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Müllhalde
Angebot mit einigen Fragezeichen

Podiumsrunde: v. l. Bürgermeister Thomas Krieger (CDU), Peter Küllmer (Anwohner und Nabu), Moderator Benjamin Raschke (MdL Grüne), Journalist Michael Billig und Ralf Haida (Nabu)
Podiumsrunde: v. l. Bürgermeister Thomas Krieger (CDU), Peter Küllmer (Anwohner und Nabu), Moderator Benjamin Raschke (MdL Grüne), Journalist Michael Billig und Ralf Haida (Nabu) © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 30.01.2019, 06:30 Uhr
Fredersdorf-Vogelsdorf Wie weiter mit den illegalen Müllablagerungen in Vogelsdorf? Zu dieser Frage hatte die Grünen-Landtagsfraktion eine Podiumsdiskussion in der Begegnungsstätte organisiert. Die Runde brachte zwar keine Lösung, aber Erkenntnisgewinne.

Länger als die geplanten zwei Stunden zog sich der von Benjamin Raschke, naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, moderierte Austausch hin. Rund 81 000 Tonnen Bauschutt und andere Abfälle lagern auf dem früheren LPG-Gelände – ein Altlasten-Problem, das die Gemeinde seit vielen Jahren bewegt. Jetzt gibt es einen neuen Eigentümer der Fläche, der eine Beseitigung in Aussicht gestellt hat. Allerdings um den Preis eines temporären Anwachsens der Berge, die zusammen mit neu angefahrenen Mengen in einer Anlage aufbereitet werden sollen. Nur so sei das Vorhaben wirtschaftlich darstellbar, gab Bürgermeister Thomas Krieger auf dem Podium das kürzlich vorgestellte Angebot weiter.

Begeistert ist von einem solchen Ansatz offenbar niemand im Ort. Krieger, das machte er deutlich, sieht in der Offerte aber zumindest eine realistische Möglichkeit, das Problem über einen überschaubaren Zeitplan endlich aus der Welt zu schaffen. Gewisser Risiken ist er sich dabei durchaus bewusst, doch ließen sie sich mit Auflagen und Sicherheiten minimieren, betonte er.

Strittig ist schon im Grundsatz vieles. So wird ein Gutachten, das keine unmittelbare Gefährdung durch die Altlasten attestiert, gerade von Seiten örtlicher Naturschützer etwas in Zweifel gezogen. Ralf Haida, Nabu-Mitglied und seit 1980 in der Gemeinde ansässig, verwies auf hohe Betonanteile der Schuttberge, resultierend aus abgerissenen Balkonen Berliner Wohnblocks. Sorge hegt er um zwei bisher als Grünflächen ausgewiesene Teilbereiche des großen Areals. Und eingehend auf das Angebot der Firma, sieht er mit 50 000 Tonnen Aufbereitung insgesamt pro Jahr (davon 20 000 der Altlasten) einen enormen Lkw-Verkehr auf den Ort zukommen. Der Lärm einer Anlage würde zudem die Nachbarschaft stören. „Beräumung muss das Ziel sein, nicht eine neue Aufbereitungsanlage“, sagte Haida. Ähnliche Bedenken hegt Peter Küllmer, ebenfalls im Nabu aktiv und Anwohner der Problemfläche.

Michael Billig, freier Journalist aus Leipzig, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema, hat die wohl umfangreichste Info-Sammlung zu illegalen Deponien in Brandenburg erstellt. 120 Flächen seien das mit 100 bis zu einer halben Million Tonnen. Dass Vogelsdorf auf der Prioritätenliste des Landes einerseits auf dem Spitzenplatz stehe, passt aus seiner Sicht nicht damit zusammen, dass die Landesbehörden noch keine eigenen Anstrengungen entfaltet hätten, während die unmittelbar folgenden Flächen auf der Liste schon beräumt seien oder die Arbeiten derzeit laufen.

Billig stellte zudem das Firmengeflecht vor, das sich um die nach seinen Erkenntnissen 2017 gegründete Sorbus GmbH rankt. Deren Chefs, die Brüder Andreas und Patrick Reißner sowie Vater Thomas und ein dritter Bruder, tauchen nach seinen Recherchen auch an der Spitze von acht anderen Unternehmen mit wechselseitigen Querverbindungen auf. Sie seien zumeist in Sachsen aktiv. Billig bestätigte, was der Bürgermeister auf eine Zuhörerfrage erklärt hatte: Eine Räumungsverfügung des Landesumweltamtes sei als Druckmittel „ein stumpfes Schwert“.

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