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Eine Grundschule im polnischen Grenzort Küstrin soll ihre Bezeichnung ändern, doch dagegen regt sich Widerstand

Widerstand
Streit um „kommunistischen“ Schulnamen

Soll verschwinden: Den Namen „Grenzstreitkräfte“ trägt die 4. Grundschule in Küstrin seit 1981. Jetzt gibt es darum Streit.
Soll verschwinden: Den Namen „Grenzstreitkräfte“ trägt die 4. Grundschule in Küstrin seit 1981. Jetzt gibt es darum Streit. © Foto: Dietrich Schröder
Dietrich Schröder / 16.02.2019, 07:00 Uhr
Kostrzyn/Küstrin (MOZ) Egal ob Karl Marx, Edward Gierek oder Wladyslaw Gomulka – Straßennamen, die noch an die Zeit des Kommunismus erinnerten, sind in den vergangenen Jahren aus polnischen Städten und Dörfern verschwunden. Dafür sorgte das Gesetz zur „Dekommunisierung“, das die national-konservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) nach ihrem Wahlsieg 2015 initiiert hatte.

Gerade in den einst deutschen Regionen östlich von Oder und Neiße gab es dagegen auch Widerstände, denn schließlich waren diese Regionen nach 1945 mit Hilfe der „Roten Armee“  oder der „Sowjetischen Helden“ (auch diese Bezeichnungen standen auf den Streichlisten) erst polnisch geworden.

In Stettin bewies der Stadtrat Kreativität, als es um die „Straße des 9. Mai“ ging, die ursprünglich an den Tag des Sieges der Sowjetarmee über die Deutschen 1945 erinnerte.  Sie behielt ihren Namen, freilich mit dem Zusatz, dass künftig der 9. Mai als Europatag ist.

Ein aktuelles Beispiel aus Küstrin zeigt, dass die Kampagne noch nicht zu Ende ist. In dem Grenzort gibt es die 4. Grundschule, die nach den ehemaligen „Grenzstreitkräften“ (Wojsk Ochrony Pogranicza) benannt wurde. Der Name war ihr bei ihrer Gründung am 1. September 1981 verliehen worden, einer Zeit, in der sich die Streiks der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc auf einem Höhepunkt befanden.

Schulleiterin Marzenna Senger staunte dennoch, als sie einen Brief des von der Warschauer Regierung eingesetzten Wojewoden erhielt, mit der Aufforderung, den Namen zu ändern. Nachdem die Angelegenheit öffentlich wurde, regte sich Widerstand. „Die Schule ist doch damals von Angehörigen der Grenzstreitkräfte gebaut worden“, sagt etwa der Vizechef des Stadtrats, Tadeusz Lysiak. Viele der Erbauer lebten noch und ihre Kinder würden auch nicht verstehen, was schlecht an den Traditionen der Schule sei.

Die Schulleiterin hält sich zurück: „Ich habe mich danach zu richten, was unsere Stadt als Schulträger beschließt“, sagt sie diplomatisch. Ein Blick auf die Internetseite der Schule zeigt freilich, dass dort wie überall in Polen patriotische Traditionen hoch gehalten werden, etwa Erinnerungen an Papst Johannes Paul II.. „Zahlreiche unserer 550 Schüler lernen auch Deutsch, manche schon ab der ersten Klasse“, berichtet Marzenna Senger, es sei also alles ganz normal an der Einrichtung.

Im Stadtrat wurde das Thema heiß diskutiert. Der parteilose Bürgermeister Andrzej Kunt, der sich seit Jahren für das Festival Haltestelle Woodstock (seit 2018 „PolandRock“)  einsetzt und sich dabei von Warschauer Bedenken nicht beeinflussen lässt, hat auch diesmal eine Idee: Einfach  gegen den Wojewoden widersetzen könne man sich zwar nicht, sagt der 64-Jährige. „Aber wir können einen Kompromiss anbieten“, meint er.

Seinen Vorschlag, dass die Schule nicht mehr „Grenzstreitkräfte“, sondern „Soldaten der Grenzstreitkräfte“ heißen solle, weil damit konkrete Menschen und nicht die Institution gemeint sei, unterstützt der Stadtrat einstimmig. Damit entspreche man auch dem Gesetz zur Dekommunisierung. Doch das letzte Wort hat der Wojewode.

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