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Onlineauktion
Großwudicker Schlosspark kommt unter’n Hammer

Manuela Bohm / 15.02.2019, 09:38 Uhr
Großwudicke (René Wernitz) Vor Jahren wurde die Terrassenanlage des barocken Großwudicker Schlosses zunächst wieder freigelegt. Ihre Wiederherstellung wurde allerdings wegen Unrealisierbarkeit wieder eingestellt. Heute sind von der alterwürdigen Immobilie aus dem 18. Jahrhundert nichts weiter zu sehen als die Kapelle und der Park samt Teichanlage. Anstelle des einst prächtigen, aber nach dem Krieg zunehmend verfallenden und Anfang der 1970er Jahre abgetragenen Herrenhauses entstanden alsbald Reihenhäuser. Der Park soll nun versteigert werden.

„Wir hatten in den 2000-er Jahren überlegt, den Park für die Gemeinde zu erwerben“, sagt Felix Menzel (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Milower Land, zu der Großwudicke als Ortsteil gehört. Damals sei ein Konzept zur Wiederherstellung erstellt worden. Berechnungen zufolge, hätte ein solches Vorhaben 1,5 Millionen Euro gekostet - den Kaufpreis ausgenommen.

Nach 1990 sei der Bund Eigentümer des Parks geworden. Nachkommen enteigneter Alteigentümer erhoben seinerzeit Ansprüche auf verschiedenste Immobilien im Land. Um die verschiedenen Forderungen aufzuklären, eignete sich der Bund Flächen an. Anspruchsberechtigte wurden zentral entschädigt. Bis heute blieb er Eigentümer.

Im Flächennutzungsplan der Gemeinde ist das Grundstück als Wald- und Wasserfläche mit dem Zusatz „Parkanlage“ ausgewiesen, heißt es in der Beschreibung auf der Auktionsplattform der Deutschen Internet Immobilien Auktionen GmbH. Auf dem Stück Land stehen teilweise Bäume verschiedenen Alters sehr dicht. Sie sind wohl in unzureichendem Pflegezustand. „Die unbestockten Bereiche sind mit Gras, Baumsämlingen, Sukzessionsgehölz und Wildkräutern bewachsen“, heißt es in der Beschreibung weiter. Der Schlosspark nördlich in der Gemarkung Großwudickes befindet sich im Landschaftsschutzgebiet, im Naturpark Westhavelland und ist dem Biotop- und Denkmalschutz zugegliedert.

Daher müssen, nach Angaben des Verkäufers, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, alle Maßnahmen, so auch die Verringerung des Bestockungsgrads sowie die Entfernung der Sämlinge, des Sukzessionsgehölzes und das Mähen, genehmigt werden. „Die Bewirtschaftung ist aus unserer Sicht schwierig“, erklärt Bürgermeister Menzel.

Der Park samt Teichanlage steht seit 1992 unter Denkmalschutz, „wurde aber bereits in der Zeit der DDR ehrenamtlich gepflegt. Die Anlage entstand vermutlich zeitgleich mit dem Bau des Herrenhauses, d.h. in den Jahren nach 1735“, wie im Buch „Die Herrenhäuser des Havellandes“ berichtet wird, das 2001 im Lukas-Verlag erschien. Die Anlage sei Zeugnis des bescheidenen Wohlstands der Familie von Möllendorff in der Zeit des Barock. Es folgen geschichtliche Ausführungen im Beitrag über die Großwudicker Immobilie und ihre verschiedenen Besitzer.

Die von Möllendorffs sind demnach bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verarmt. 1847 kaufte die Familie von Jaeckel Schloss, Park & Co. und veräußerte den Besitz 1880 an Friedrich von Rohr-Levetzow. Es folgten Familie Krick (1906) und von Gontard (1916). „Viele der heute noch vorhandenen Bäume sind über 150 Jahre alt. Sie stammen aus der Zeit, als der barocke Park zu einem landschaftlichen umgestaltet wurde“, wie im Sachbuch weiter berichtet wird, „Karl Wilhelm Jaeckel könnte der Urheber gewesen sein. Die große Achse über den See, die noch heute über den anschließenden Eichendamm in die Landschaft weiter führt, wurde dabei zu einem Wiesenraum aufgewertet und beidseitig mit lockeren Gehölzpflanzungen gefasst.“

Originell ist die Wiedergabe dessen, was die Tochter jenes Gutsgärtners berichtete, der mit Kricks 1906 aus Loburg nach Großwudicke kam. Laut dieser Darstellung wollten die damals neuen Besitzer den Park pflegen und zusätzlich eine Schlossgärtnerei aufbauen. „Krick ließ zusätzlich einen Wildpark anlegen, für den Hirsche aus Russland angeliefert wurden und der viele Rathenower zur Hirschbrunst nach Großwudicke lockte“, wie es im fast 400-seitigen Buch heißt, zu deren Herausgebern auch der Brandenburger Historiker und Rathenower Gymnasial-Geschichtslehrer Udo Geiseler gehört. An die Zukunft gerichtet steht dort auch: „Der Park in Großwudicke braucht eine Vision, die seiner vielschichtigen Vergangenheit gerecht wird. Wünschenswert wäre eine Lösung, die die ursprüngliche Achsenbeziehung vom ehemaligen Herrenhaus zum Park wieder deutlich macht.“

Der Park kann bis  21. Februar auf www. diia.de. ersteigert werden. Das Mindestgebot beträgt  19.000 Euro.

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