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Bürgerwut
Bürgerinitiative wehrt sich weiter gegen stinkende Putenmast-Anlagen

Protest: 1 538 Unterzeichner fand die Petition aus Roddahn.
Protest: 1 538 Unterzeichner fand die Petition aus Roddahn. © Foto: privat
Christian Schönberg / 06.02.2019, 19:59 Uhr
Roddahn (MOZ) Was einmal in der Landschaft steht, ist schwer wieder wegzukriegen. Das wissen die Einwohner von Roddahn besser als die meisten anderen Ostprignitz-Ruppiner.

Seit 20 Jahren gibt es dort Putenmast-Anlagen, die zum Himmel stinken. Das ist sogar amtlich bestätigt: „Erhebliche Überschreitungen der zulässigen Immissionswerte wurden in Roddahn festgestellt“, teilte das Landesumweltamt auf RA-Anfrage mit. Das war schon vor einigen Jahren. 2015 und 2016 habe es dann Untersuchungen gegeben. Sie sollten ergründen, wie die Belästigung abgestellt werden kann. Die Ergebnisse wurden dem Betreiber mitgeteilt. Er sollte nachrüsten. Statt dessen klagte er – und das Verfahren ist nun in der Schwebe.

Dass es überhaupt zur Baugenehmigung kam, die 1999 zum Betrieb führte, lag laut Umweltamt an unterschiedlichen Richtlinien: Die Puten wurden in ehemaligen Färsen-, Schaf- und Schweineställen untergebracht. „Nach damals gültigen Bewertungsgrundlagen, insbesondere der Mindestabstandsrechnung zur Reinhaltung der Luft, war die Genehmigungsfähigkeit gegeben“, heißt es beim LfU. Erst später seien spezielle Bewertungsfaktoren für Puten eingeführt worden. Zudem wurden in den Folgejahren die Methoden zur Beurteilung der Ausbreitung des Gestanks verbessert, wie es heißt. Ergebnis: Die Geruchsbelästigung überschreitet die erlaubten Werte.

Was die Messinstrumente der Gutachter erst nach Jahren ermittelten, wussten die Roddahner schon lange. Vor zehn Jahren bereits bildete sich der Verein, der sich „Bürgerinitiative Roddahn MINUS Putenmast“ (BI) nennt. Erst Mitte vorigen Monats kam es zur Übergabe einer Petition an den Chef des Landesagrar- und -umweltministeriums, Jörg Vogelsänger (SPD) (RA berichtete).

Dass nun das Ministerium sagt, dass es selbst keine Entscheidungen in diesem Fall treffen wird, sieht BI-Mitglied Nina Alice Schuchardt nicht als Rückschlag: „Wir haben erreicht, das noch einmal öffentlich zu machen und zu zeigen, dass Handlungsbedarf besteht“, sagt sie. Insbesondere bei dem Wunsch nach Blick in die Akten wird mit der BI nicht so kooperiert, wie sie  es sich wünscht: „Bei der Forderung nach Akten-Einsicht stoßen wir auf behördliche Barrieren“, so Schuchardt. So werde gesagt, dass es „zu aufwändig“ sei, das Material bereitzustellen – und nur Einblick in die Bauanträge erteilt: „Die kennen wir aber schon sehr gut“, so Schuchardt. „Da sind wir gut beraten, weiter Druck zu machen.“

Druck wird damit auch auf keinen Geringeren als Thomas Storck gemacht. Er ist – auch auf der Webseite des Amtes Neustadt – als Betreiber der „Gut Jäglitz“ genannten GmbH genannt. Storck ist auch Chef des Verbands Deutscher Putenerzeuger.  Gegenüber Presseberichten ist er auch nicht zimperlich: Gern werden Anwälte eingeschaltet, wenn Missstände bei der Haltung angeprangert werden.

Die soll es zumindest im Jahr 2015 gegeben haben. Ein Jahr später hat Animals Right Watch (ARIWA) Aufnahmen aus jenem Jahr aus den Roddahner Putenställen veröffentlicht. Massive Verstöße gegen das Tierwohl sind dabei offensichtlich geworden. Storck behauptete seinerzeit, die Missstände bei eigenen, regelmäßigen Kontrollgängen festgestellt und veranlasst zu haben, sie abzustellen. Bewiesen hat er diese Behauptungnie.

Der zuständige Mitarbeiter sei wegen der Verstöße auch entlassen worden, hieß es seinerzeit von Storck. Die BI wiederum behauptet auf ihrer Webseite, dass „dieser Mitarbeiter“ berichtet, „dass die dokumentierten Missstände auf Anordnung seines Chefs existieren und Folgen der Sparwirtschaft sind“.

Immerhin: Laut Schuchardt soll die Gut Jäglitz GmbH im vergangenen Herbst in neue Belüftungsanlagen investiert haben. Es seien Anlagen, die eigentlich schon vor Jahren hätten gebaut werden sollen, sagt die Neuroddahnerin: „Und sie reichen nicht aus, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen“, ist sie sich sicher.

Eine beim Verband Deutscher Putenerzeuger vor einem halben Monat gestellte RA-Anfrage zur Stärke der Geruchsbelästigung und der Klage ist bislang unbeantwortet geblieben.

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