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Schenkung
Vor 700 Jahren: ein Wald für treue Dienste?

Manuela Bohm / 16.02.2019, 06:00 Uhr
Rathenow (MOZ) Rathenow feiert 2019 ein Jubiläum. Seit 700 Jahren ist die Stadt in Besitz ihres Waldes. Zur Festveranstaltung am 11. Mai sind Gäste aus Partnerkommunen eingeladen. Für einen Gedenkstein, der an die Schenkung des Waldes an die Stadt erinnern soll, werden Spenden gesammelt, beim Frühjahrsputz soll Müll gesammelt werden, die jüngsten Rathenower werden zu Pflanzaktionen aufgerufen. Es wird geführte Wanderungen geben sowie einen Fotowettbewerb und eine Stadtwette zur Waldweihnacht. Dies alles soll an 1319  erinnern, als der damalige Landesherr einen Teil seines Waldes der Bürgerschaft schenkte.

Der brandenburgische Markgraf Waldemar  kam 1294 in  Besitz des sogenannten Hofes Rodewald. Die vormaligen Besitzer - eine Familie Beerenwalde - starb aus, daher fiel dieser Besitz an den Landesherren aus dem Geschlecht der Askanier. So ist es nachzulesen im aktuellen Rathenower Heimatkalender. Stadtförster Thomas Querfurth steuerte den geschichtlichen Abriss bei.

Darin führt er aus, dass Waldemar Kriege gegen verschiedene weltliche und geistliche Herren führte und eine Niederlage in Friedensverhandlungen mündete. Ihrem Herren verpflichtet, nahmen die Bürger der Stadt an den kriegerischen Auseinandersetzungen teil. Als Lohn für treue Dienste, so die Vermutung, erhielten die Rathenower den Hof Rodewald mit seinen dazu gehörigen Ländereien.

In der Schenkungsurkunde, der Inhalt ist durch Adolph Friedrich Riedels „Codex diplomaticus Brandenburgensis“ aus dem Jahr 1847 überliefert, wird dagegen als Grund für die Schenkung folgendes angeführt:  Notdurft und Mangel, „womit unsere Mitbürger von Rathenow bedrückt werden“.

Damals, so Stadtförster Querfurth, sei der Wald in einem sehr guten Zustand gewesen - vor allem Laubgehölze dominierten. Eschen, Buchen und Eichen wurden noch fast zwei Jahrhunderte später in der Holzordnung aufgezählt. Diese sei notwendig geworden, weil die Bürger der Stadt ihr „Geschenk“ leidlich ausnutzten.  „Die Bürger bedienten sich an Bau- und Brennholz. Aber nicht nur für sich selbst - sie verkauften es auch an jene, die nicht dieses Bürgerrecht hatten“, so Thomas Querfurth. Zudem ließen die Städter ihr Vieh, wie Schweine und Rinder, im Wald weiden. Die Tiere frassen die jungen Triebe von nachwachsenden Bäumen, das Laub wurde zur Einstreu im Winter genutzt - der natürliche Kreislauf war gestört.

„Man kann den Zustand des Waldes mit einem Tiergehege mit wenigen Altbäumen und ohne Bodenvegetation vergleichen“, erklärt der Stadtförster. Sogenannte Heideläufer wurden bereits ab 1353 eingesetzt, um dem „Waldfrevel“ Einhalt zu bieten. Weitere Verordnungen zeugen davon, dass dies nicht so einfach war.

Heute wachsen im Stadtwald überwiegend Kiefern. Doch sein Umbau mit Laubgehölzen hat längst eingesetzt. Vor Sturm Xavier wurden Buchensetzlinge gepflanzt. „Der Herbststurm von 2017 hat uns besonders getroffen. Dadurch wurden Bestände geschädigt, die bereits umgebaut und recht natürlich waren“, bedauert der Stadtförster. Auf Flächen nahe dem Ferchesarer Weg sollen in der ersten Aktion zum Jubiläum 7.000 Rotbuchen von Schülern und Kita-Kindern im März gepflanzt werden.   Zum darauf folgenden Frühjahrsputz am 13. April brauchen sich helfende Hände nicht anmelden, aber zu den sieben geführten Touren durch den Wald (Termine auf www.rathenow.de). Spenden für den Gedenkstein, der über das Jahr 2019 hinaus an das Jubiläum erinnern soll, werden in der Stadtbibliothek am Schleusenplatz sowie im Forsthaus Riesenbruch gesammelt.

Der Stein soll an dem Tag, an dem sich die Schenkung zum 700. Mal jährt, 18. Juni, auf dem Rauhen Berg enthüllt werden. Bilder für den Fotowettbewerb „Mein Lieblingsort im Stadtwald“ können im A4-Format bei Franziska Rahn, Sachbereich Kultur, in der Stadtverwaltung bis 31. August eingereicht werden.

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