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Projekt
Stadtverordnete befürworten Energiewendelabor

Von den Windenergieanlagen produzierter überschüssiger Strom könnte für die Forschung des Ketziner Energiewendelabors genutzt werden.
Von den Windenergieanlagen produzierter überschüssiger Strom könnte für die Forschung des Ketziner Energiewendelabors genutzt werden. © Foto: Wolfgang Balzer
Wolfgang Balzer / 12.02.2019, 13:34 Uhr
Ketzin/Havel Das Votum der Ketziner Stadtverordneten und von Bürgermeister Bernd Lück war am Montag einhellig: Sie begrüßen den Bau des Energiewendelabors (EWL) in Ketzin/Havel auf der Fläche am ehemaligen Untergrundgasspeicher.

Vorgestellt wurde das Projekt von Thomas Borchers, Geschäftsführer der Edis-Therm. Ziel sei es, so Borchers, in diesem EWL gemeinsam mit Partnern aus der Wissenschaft und Forschung Modelle der intelligenten Verknüpfung von regenerativer Energieerzeugung, Energieumwandlung, Energiespeicherung und Energietransport weiterzuentwickeln und zu erproben. Nach voneinander unabhängigen Untersuchungen hätten der Energiedienstleister Edis und die Berliner Gasag AG den Standort Ketzin/Havel als optimal bewertet und im Januar einen Kooperationsvertrag für das EWL unterzeichnet, informierte er.

Die rund 300 Windenergieanlagen auf der Nauener Platte mit ihrem zeitweiligen Überschuss an Windenergie, die strom- und gasseitige leitungsgebundene Infrastruktur direkt vor Ort und die bereits produzierende Biogasanlage können die Grundlage für die Forschungsarbeit bilden. Inzwischen ist auf dem Gelände der Biogasanlage eine Anlage für deren Eigenstromerzeugung hinzugekommen. Gedacht ist zusätzlich an den Bau einer Klein-Windenergieanlage mit etwa 50 Metern Höhe. Es werde noch geprüft, ob der ehemalige Untergrundgasspeicher einbezogen werden könnte, sagte Borchers.

Auch die großen Gewerbestandorte bei Etzin und Wustermark könnten in die Betrachtung einbezogen werden. Ziel sei die Produktion von „grünem Wasserstoff“ durch Elektrolyse, der einerseits in das Gasnetz eingespeist werden kann, und andererseits über Wasserstofftankstellen Fahrzeugen versorgt, so auch in der Logistikbranche, im Personennah- und Fernverkehr und möglicherweise auch in der Binnenschifffahrt. Das EWL untersucht dafür unterschiedliche Technologien der regenerativen Energieerzeugung, -Umwandlung und -Speicherung in Verbindung mit den Transportinfrastrukturen für Strom, Gas und Wärme.

Der Geschäftsführer merkte an, dass der Strom für die Erzeugung von Wärme und Wasserstoff mit der EEG-Umlage belegt sei. Das mache das Gesamtverfahren unwirtschaftlich. Hierfür müsse es eine politische Entscheidung auf höchster Ebene geben. Hinsichtlich der notwendigen wissenschaftlichen Begleitung sind bereits mehrere Einrichtungen, wie das Potsdamer Geoforschungszentrum, die Cottbusser Uni und das Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik mit im Boot.

Noch laufen intensive Vorbereitungen mit allen Partnern. Das Gesamtvorhaben kann nur starten, wenn entsprechende Fördermittel fließen. Dem entsprechend bewerben sich Edis und Gasag gegenwärtig um eine Förderung beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Auf der Grundlage der Genehmigungssituation und der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wird eine Entscheidung über das weitere gemeinsame Investment getroffen. Das wird gegen Ende dieses Jahres möglich sein, blickte Borchers voraus.

Für den Bürgermeister ist die Transparenz gegenüber den Einwohnern das wichtigste. Abhängig vom Stand der Vorbereitungsarbeiten erwartet er im Herbst weitere Informationen. Wie bereits beim CO2-Forschungsspeicher erfolgreich praktiziert, soll es auch für dieses Vorhaben ein Informationszentrum am Standort geben.

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