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Gymnasium
Fontane mit allen Sinnen erleben

Thomas Berger / 19.02.2019, 06:00 Uhr
Strausberg „200 Jahre Querdenker“ lautete das Motto, und gemeint war der Namenspatron der Schule. Jede Menge Ergebnisse aus der Projektwoche gab es da am Theodor-Fontane-Gymnasium zu bestaunen – ein nicht ganz gewöhnlicher Tag der offenen Tür, der da die Besucher lockte.

Die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ gehören zweifellos zu den bekanntesten Werken des Schriftstellers und Journalisten. Ganz im Wortsinn auf die Spuren Fontanes hat sich deshalb eine Gruppe von Schülern begeben, eine den Touren abschnittsweise in Bad Freienwalde nachvollzogen. Nun erklären in Raum 521 Marvin Vogel, Oliver Altenkirch und die anderen den neugierigen Gästen die Plätze. Dass sie die Ida-Eiche aus dem Buch zwar nicht gefunden haben, es sie aber noch gibt. Auch die Statue einer Nymphe, die aber den Winter über aus ihrer Mauernische geholt wird.

Gleich nebenan in Raum 522 gibt es das „Fontane-Superquiz“, wie schon Zettel im Treppenhaus immer wieder hinweisen. Hier können andere Schüler, aber auch Eltern ihr Wissen unter Beweis stellen, um die richtige Antwort einzuloggen. Beispielsweise zu Neuruppin als seiner Geburtsstadt. „Dazu habe ich ein Plakat gemacht“, erinnert sich das Mädchen, das sich damit sicher ist.

Fontane war Schriftsteller. Aber eben auch Apothekersohn und selbst als solcher ausgebildet. Zu diesem Erstberuf gibt es im Chemieraum mehr. Elftklässlerin Luise Siuta erklärt, wie sie und die anderen aus ihrem Projekt mit Wasser, Mandelöl, Bienenwachs und verschiedenen ätherischen Ölen eine Lotion hergestellt haben, duftend nach Lemongras oder Lavendel. Auch Ringelblumensalbe und Badepralinen sind im Angebot.

Gleich mehrfach ist Theater die gewählte Methode, sich Fontane zu nähern und ihn für andere aufzuarbeiten. „Wir haben uns die Biografie angeschaut, ein Drehbuch geschrieben, die Rollen verteilt“, erzählen Änne Ebert, Lara Kurras, Finlay Kuhn und Alrik Sonntag. Gerade die Fünftklässler in der von Kerstin Seidler betreuten Gruppe waren besonders ehrgeizig, Stationen aus Fontanes Leben in Szene zu setzen. „Es war super!“, sagt Finlay ganz begeistert.

In Raum 407 geht es, ebenfalls als Theaterstück, wiederum als Zeitreise in Fontanes Jugend und wie Schule damals aussah. Geschrieben wurde auf Schiefertafeln, die Fächer waren den Heutigen nicht unähnlich, doch der Lehrer führte ein deutlich strengeres Regiment. Dass es in diesem Fall Herr Pfeiffer ist, natürlich mit drei F, kommt nicht von ungefähr. Neben einem Workshop in Berlin war der Film „Die Feuerzangenbowle“ ein zusätzlicher Inspirationsquell für die Fünft- bis Siebtklässler, berichtet Pädagogiklehrerin Marion Staps. Nur wenige Schritte weiter, in Raum 420, geht die Zeitreise wiederum in die Zukunft. Da wäre auch Fontane höchst erstaunt von dem Modell einer Öko-Siedlung samt begrünter Gartendächer und fotokatalytischer Hausfassaden. Schräg gegenüber gibt es süße Snacks, wie sie der Namensgeber der Schule auch genossen haben mag. Semmelpudding mit Birnen oder Friesenkekse zum Beispiel.

Er hat die „Wanderungen“ verfasst, bekannte, teils heute noch im Deutschunterricht zu lernende Balladen wie „Herr von Ribbeck“ und „John Maynard“, zu denen die Teilnehmer eines weiteren Projektes aus Recyclingmaterial kunstvolle Szenenmodelle gebastelt haben. Doch Fontane war 1870/71 auch Kriegsreporter, als sich Deutschland und Frankreich auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden. „Theos Zeitreise“ haben Neuntklässler ihren Stop-Motion-Film betitelt, der dieses ernste Thema aufgreift. „Giftgas – Atemschutzmaske auf!“, brüllt ihn da ein Soldat an, als Fontane in einer Filmszene im Ersten Weltkrieg landet. Bis zum Vietnamkrieg geht es weiter. Zumindest Europa hat seit 70 Jahren Frieden, heißt es zum Schluss, als er zeitreisende Theo am Gymnasium kurzerhand als neuer Lehrer verpflichtet wird.

In Raum 208 erklären Friederike Hildebrandt und Lene Kirchner, wie sie einige Fontane-Gedichte ins Englische übersetzt und künstlerisch ausgestaltet haben, und in Raum 220 geht es um das „Basecap des 19. Jahrhunderts“, jene als Schute, Kiepenhut oder Kapotte bezeichnete Haube, die Damen damals in modischen Variationen trugen. Die ausgestellten Beispiele haben die Schüler selbst genäht.

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