Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die Journalistin Andrea-Yvonne Müller beschreibt, wie sich ihr in Polen „das Tor zu mir selbst“ erschloss / Lesung in Frankfurt

Lesung
Hintergründige Liebe zum Nachbarland

Immer zweisprachig: Andrea-Yvonne Müller (r.) aus Königs Wusterhausen liest aus ihrem Buch gemeinsam mit polnischen Partnern – hier mit Iwona Weissbach.
Immer zweisprachig: Andrea-Yvonne Müller (r.) aus Königs Wusterhausen liest aus ihrem Buch gemeinsam mit polnischen Partnern – hier mit Iwona Weissbach. © Foto: Konstantin Müller
Dietrich Schröder / 18.02.2019, 08:00 Uhr
Berlin/Frankfurt (MOZ) „Niemka-kocha-Polske.de“ – Eine Deutsche liebt Polen. Diesen ungewöhnlichen Namen hat die Journalistin Andrea-Yvonne Müller ihrer privaten Internetseite gegeben. Sie beschreibt dort ihre Empfindungen für das Nachbarland, den Charme und die Fähigkeit vieler Polen, zu feiern und ihre Gefühle offener zu zeigen als viele Deutsche.

Doch ihr Verhältnis zum Nachbarland hat noch eine zweite, tiefer liegende Ebene – die Geschichte ihrer eigenen Familie. „Mein Vater war Soldat in dem Krieg, der mit dem deutschen Überfall auf Polen begann“, erklärt sie. Auch die Großeltern waren in die Ereignisse verwoben, doch zu Hause wurde nur in Andeutungen darüber gesprochen. Mit dem Erlernen der polnischen Sprache habe sich ihr deshalb „nicht nur ein Tor in eine andere Welt, sondern auch zu mir selbst geöffnet“.

Diesen Zugang zu Polen auch anderen Deutschen zu eröffnen, ist Anliegen ihres Buchs „Großmamas Chopin – Chopin Babci“. Das Talent der Autorin besteht darin, selbst kleinste Erlebnisse zu überraschenden Erkenntnissen zu verdichten.

Da wird aus dem nächtlichen Rohrbruch in einem Wohnheim eine Bewährungsprobe, die Deutsche und Polen zusammenschweißt. Die vermeintliche Zudringlichkeit eines Krakauers gegenüber der deutschen Besucherin entpuppt sich als aufrichtiges Bemühen, ihr seine Stadt von der  besten Seite zu zeigen. Und ausgerechnet in Auschwitz, jenem Ort, der als Symbol der Unmenschlichkeit gilt, erhält sie einen Schutzengel als Geschenk.

Andrea-Yvonne Müller hat diese Geschichten alle selbst erlebt. Natürlich hat sie auch ein paar Macken an Polen entdeckt, stellt aber auch diese noch als im Grunde sympathisch dar.

Das Buch hat noch zwei weitere besondere Eigenschaften: Die Zeichnungen zu den Texten von Marzena Grzybowska – einer  Stettinerin, die in Berlin lebt –, verleihen ihm einen besonderen Charme und regen zur Deutung an. Und da das Buch zweisprachig ist, kann man den Text auf der jeweils gegenüberliegenden Seite auf Polnisch lesen und so seine  Kenntnisse erweitern.

An diesem Donnerstag stellt die Autorin ihr Buch um  15 Uhr im neuen Frankfurter Coworking-Space „BLOK O“ in der  Karl-Marx-Straße 182 vor. Als Zeichen ihrer Liebe wird die Deutsche ihre Texte auf Polnisch vortragen, während die Polin Natalia Szulc die deutsche Variante vorträgt. Der Eintritt ist frei.

Andrea-Yvonne Müller/Marzena Grzybowska: „Großmamas Chopin – Chopin Babci“, Treibgut Verlag Berlin 2018, 165 Seiten, 19,90 Euro

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG