die wohl am häufigsten gestellte Frage in Altenhof. Jeder fragt jeden, was hier wohl gebaut wird. Die Gerüchteküche brodelt seit Monaten. Viele Mutmaßungen, Falschmeldungen und wie immer in solchen Fällen eine Prise Wahrheit sind im Umlauf. Auch Irene Höhns hat viel gehört, über die Pläne der Kories. „Ich bin gespannt, wie es wird“, zeigt sie sich optimistisch. Es sei grundsätzlich gut, dass sich endlich etwas tut im Ort. Allerdings müsse alles mit Bedacht geschehen.

Das sieht auch der Ortsbeirat in Altenhof so. Er unterstützt die Pläne des Investors. In der monatlich stattfindenden Ortsbeiratssitzung in Altenhof berichtete Ortsvorsteher Wolfram Malkus immer wieder den neusten Stand der Dinge.

Mit dem Abriss der ehemalige Gaststätten „Seeblick“ und „Strandpavillon“ wurde vor rund drei Wochen begonnen: Stein um Stein wurde alles dem Erdboden gleichgemacht. Seit Mittwoch ist auch der Strandpavillon verschwunden. Das Gebäude wurde in den 20er-Jahren gebaut, schätzt Hajo Steinicke, der sich mit der Geschichte des Ortes auskennt.  Damals war an dieser Stelle noch ein Strand, erst 1925 wurde das Ufer befestigt und zur Anlegestelle. Nach dem Krieg war ein Raum der Gaststätte sogar die Dorfschule untergebracht. Was nun hier entstehen wird, ist noch in der Planungsphase. „Dabei arbeiten wir eng mit der Gemeinde zusammen“, so der Chef des Fontane-Hotels Daniel Gerkens. Auf dem Areal des „Seeblicks“ soll ein Veranstaltungsbereich und weitere Hotelzimmer entstehen. Anstelle des „Strandpavillons“ soll es einen Wellnessbereich geben, heißt es. Allerdings müssen die Investoren zunächst einen Bebauungsplan aufstellen lassen. Das wird den ersten Spatenstich deutlich verzögern, heißt es vonseiten des Ortsbeirates dazu. Der geänderte B-Plan müsse schließlich von der Gemeindevertretung abgesegnet werden. Der Ortsbeirat rechnet daher erst in zwei Jahren mit dem Baustart. Dass die Schandflecken weg sind, sei trotzdem erst einmal gut. Im Frühjahr werden die Brachflächen immerhin grün.

Doch die Koha Bauausführungen und Immobilien GmbH aus Berlin hat noch mehr Pläne in Altenhof. Auch das alte Gasthaus „Weißer Hirsch“ gehört dem Investor. Der  Abriss ist ebenfalls bereits besiegelt. Es heißt, auch das Grundstück der ehemaligen „Seeterrassen“ soll Koha gehören. Unterhalb des großen Parkplatzes an der Dorfstraße wird seit Tagen der Wald gerodet. Was hier entstehen soll, ist noch nicht bekannt. Irene Höhns hätte da eine Idee: „Altenhof braucht dringend einen Supermarkt.“ Die Urlauber in den Ferienwohnungen müssen einkaufen und auch die älteren Leute im Dorf haben derzeit keine Möglichkeit dazu. Das wäre eine wirklich sinnvolle Investition, und zwar für alle.

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