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Pilger?
Der Rhinower mit Stab und Kapuze

Etwa ein typisch gekleideter mittelalterlicher Pilger? Der Mann auf dem Rhinower Stadtwappen kam während des Neujahrsempfangs des Bürgermeisters, Stefan Schneider (re.), zuletzt groß raus. Hier zu sehen mit Leuten, die sich für die Rettung des Spielplatzes im Ort engagierten.
Etwa ein typisch gekleideter mittelalterlicher Pilger? Der Mann auf dem Rhinower Stadtwappen kam während des Neujahrsempfangs des Bürgermeisters, Stefan Schneider (re.), zuletzt groß raus. Hier zu sehen mit Leuten, die sich für die Rettung des Spielplatzes im Ort engagierten. © Foto: Weber
René Wernitz / 06.02.2019, 07:30 Uhr
Rhinow (MOZ) Viele Wege führen nach Rom, noch mehr nach Santiago de Compostela. Das ist ein nordspanischer Pilgerort, fast am westlichsten Zipfel der Iberischen Halbinsel. Die Gebeine des Heiligen Jakobus sollen dort bestattet sein. Deshalb ist von Jakobswegen die Rede.

Knapp 1.900 Kilometer Luftlinie sind es von Rhinow im Westhavelland  zur mittelalterlichen Kathedrale in Santiago de Compostela. Wer sich zu Fuß auf den Weg macht, müsste rund 2.300 Kilometer Wegstrecke absolvieren. Bei Tagesetappen von durchschnittlich 30 Kilometern wäre man in knapp 80 Tagen am Ziel. Es hat den Anschein, als stünde Rhinow mit früheren Pilgern in Verbindung.

Obgleich die kleine Kommune im Havelland nie mit Santiago de Compostela in einem Atemzug genannt wird, zeigt aber das Rhinower Stadtwappen jemanden, der aussieht wie ein Pilgersmann. Die Gestalt entspricht der auf dem ältesten vorhandenen Wappenmotiv, laut Hauptsatzung der Stadt ein Glasgemälde aus dem Jahr 1580: „Das Wappen zeigt einen Mann mit Bart. Die Figur hält einen Stab in der rechten Hand. Der Mann trägt eine blaue Kutte mit Kapuze...“, wie es dort heißt.

Derweil wird auf www.jakobsweg-pilgerweg.de eine spezielle Reisekleidung erläutert, die im Mittelalter aufgekommen sein soll: Sie habe demnach aus einem langen Umhang aus dichter Wolle bestanden, der als Schutz vor Regen und Kälte gedient haben soll. Nachts sei er als Decke verwendet worden. Im 15. Jahrhundert sei das sogenannte Tappert in Mode gekommen, ein rundum geschlossenes faltenreiches Obergewand, das über den Kopf gezogen worden sei.

Hätte der Rhinower Mann irgendwo auch eine Muschel, wäre er eindeutig als  Pilger identifiziert. Tatsächlich sind an Jakobsmuscheln noch heute Leute zu erkennen, die nach Santiago de Compostela unterwegs sind. Jakobsmuscheln markieren überdies die Pilgerwege. Derweil gibt es sogar Orte wie Mücheln, die einen Mann mit Muschel im Wappen tragen. Im Falle von Mücheln ist der Heilige Jakobus höchst selbst abgebildet.

Dieser Ort, ganz im Süden des Bundeslands Sachsen-Anhalt, liegt an einer alten Pilgerroute. Davon gibt es sehr viele in Deutschland. Im Norden Sachsen-Anhalts hätten Rhinower Anschluss an das Wegesystem. So zu sehen auf www.deutsche-jakobswege.de. Von Rostock aus geht es nach Havelberg und westlich davon über die Elbe, dann weiter nach Werben, Arneburg, Tangermünde, Stendal, Wolmirstedt nach Magdeburg, von wo zwei Routen zur Verfügung stehen - über Braunschweig in Richtung Hildesheim und über Schönebeck in Richtung Halberstadt.

Der Rhinower Pilger würde wohl zunächst bei Sandau oder Arneburg die Elbe überqueren, um dort auf den nächstgelegenen Jakobsweg zu gelangen. Er könnte es sich auch ganz einfach machen und ins nur etwa 25 Kilometer Luftlinie entfernte Buckow (Amt Nennhausen) laufen. Zwar findet in der dortigen Wallfahrtskirche seit Jahrhunderten keine Heiligenverehrung mehr statt, doch bleibt die Erinnerung an einen mutmaßlichen Wunderbrunnen, mit dem Buckow in Verbindung gebracht werde, wie es auf www.wallfahrtskirche-buckow.de heißt. Und eine Muschel gibt es dort auch, zu sehen - am Altar.

Denkbar, dass Rhinow im Mittelalter eine durchaus hoch frequentierte Zwischenstation war, wenn Pilger aus dem Norden statt nach Santiago de Compostela lieber nach Buckow wollten. Um die Stadt am Rhin anzusteuern, wären diese Pilger dann womöglich von Havelberg aus ins Havelland gewandert. Andersherum könnten auf diesem Weg Pilger aus dem Westhavelland  ins von Rhinow aus nur etwa 40 Kilometer entfernte Bad Wilsnack gelangt sein. Das war vor der Reformation auch ein sehr bedeutender Wallfahrtsort. Er liegt zudem auf dem Nord-Süd-Jakobsweg.

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