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Konrad Müller und das Damsdorfer Fenn

Andreas Trunschke / 16.02.2019, 10:45 Uhr
Damsdorf (MOZ) In Groß Kreutz (Havel) und Kloster Lehnin kennen viele den Damsdorfer Konrad Müller. Er ist als Wanderwegewart für die zahlreichen Wanderwege in der Region verantwortlich, die er nicht nur mit angelegt hat, sondern die er bis heute wartet. So geht einer der schönsten Wege der Mark Brandenburg überhaupt, der besonders im Herbst beeindruckende Willibald-Alexis-Weg in Lehnin auf ihn und den MAZ-Journalisten Heiko Hesse zurück. „Einen Wanderweg muss man auch ohne Karte ablaufen können“, so sein Credo. Bis heute begleitet Müller Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei ihren Wanderungen. Erst kürzlich war er mit Kindern in der riesigen Damsdorfer Kiesgrube.

Vielleicht liegt es an seine guten Erinnerungen an die eigene Kindheit. „Es war eine tolle Zeit im Kindergarten und in der Schule“, sagt er im Gespräch gleich mehrfach, „ich habe alles mitgenommen, was es gab.“ Das war viel, z.B. Schach, Singen, Leichtathletik und Handball. Er begeisterte sich schon früh für die Natur. In der Station junger Naturforscher in Damsdorf gab es einen Fuchs und einen Storch, lebendig natürlich. Es wurden Orchideen gezüchtet und Vögel bestimmt. Eine Zeitlang fuhr er einmal die Woche nach Lehnin zur Musikschule, um Musik zu lernen. Das gab er zwar bald wieder auf, aber später brachte er sich das Parforcehorn selbst bei, das er bis heute auf seinen Touren als Wanderführer als Signalgeber nutzt. Wenn Müller sagt, „es hat Spaß gemacht, hier zu leben“, glaubt man ihm das sofort: „Es gab keine Zäune zwischen den Grundstücken, man konnte überall hin.“ Neben den vielen Freizeitaktivitäten musste er aber auch in der heimischen Gärtnerei helfen, die Gewächshäuser lüften und natürlich gießen: „Im Sommer durften wir nur jeden zweiten Tag nach Lehnin baden gehen“.

Die Familie war mit dem Bau der Damsdorfer Siedlung 1934 in den Ort gekommen und betrieb dort eine Gärtnerei, bis alles zum Leidwesen des Vaters in einer Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) aufging. Müller wurde kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Februar 1945 geboren. Bis zur 3. Klasse ging er in die alte Damsdorfer Schule in der - na klar - Alten Schulstraße. Danach bis zur achten Klasse in die neue Schule, die heute auch schon wieder eine alte ist und direkt hinter dem neuesten Schulbau steht. Die letzten beiden Schuljahre verbrachte er in Lehnin. Dort, so erinnert er sich, gefiel ihm insbesondere das Fach UTP, der Unterrichtstag in der Produktion. Für ihn hieß das, einmal in der Woche in der Ziegelei in Rädel zu helfen. Am Hoffmannschen Ringofen lernte er die Tongewinnung, die Ziegelformung, deren Trocknung und das Ziegelbrennen.

Seine Großeltern, seine Eltern und beide Brüder waren Gärtner. Für ihn beschied der Vater einen anderen Werdegang. Der jüngste Sohn sollte „etwas Technisches lernen“. Total richtig findet Müller heute. Müller entschied sich für den Fernmeldebaumeister. In der Lehrzeit in Schwerin bekam er vieles mit, was ihm auch heute noch zugute kommt. Er lernte Drehen, Schweißen, Kabelbinden, Hochfrequenztechnik und vieles mehr: „Es war eine sehr gute Zeit.“ In dem Beruf blieb er in unterschiedlichen Betrieben und Positionen auch nach der Wende. Am besten gefiel es ihm bei der Bundespost. Mit dem Übergang zu Aktiengesellschaft Telekom fielen allerdings viele Leistungen für die Beschäftigten weg. Als Müller im Jahr 2000 Rentner wurde, suchte er eine neue Betätigung für sich: „Nur zu Hause sitzen ist nichts für mich.“ Als er in einer Anzeige sah, dass ein Wanderwegwart für die Gemeinde Kloster Lehnin und das damalige Amt Emster-Havel gesucht werde, war er dabei.

Gefragt, was er Gästen in Damsdorf zuerst zeigen würde, muss Müller nicht lange überlegen: Das Damsdorfer Fenn, ein heute idyllisches Gewässer mit einigen Inseln lädt viele Damsdorfer zu einem Spaziergang ein. Den Wanderweg um den See hat Müller selbst mit angelegt. Das Gewässer entstand in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als dort für die Damsdorfer Gärtnereien Torf gestochen wurde. Als Kind kannte er nur die kleinen, ursprünglichen, heute kaum zugänglichen Fenne in der Nähe: „Im Winter sind wir dort immer Schlittschuh gelaufen.“

Das heutige große Fenn zieht nicht nur Menschen an, sondern auch viele Tiere. Man findet dort den Graureiher, Stockenten, Schwäne, Wasser- und Blässhühner. Auch den fliegenden Diamanten, den Eisvogel kann man mit etwas Glück sehen. „Selbst ein Paar Schellenten kommen immer mal wieder gucken, aber sie haben noch nie hier gebrütet“, weiß Müller. Der Damsdorfer Anglerverband fischt im Fenn nach Karpfen, Forellen, Hechten, Schleien und Rotfedern. Für Rollstuhlfahrer gibt es einen barrierefreien Angelsteg. An den Ufern und auf den Inseln haben die Biber unübersehbare Spuren hinterlassen. Zwei bis drei Biber wohnen hier, vermutet Müller.

Zu Halloween ist das Fenn der Anziehungspunkt für die Damsdorfer Kinder schlechthin. Während anderswo Kinder um Süßigkeiten betteln, organisieren die Damsdorfer Vereine eine Gruselwanderung um den dunklen Fenn. Der Andrang ist so groß, dass die Kinder in Gruppen um den See geführt werden müssen. Dass selbst die Schule nach dem Fenn benannt wurde, quittiert Müller leicht amüsiert mit der Übersetzung von Fenn. Grundschule „Am Fenn“ kann man nämlich gut mit Grundschule am Morast übersetzen.

Neben dem Fenn gibt es einen Weidenpalast, der nach der Wende durch ABM-Kräfte angelegt wurde.  Wenn wieder etwas nachgeschnitten oder nachgepflanzt werden muss, ist es Müller, der beim Lehniner Bauhof anruft. Wie um die Wanderwege kümmert er sich um sein Fenn. Er hat es nicht weit von zu Hause bis hierher. Mit seinem Dackel Paula ist er fast täglich am Fenn. Zum Weidenpalast gehört ein Grill. Den Rost dazu verwaltet Müller.  Wer hier grillen will, borgt sich den Rost bei ihm aus. Müller, das spürt man, ist in Damsdorf ganz und gar zu Hause.

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