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Bewährungsstrafe
Eltern des Opfers nach Todesfahrt-Urteil fassungslos

Verlor bei dem tragischen Unfall vor drei Jahren ihre Tochter: Silke Fitz, die Mutter der getöteten Vanessa.
Verlor bei dem tragischen Unfall vor drei Jahren ihre Tochter: Silke Fitz, die Mutter der getöteten Vanessa. © Foto: MOZ/Christian Schönberg
Christian Schönberg / 25.01.2019, 08:45 Uhr
Dossow/Neuruppin (MOZ) Das Urteil zum tödlichen Unfall bei Dossow wird angefochten. Das stellte die Mutter der bei dem Zusammenstoß getöteten 17-jährigen Vanessa Fitz klar. Die Revision werde in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft angestrebt.

Silke Fitz ist mit ihrem Mann Nebenklägerin in dem Prozess gegen Stephan F. Der 27-jährige Scharfenberger war am späten Abend des 18. September 2016 mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Gegenfahrbahn geraten. Dabei rammte er die auf einem Moped fahrende 17-Jährige frontal. Die junge Frau war sofort tot. Das Landgericht hatte am Mittwoch eine Gefängnis- in eine Bewährungsstrafe umgewandelt.

„Für uns war das, als wäre unsere Tochter ein zweites Mal gestorben“, schilderte Silke Fitz ihre Gefühle dem RA am Tag nach dem ergangenen Urteil. „Wir waren vor der Gerichtsverhandlung noch hundertprozentig überzeugt, dass F. zu einer Haftstrafe verurteilt wird. Als das Urteil fiel, war es, als würde uns der Boden unter den Füßen weggerissen werden.“

Kein Verständnis hat sie vor allem dafür, dass der Todesfahrer, der auch eine Geldbuße von 6 000 Euro zahlen muss, seinen Führerschein behalten darf. „Wir werden jetzt aber weiter kämpfen, auch wenn es für uns schwer zu ertragen ist“, sagte die Dossowerin.

Sollte die Revision angenommen werden, würde der Fall wohl vor dem Oberlandesgericht Brandenburg/Havel noch einmal geprüft werden. Juristisch ist er ohnehin äußerst komplex. Schon das Amtsgericht hatte angedeutet, dass das eigentliche Verschulden nicht auf einem außergewöhnlich rüden Verkehrsvergehen fußt. Auch das Landgericht kam zu dem Schluss, dass die um mindestens 16 Kilometer pro Stunde überhöhte Geschwindigkeit und das Verlassen der rechten Fahrspur eher eine „durchschnittliche Pflichtverletzung“ seien. Dass die Folgen solch eines Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung so dramatisch sind, dürfe den Blick auf das eigentliche Verschulden nicht verstellen, hieß es.

Silke Fitz hofft darauf, dass eine Überprüfung des Urteils doch noch zu einer Gefängnisstrafe gegen den Angeklagten führt. Alles andere könne sie nur als „kompletten Freispruch“ für ihn bewerten, sagte sie im RA-Gespräch. Stephan F.s geäußerte Reue- und Beileidsbekundungen wies sie zurück.

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