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Schifferball
Traditionspflege der festlichen Art

Dürfen – ganz  im Sinne der jahrelangen Tradition – in Marienthal nicht fehlen: Zu Beginn des alljährlichen Schifferballs werden die mit bunten Bändern geschmückten Modelle feierlich und unter Applaus in den Saal getragen.
Dürfen – ganz  im Sinne der jahrelangen Tradition – in Marienthal nicht fehlen: Zu Beginn des alljährlichen Schifferballs werden die mit bunten Bändern geschmückten Modelle feierlich und unter Applaus in den Saal getragen. © Foto: Wolfgang Gumprich
Wolfgang Gumprich / 27.01.2019, 19:20 Uhr
Marienthal Passender hätte der Ball des Schiffervereins Marienthal nicht anfangen können: „Seemann, deine Heimat ist das Meer“ intonierten die beiden Musiker der Band „Chili“ am Sonnabend im Restaurant „Der Marienthaler“ den alten Schlager, mit dem die Österreicherin Lolita sich in den 50er-Jahren in die Herzen der Deutschen sang.

Nun ist es in Brandenburg nicht gerade das Meer, das das maritime Leben bestimmt, sondern die Havel. Und die hatte einen großen Einfluss auf das Leben hier, wie der Vorsitzende Walter Odermann im voll besetzten Saal beim Blick in die Historie erzählte.

1732 wurde mit dem Bau eines Kanals von der Havel zum Wentowsee begonnen. Dort wuchsen Eichen und Buchen, die über Havel und Elbe nach Hamburg transportiert und von dort vor allem nach Skandinavien exportiert wurden. Gut 20 Jahre später kamen die ersten Siedler in diese Gegend, Weber, später auch Hugenotten. Und der Legende nach soll es Friedrich der Große selbst gewesen sein, der dem Ort den Namen gab, nachdem er am Ortsrand ein Mädchen nach ihrem Namen fragte. „Du heißt Maria? Dann soll der Ort Marienthal heißen!“ Der Handel lief so gut, dass 1816 der Kanal erweitert wurde. Ab 1880 brach ein Boom über die Gegend rund um Zehdenick herein, als beim Bau der Bahnstrecke zwischen Berlin und der Ostsee hier riesige Tonfunde festgestellt wurden, die als Ziegel in die junge Reichshauptstadt geliefert wurden. So entstand der Satz „Berlin wurde aus dem Kahn gebaut“, erläuterte der Vorsitzende. In Zehdenick gab es damals mindestens fünf Reedereien, berichtete Odermann. 1841 gründete sich der Schifferverein als Interessenvertretung. „Heute zählen wir 23 Mitglieder, darunter zwei gelernte Schiffer und einen aktiven“, sagt Odermann. Zwei Vertreter des Schiffervereins Einigkeit Zehdenick überreichten als Gastgeschenk ein Modell der Fähre Burgwall–Marienthal, die bis in die 1950er-Jahre in Betrieb war.

Heute erinnern zwei Modelle an die große Zeit der Havel-Schifffahrt; nach alter Tradition wurden sie auch wieder zu Beginn des Schifferballs in den Saal getragen. An den Seiten befinden sich kleine Fähnchen mit den Jahreszahlen. Nach dem Einmarsch wurden die Schiffe an Tauen befestigt und hochgezogen. Dort schwebten sie – bis die Lichter ausgingen – über den Köpfen der Tänzer. (wg)

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