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Kommunalwahlen
Wolfgang Kielblock tritt nicht mehr an

Will Jüngere ans Ruder lassen: Stechlins ehrenamtlicher Bürgermeister Wolfgang Kielblock
Will Jüngere ans Ruder lassen: Stechlins ehrenamtlicher Bürgermeister Wolfgang Kielblock © Foto: MOZ/Matthias Henke
Matthias Henke / 15.02.2019, 14:30 Uhr
Dollgow (MOZ) Während allerorten sich Parteien und Wählergruppen für den bevorstehenden Wahlkampf warmlaufen, kann der Stechliner Bürgermeister Wolfgang Kielblock das Treiben ganz entspannt verfolgen. Er bewirbt sich nach fast 16 Jahren als ehrenamtliches Gemeindeoberhaupt nicht erneut für ein Mandat.

„Ich kann schwer ,nein’ sagen“,  sagt der frühere Lehrer, der zuletzt von der Wählergruppe Heimatverein/ Dollgower Bürger ins Rennen geschickt wurde. Vor seiner Zeit als Bürgermeister war er bereits fünf Jahre Gemeindevertreter. 1998 habe ihn Dr. Wolfgang Henkel dazu bewegt, sich zur Wahl stellen, obwohl er eigentlich mit Politik nichts mehr am Hut haben wollte. Prompt wurde Kielblock gewählt und von den Gemeindevertretern überdies zum Stellvertreter von Bürgermeister Wolfgang Henkel bestimmt, auf den der Dollgower immer noch große Stücke hält. „Er hat so viel Grundlegendes getan, für das wir bis heute dankbar sein können“, sagt er über seinen Vorgänger.

Kielblock trat dann mit der Kommunalwahl 2003 die Nachfolge von Henkel an, der zeitgleich den Vorsitz des Fördervereins „Naturlandschaft Stechlin und Menzer Heide“ antrat, den er bis Januar dieses Jahres innehatte. „Unterm Strich hatte ich das Glück, an meiner Seite Gemeindevertreter und Ortsbeiräte zu haben, die sehr weitblickend waren und mir das Leben nicht so schwer gemacht haben. Was nicht heißt, dass es nicht mal durchaus derbe Auseinandersetzungen in der Sache gegeben hat“, sagt Kielblock. „Dass mit der Kritik nicht immer Wolfgang Kielblock gemeint war, sondern der Bürgermeister, musste ich aber auch erst lernen.“

Stechlin können die Gemeindevertreter und er guten Gewissens an die im Mai neu gewählten Ratsmitglieder übergeben, ist er überzeugt. „Vor einigen Jahren war die Situation noch schwierig, wir mussten überall kürzen. Mittlerweile haben wir wieder 1,6 Millionen Euro in der Kasse, damit lässt sich vernünftig arbeiten. Wir haben keine Kredite, keine Haftungsverpflichtungen und ähnliches.“

Erfreulich sei auch, dass in diesem Jahr der Neubau der Feuerwehr Menz in Angriff genommen werde.  „Ich habe mir sehr gewünscht, dass das noch klappt“, so Kielblock. Immerhin 800 000 Euro steuere das Amt bei. Die solidarische Zusammenarbeit aller Gemeinden sei ein Markenzeichen des Amtes, auch in den anderen Bereichen, die die Gemeinden in seine Zuständigkeit abgaben, etwa Schulen und Kitas sowie einige Straßen. „Ab 2003 stand die Sanierung unserer Straßen im Mittelpunkt. Ich habe damals geflucht und Amtsdirektor Stege gefragt, ob er denn nur Straßen im Kopf hat. Heute können wir dankbar dafür sein.“

Als echte Aktivposten sieht der Bürgermeister aber vor allem die Bürger selbst. „Zirka 500 Menschen sind in der Gemeinde in den Vereinen aktiv“, sagt er. „Man kann feststellen, in Stechlin pulsiert das Leben. Das Menzer Waldfest, das Neuglobsower Stechlinsee-Fest und das Erntedankfest in Dollgow sind Ausdruck dessen, auch wenn sie nur einen Teil der Vereinsarbeit ausmachen.“

Nur Positives will Kielblock bei seiner Rückschau aber nicht ansprechen: Stichwort Stechlinsee-Center: „Bis heute bin ich da zweigeteilt“, sagt er mit Blick auf die langjährigen Debatten um Finanzierung und Nutzung. „Das, was heute da passiert, wollten wir 2004 doch schon, dass die Neuglobsower sich damit identifizieren. Das Center befindet sich zwar nach wie vor in kommunalem Eigentum, wird aber jetzt vom Verein „Begegnungsstätte Stechlin“ betrieben.

Nicht zufrieden sei er mit der Entwicklung des Baulandbestandes. Stechlin verfüge kaum über eigenes Bauland, das zuzugswilligen jungen Familien zur Verfügung gestellt werden könne. Freilich habe die Gemeinde reagiert und sei dabei, gegenzusteuern. „Aber vielleicht hätten wir das eher sehen können“, räumt er ein.

Fehlende Einkaufsmöglichkeiten, etwa in Menz und ein seit der Schließung des Luisenhofes ausgedünntes gastronomisches Angebot in Neuglobsow schmerzten ebenfalls. An Aufgaben für die neue Gemeindevertretung und seinen Nachfolger mangele es also nicht.

Und Kielblock selbst? Was kommt nach dem Bürgermeisteramt? „Da bin ich noch in der Findungsphase“, sagt er und schmunzelt. „Ich werde mich bestimmt mehr um meine Bienen kümmern und, so es die Gesundheit zulässt, auch um den Garten.“  Und auch die Angelrute will der Ruheständler vermehrt auswerfen. Schließlich ist er eines der Gründungsmitglieder des Dollgower Anglervereins. Im Heimatverein will er sich der Arbeit mit den Senioren 65plus widmen. Auch wenn er der Lokalpolitik Lebewohl sage, „Ganz will ich mich nicht zurückziehen“ so der 78-Jährige.

Die Gemeinde

■ Am 27. September 1998 entstand mit dem Zusammenschluss von Dollgow, Menz und Neuglobsow die Gemeinde Stechlin.

■ Erster Bürgermeister von 1998 bis 2003  war Dr. Wolfgang Henkel.

■ Von den zehn ersten Gemeindevertretern Stechlins sind zwei immer noch dabei. Neben Wolfgang Kielblock ist das der Dollgower Egon Brehe. ⇥(mhe)

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