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Windkraft
Blinklichter stören den Schlaf

Nachtbefeuerung der Windräder: Die Geblinke in der Nacht stört die Bürger in Brunow, Kruge, Leuenberg, Freudenberg und Beiersdorf. Sie empfinden sie als Angriff auf ihre Lebensqualität.
Nachtbefeuerung der Windräder: Die Geblinke in der Nacht stört die Bürger in Brunow, Kruge, Leuenberg, Freudenberg und Beiersdorf. Sie empfinden sie als Angriff auf ihre Lebensqualität. © Foto: Patrick Pleul
Steffen Göttmann / 18.02.2019, 07:00 Uhr
Heckelberg-Brunow (MOZ) In Brunow, Kruge, Leuenberg und Freudenberg regt sich Widerstand gegen den weiteren Ausbau der Windkraft. Dass jetzt bei Heckelberg-Brunow auch noch Wald geopfert werden soll, ruft die Bürger auf den Plan.

„Von Potsdam aus wird geplant, wie wir hier auf dem Land zu leben haben, zukünftig eingekesselt von 19 zusätzlichen Windkraftanlagen. In der Regionalplanung in Beeskow sitzt keiner aus unserem Amt, dazu ist dies zu klein“, schreibt Jessica Möwisch aus Brunow in einem Brandbrief an die MOZ. „Um diese 19 Windkraftanlagen zu bauen und in Betrieb nehmen zu können, wird sinnlos Waldbestand gerodet“, fügt sie hinzu. Dies seien pro Windrad 0,2 bis 1 Hektar. Dabei werde der Rotmilan, der bei Brunow lebt, genauso ignoriert wie brütende Kraniche und andere Tiere. „Über Fledermäuse lacht der Windkraftanlagenbauer von der Firma Notus nur, diesen Hinweis hört er fast überall“, so Jessica Möwisch.

Das brandenburgische Baugesetz regele, dass niemand auf einer Streuobstwiese bauen dürfe oder welches Fensterformat man in sein Eigenheim einbaut. „Für Windkraftanlagen werden alle Regeln ausgesetzt, weil es um viel Geld geht“, so die Brunowerin. „Da holzt man schon mal Bäume ab, raubt den Tieren ihre Zufluchtsorte.“

Sie beklagt zudem den Verlust an Lebensqualität. „Bei Freunden blinkt es nachts direkt ins Schlafzimmer“, berichtet sie. Windräder verursachten Lärm. „Viele von uns schlafen schlecht, kämpfen mit Migräne“, schildert sie die Folgen des Infraschalls, der jedoch nicht anerkannt wird.

„Wir haben zwei Schäfereien, die ihre  Herden in Leuenberg und Brunow halten, so Jessica Möwisch, die betont, dass sie nicht grundsätzlich gegen die Windkraft sei. Zwischen diesen Schäfereien sollen jetzt die Windräder gebaut werden. Die Gemeindevertreter versagten dem Bau von Windrädern ihr Einvernehmen. „Diese Entscheidung spielt keine Rolle“, so die Brunowerin. Das Landesamt für Umwelt ersetzt die Genehmigung. „Systematisch werden die Waldbesitzer so lange telefonisch mit viel Geld gelockt, bis der Eine oder Andere schwach wird und den Verlockungen nachgibt“, weiß Jessica Möwisch. „Wir fragen uns, was ist noch heilig, wie kann man am Rande eines Naturschutzgebietes den Windradbau oder dessen Erweiterung weiter forcieren? Wer lässt solche Planungen zu? Wie kann es sein, dass 2017 in Bayern 91 neue Anlagen gebaut wurden und bei uns 171“, fragt sie. Der erzeugte Strom werde nicht gespeichert. Obwohl zwei Drittel der Windräder nicht laufen, werde weiter gebaut. „Müssen wir dieses Verbrechen an der Natur sowie an der Gesundheit hinnehmen?“, so die Brunowerin, die sich mit anderen Familien zusammengeschlossen hat. „Wir sind in Brunow komplett eingekesselt.“

Die Regionalversammlung Oderland-Spree hat zwar den den Teilregionalplan Windenergienutzung beschlossen, die Genehmigungen für den Bau von Windrädern erteilt das Landesamt für Umwelt. 140 Ortsvorsteher und Bürgermeister, auch aus Märkisch-Oderland, fordern daher in einem Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ein Ausbaustopp.

Wegen der negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft hat aktuell das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefordert, die Auswirkungen der Windkraft stärker zu berücksichtigen. Schon bei der Planung sollte auf einen effizienten Umgang mit Flächen, aber auch die optische Auswirkung auf die Umgebung geachtet werden. „Landschaftliche Qualitäten“ zu erhalten helfe, in der Bevölkerung die Akzeptanz für neue Ökostrom-Anlagen zu erhöhen, so BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Das nächste Treffen der Bürger ist am 25. Februar um 18.30 Uhr im neuen Gemeindehaus Brunow in der alten Kneipe,

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Thomas Nehk 18.02.2019 - 20:24:35

Zeit sich zu wehren!

An der bürgerfeindlichen Umsetzung der Windkraftpläne zeigt sich beispielhaft die Arroganz und Überheblichkeit der "Volksparteien". Nach Gutsherrenart, ohne echte Bürgerbeteiligung und intransparent werden von oben herab Fakten geschaffen. Die betroffenen Gemeinden haben kein echtes Mitspracherecht und die betroffenen Bürger müssen dauerhaft die negativen Begleiterscheinungen ertragen. Ich bin ein betroffener Bürger und ich bin es leid mir von unseren hochbezahlten Volksvertreten mein Lebensumfeld und wahrscheinlich auch meine Gesundheit zerstören zu lassen. Es ist höchste Zeit das die Damen und Herren in Potsdam eine Lektion in Sachen VOLKSVERTRETUNG erhalten. Die nächste Wahl ist eine gut Gelegenheit dafür.

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