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Ruppiner Kliniken
Kritik an Mindestzahl beim Personal

Eine Untergrenze für das Klinikpersonal gilt seit 1. Januar, in Neuruppin wird das kritisiert.
Eine Untergrenze für das Klinikpersonal gilt seit 1. Januar, in Neuruppin wird das kritisiert. © Foto: Stephan Jansen/dpa
Christian Schönberg / 29.01.2019, 09:30 Uhr
Wittstock/Berlin (MOZ) Der medizinische Geschäftsführer der Ruppiner Kiniken, Dr. Matthias Voth, hat das am 1. Januar in Kraft getretene Personal-Untergrenzen-Gesetz als „puren Aktionismus“ kritisiert.

Es sieht vor, dass in speziellen Abteilungen je nach Tageszeit eine bestimmte Mindestzahl an examinierten Krankenschwestern oder -pflegern pro Patient vor Ort sein muss. Das betrifft seit 1. Januar in Neuruppin unter anderem die Kardiologie, die Altenheilkunde, die Unfallchirurgie und die Intensivmedizin. „Wir haben deswegen nicht neu einstellen müssen“, versicherte  Kliniken-Personaldirektor René Kelling. „Wir konnten auch so die Untergrenzen einhalten – auch in qualitativer Hinsicht.“

Allerdings habe man intern umstrukturieren müssen. So wurden die Plätze der Beatmungsbetten – deren Zahl aufgrund einer anderen neuen Richtlinie um eines auf jetzt 20 erhöht werden musste – an einer Station gebündelt. Vorher waren sie auf zwei Abteilungen verteilt. „Auf die Versorgungsqualität für den Patienten hat das aber keinen Einfluss“, betonte Matthias Voth. Nur dem Unternehmen werden jetzt praktisch kleinere Einheiten aufgedrückt, obwohl die großen gut funktioniert hätten. Überdies gebe es jetzt zusätzlichen Dokumentationsaufwand und damit mehr Bürokratie.

Voth kritisiert an dem Gesetz, dass es „nicht zu Ende gedacht“ sei. Er machte das an einem Beispiel deutlich: So haben die Kliniken für die Medikamentenversorgung in der Nacht einen Roboter samt speziellem Programm. „Der entlastet die Fachkräfte von stupider und fehleranfälliger Arbeit“, sagte er. Der Gesetzgeber lege nun „uns nahe, solche innovativen Dinge abzustellen“ und stattdessen wieder alles durch qualifizierte Pflegekräfte zu bewältigen.

Sorge macht, dass bald auch andere Bereiche mit solchen verpflichtenden Personal-Untergrenzen arbeiten sollen. Fest steht, dass es künftig auch in der Neurologie, also der Behandlung von Nervenkrankheiten, der Fall sein soll. Auch die Herzchirurgie bekommt die Untergrenze; diesen Bereich gibt es aber in Neuruppin nicht.

Derzeit gehören rund 500 der 2 200 Kliniken-Beschäftigten zum Pflege-Personal. Laut Kelling gelingt es auch, offene Stellen zu besetzen. Aber die Herausforderung werde größer, weil Nachwuchskräfte mittlerweile in allen Branchen begehrt sind. Immerhin bleiben 80 Prozent aller Absolventen der klinikeigenen Medizinischen Bildungsakademie (MBN) dem Krankenhaus als Fachkräfte erhalten. Seit vorigem Jahr werden dort 160 Nachwuchspfleger ausgebildet – verteilt über alle drei Ausbildungsjahrgänge.

Zum Hemmnis der Ausbildung von mehr Pflegern gehört der hohe Anspruch ans Lehrpersonal. „Sie müssen höher qualifiziert sein als ich“, sagte der Kliniken-Chef. Sie müssen den Beruf erlernen und dann berufsbegleitend ein Studium abschließen. „Und das geht dann nur außerhalb Brandenburgs, weil es hier nicht angeboten wird“, so Voth.

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