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Erinnerung
Neue Stolpersteine geplant

Karen Knauf (2.v.r.)  - Nachfahrin der Familie Sachs - besuchte Bad Belzig im vergangenen Jahr und begrüßte das Vorhaben der Stolpersteine. Vorn links der Initiator Wolf Thieme.
Karen Knauf (2.v.r.)  - Nachfahrin der Familie Sachs - besuchte Bad Belzig im vergangenen Jahr und begrüßte das Vorhaben der Stolpersteine. Vorn links der Initiator Wolf Thieme. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 13.02.2019, 12:04 Uhr - Aktualisiert 14.02.2019, 11:58
Bad Belzig (MOZ) Seit Dezember 2017 wird in Bad Belzig mit einem Stolperstein an den jüdischen Kaufmann Dagobert Bornheim erinnert. Noch in diesem Jahr sollen zwei weitere verlegt werden. Wolf Thieme aus dem Ortsteil Werbig, der federführend in der Arbeitsgruppe „Jüdisches Leben in der Region Belzig  1933-1945“ tätig war und ist, hat stellvertretend für die Gruppe einen entsprechenden Antrag gestellt. Bevor die Stadtverordnetenversammlung im März darüber befindet, muss der Antrag am Montag im Sozialausschuss empfohlen werden.

Mit den geplanten Stolpersteinen soll an Ida und Rudi Sachs erinnert werden, die in der heutigen Sandberger Straße 10 lebten und dort „Herrnberg´s Warenhaus“ betrieben.

Ida Sachs Ehemann Hugo, Sozialdemokrat und Stadtverordneter in Belzig, war 1925 an seinen Verletzungen aus dem Ersten Weltkrieg gestorben. Nach seinem Tod führten die Witwe und beider Sohn Rudi das Geschäft weiter.

Während der Pogromnacht am 9. November 1938 barsten auch dort die Schaufensterscheiben. Rudi Sachs konnte in jener Nacht mit knapper Not über das Dach fliehen. Mutige Nachbarn verhinderten, dass das Haus angesteckt wurde. Mit Ida und Rudi Sachs musste auch Helga Wolf, sie arbeitete im Laden, die Reichspogromnacht in Belzig miterleben. Ihr Vater Willy Wolf, der wiederum in Görzke ein Textilkaufhaus führte, war eng mit der Familie Sachs befreundet. Dennoch geriet Rudi Sachs wenig später in die Fänge der Nazis. Er wurde wegen „Verursachung von Unruhe“ in „Schutzhaft“ genommen und kam ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Dort wurde die Einwilligung zum Verkauf des Anwesens von ihm erpresst. 1939 gelang ihm von Genua aus mit dem Schiff nach Shanghai (China) die Flucht. Ida Sachs zahlte „Reichsfluchtsteuer“ und „Judenvermögensabgabe“ und konnte ihrem Sohn 1940 folgen. Sie starb 1944. Als der Krieg zu Ende war, immigrierte Rudi Sachs in die USA und ließ sich in San Francisco nieder, wo er in den 1990er Jahren verstarb.

Im August des vergangenen Jahres waren in den USA lebende Nachfahren der Familie Sachs in Bad Belzig zu Gast. Sie sahen sich in der Marienkirche die von der Projektgruppe erarbeitete Ausstellung zum Thema „Jüdisches Leben in der Region Belzig  1933-1945“ an und begrüßten das Vorhaben, für Ida und Rudi Sachs Stolpersteine setzten zu lassen. „Es ist wichtig, an die Geschichte zu erinnern. Die nächste Generation muss wissen, was damals passiert ist. Damit es nicht wieder geschieht“, sagte Karen Knauf aus Amerika während ihres Besuchs in der Stadt. Der Bruder ihres Großvater Moritz war der 1925 verstorbene Belziger Hugo Sachs - Rudis Vater und Idas Ehemann.

Die Stolpersteinidee geht auf den Künstler Gunter Demnig zurück, der mit ihnen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. An deren jeweils letzten selbst gewähltem Wohnort werden Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg eingelassen, um die Erinnerung an diese Menschen wach zu halten. Zwischenzeitlich gibt es in 1265 Orten Deutschlands und in 21 Ländern Europas Stolpersteine.

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