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Bäume
Stadt will Grün erhalten

Patrizia Czajor / 15.02.2019, 06:45 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Von Patrizia Czajor

Geht es um Baumaßnahmen, zieht ein Baum häufig den Kürzeren. Auch aus diesem Grund sind in den vergangenen beiden Jahren im Stadtgebiet rund 365 Baumfällungen genehmigt worden. Die Satzung verpflichtet die Stadt zu Ersatzpflanzungen.

Bäume werten eine Stadt nicht nur optisch auf, sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima. Aus diesem Grund hat auch Eisenhüttenstadt 2016 eine entsprechende Satzung erlassen, um den Bestand im Stadtgebiet zu schützen. Wenn also Bäume abgeholzt werden, bedarf das in den meisten Fällen einer Genehmigung. Nach der Bewilligung solch eines Antrags sind in den vergangenen beiden Jahren mindestens 365 Bäume aus dem Stadtbild verschwunden. Nicht enthalten sind in dieser Zahl Maßnahmen, bei denen kein Antrag erforderlich ist. Häufig mussten Bäume dran glauben, weil sie Baumaßnahmen behinderten, wie etwa die Neugestaltung der Außenanlage des OSZ oder die Erneuerung von Parkplätzen am Krankenhaus. Auch bei Maßnahmen zum Heizkanalrückbau, wie derzeit in der Puschkinstraße, werden sie abgeholzt, um die Baufreiheit zu erhalten.

Genauso häufig wie Bauvorhaben, machen laut Michael Reichl, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, hingegen auch Baumkrankheiten eine Fällung notwendig. Anzeichen dafür seien etwa Schäden an der Rinde, offene Höhlungen oder Fäulnis. Um das frühzeitig zu erkennen, würden regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Insgesamt gehören zum kommunalen Bestand rund 39 400 Bäume, die sich auf 31 Flächen im Stadtgebiet verteilen. Besonders verbreitet sind Spitzahorn, Kiefer, Robinie und Linde, da sie nach Angaben von Michael Reichl gegenüber Trockenheit und Hitze besonders resistent sind sowie trotz minderwertigen Böden, die es im Stadtgebiet aufgrund der Versiegelung von Flächen häufig gibt, gut wachsen. Schwer machen es Bäumen auch Schadstoffe aus der Luft, Streusalz im Winter und nicht zuletzt Schädlinge. Speziell von Ungeziefer betroffen sind die 285 Kastanienbäume im Stadtgebiet, etwa am Arboretum, wie der Fachbereichsleiter erläutert. Um die Ausbreitung der Kastanienminiermotte zu verhindern, werde in jedem Jahr das komplette Kastanienlaub entsorgt.

Notwendig sind Fällungen auch, wenn die Standsicherheit gefährdet ist. Gerade im Hofbereich der Saarlouiser Straße oder in der Nähe des Schulhofs der Gesamtschule 3 mussten, führt Michael Reichl aus, Bäume entfernt werden, weil eine Gefahr durch herabfallende Äste bestand. Auch die Pappeln, die vor allem in den 60er- und 70er-Jahren in der Stadt gepflanzt worden sind, seien mittlerweile nicht mehr so standfest. „Um sie zu erhalten, werden sie an einigen Stellen geköpft.“

Dennoch wird der verlorene Bestand ausgeglichen, wie Michael Reichl darlegt und verweist dabei auf die Baumschutzsatzung. Diese verpflichtet die Verwaltung dazu, Stadtgrün zu erhalten. „Ein Gleichgewicht zwischen Fällung und Neupflanzung ist gewährleistet.“ Sollte eine Ersatzpflanzung nicht möglich sein, werde ein Ablösebetrag fällig, den die Stadt jedoch ebenfalls in die Erhaltung der Bäume investiere.

Die Satzung schützt zudem bestimmte Baumarten wie die Eiche oder den Walnussbaum, wie der Fachbereichsleiter erläutert. Gleichzeitig verfolgten die Stadtverordneten mit dem Erlass der Satzung das Ziel, es auch Grundstückseigentümern nicht unnötig schwer zu machen. „Obstbäume sind zum Beispiel nicht geschützt.“ Michael Reichl gibt zudem das Beispiel eines Privatbesitzers, den die zu groß gewachsene Tanne im Garten stört. In diesem Fall wolle die Verwaltung vermeiden, dass ein Bürger sich mit einer Fülle von Anträgen herumschlagen muss. „Der Eigentumbesitzer soll möglichst noch selbstständig handeln können.“

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