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Norddeutsche Meisterschaften in Kienbaum

Leichtathletik
Winterwurf im Regen

Kerstin Bechly / 13.02.2019, 05:00 Uhr
Kienbaum (MOZ) Für die einen war es ein wichtiger Test, für andere eine allgemeine Standortbestimmung – in Kienbaum trafen sich 135 Leichtathleten aus neun Landesverbänden zu den Norddeutschen Meisterschaften im Winterwurf. Mit dabei auch zahlreiche Sportler aus der Region.

„Der Regen, der jetzt fällt, kann nachher nicht mehr runterkommen.“ – Die Hammerwerfer, die sich auf dem Wurfplatz des Olympischen und Paralympischen Trainingszentrums in Kienbaum erwärmten, blieben gelassen. Und sie sollten  Recht behalten, denn mit Wettkampfbeginn hörte der Regen bis auf wenige Schauer auf. Rüdiger Möhring von der TSG Bergedorf bei Hamburg machten die Bedingungen ohnehin wenig aus. „Ich habe heute weiter geworfen als das ganze vergangene Jahr über. Meine besten Leistungen erreiche ich oft im Winter, meist kann mich erst im Herbst wieder verbessern“, erzählt der frisch gebackene Norddeutsche Meister der M 55, der den Hammer 51,04 Meter weit geschleudert hatte. Möhring bereitet sich auf die Senioren-Winterwurf-WM Ende März in Torun vor. Der (Freiluft)-Weltmeister der M 50 von 2017 sagt: „Sport  hilft, gesünder zu bleiben. Und Hammerwerfen finde ich nicht so verletzungsanfällig“.

An die Weiten des Hamburgers kommt Klaus Griese von der IGL Schöneiche nicht heran, auch wenn er in jungen Jahren den Hammer über 52 Meter warf. In Kienbaum gelangen ihm 33,22, womit er Zweiter in der M 65 wurde.  „Fairerweise muss man sagen: von zwei Startern“, räumt Griese ein, der als Rentner wieder Zeit hat, sich intensiver mit dem Sportgerät zu beschäftigen. „Mein Ziel ist es, in diesem Jahr 37 Meter weit zu werfen“, sagt er und baut beim Training auf seine Erfahrung. Umso mehr genießt er die Wettkämpfe, wenn sich die Sportler gegenseitig Hinweise geben. „Man braucht Beobachter, die einem sagen: Probiere das mal im Training soundso aus“. Der 66-Jährige war in seiner Geburtsstadt Greifswald zum Hammer gekommen, „weil ich in der 8. Klasse gesichtet wurde, aber im Springen und Sprint schlecht war. Der Verein wollte unbedingt an einem Mannschaftswettkampf teilnehmen und es fehlte ein Hammerwerfer. Ich sollte es probieren – und mache das seitdem“, lacht er.

Während fast alle Hammerwerfer  in Kienbaum Wind und Wetter ausgesetzt waren, trafen es einige Altersklassen sowie die Diskus- und Speerwerfer besser. Sie konnten aus dem Wurfhaus heraus werfen, blieben damit trocken, auch wenn die nasse Kälte allgegenwärtig war. Unter diesen Bedingungen kämpfte sich der Eisenhüttenstädter Nils Albrecht (SC Potsdam) zum Sieg in der U 18. Mit allen seinen Würfen wäre er Norddeutscher Meister geworden, blieb mit 55,34 jedoch unter seine Siegweite bei den Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften.

Ähnlich ging es seiner früheren Trainingsgefährting bei der BSG Stahl,  Tabea Ziems. Mit ihren 31,51 und dem fünften Platz in der U 16 war sie  nicht zufrieden, obwohl nur 80 Zentimeter zu Bronze fehlten. „Das Einwerfen war gut, doch der erste Versuch war zu kurz. Das hat ihr wohl einen Knick gegeben“, analysierte Trainer Holger Franke. Vielleicht aber habe der 13-Jährigen auch der Wurftrainer bei Stahl, Wolfram Kracheel, als Stütze gefehlt, einer, der zu DDR-Zeiten die nationale Spitze mitbestimmt hatte. Im Winter trainieren die Eisenhüttenstädter Werfer ähnlich wie im Sommer: „Wir haben das Glück, am Sportplatz unter Licht üben zu können.“ Grund zur Freude hatte Franke am zweiten Tag der Meisterschaften, denn Jule Sandke (U 18) konnte sich mit dem Diskus auf 26,24 m verbessern, vor ihr landeten lediglich drei ein Jahr ältere Mädchen.

Zu den Norddeutschen sind traditionell auch Athleten der „Werferhochburg“ beim SC Neubrandenburg dabei. Für Trainerin Franka Dietzsch gingen dabei nicht alle Hoffnungen auf, denn Tim Ader  konnte sich im Ausscheid für die Teilnahme am Winterwurf-Europacup der Männer nicht durchzusetzen. „Dafür ist es bei allen anderen gut gelaufen, trotz der nassen Kälte, die einem in die Kleidung dringt“, staunte die dreifache Weltmeisterin.

Die störte Claudine Vita indes nicht. Der ehemaligen Fürstenwalderin gelang, was sie sich schon bei den Berlin-Brandenburgischen in Potsdam vorgenommen hatte: die 62 Meter zu knacken. Die überwand sie im ersten Versuch, konnte die 62,49 dann nicht mehr steigern. „Das ist die beste Winterleistung, die ich je erreicht habe. Es lief heute technisch besser. Ich arbeite daran, die Drehbewegungen etwas dynamischer hinzubekommen“, erzählte die 22-Jährige, für die die Freiluftsaison im Mai mit Wurfmeetings und hoffentlich der Teilnahme an der Diamond League startet. Jetzt aber ist erst einmal eine Woche Urlaub bei den Eltern in Berlin angesagt.

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