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Insektenschutz
Marwitzer Straße bleibt ohne blühende Pracht

Nützlich und schön: Blühstreifen sorgen auch in Städten dafür, dass Insekten Nahrung finden.
Nützlich und schön: Blühstreifen sorgen auch in Städten dafür, dass Insekten Nahrung finden. © Foto: Rainer Herrmann
Roland Becker / 19.02.2019, 06:00 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Um dem Insekten- und vor allem auch dem Bienensterben etwas entgegenzusetzen, haben die Grünen im Stadtparlament angeregt, Blühstreifen anzulegen. Mit einer Anfrage wollten sie von der Verwaltung wissen, ob das generell und im speziellen Fall an der Marwitzer Straße möglich sei. Die Antwort der Stadtverwaltung ist sehr klar und mit einem Wort zu beschreiben: Nein.

Der komposthaltige Boden in den Mulden an der Marwitzer Straße sei zu nährstoffreich und von Unkräutern belastet. Allein das schließe das Anlegen solcher Blühstreifen aus. Zudem würden diese Pflanzen keine geschlossene Narbe wie Gräser bilden. Damit bestehe die Gefahr, dass die Mulden Schaden nehmen.

Im Fall der Marwitzer Straße sei zudem der Landesbetrieb Straßenwesen für Anlage und Pflege dieser Nebenanlagen zuständig. Allerdings verspricht die Verwaltung, mit dem Landesbetrieb darüber zu sprechen, ob Wiesenmischungen mit einem hohen Gräseranteil und niedrig blühenden Blumen gesät werden könnten.

„Im Moment kommt es auf jeden Meter an“, argumentiert Manuela Brecht, Naturschutzreferentin beim brandenburgischen Nabu. Sie meint damit: Es gebe sicherlich effektivere Flächen für Wildkräuter- und Blumenwiesen. Aber in Zeiten des Insektensterbens würden solche Blühstreifen, die sie zum Beispiel vom Mittelstreifen einer vierspurigen Straße in Schwerin kennt, durchaus hilfreich sein. Auch für nährstoffreiche Böden geben es Möglichkeiten, dort solche blühenden Flächen anzulegen. Nicht nachvollziehen kann sie das von städtischer Seite gelieferte Argument, dass „in der Welkephase die Flächen eher unattraktiv und unaufgeräumt wirken“. Die richtige Mischung würde dafür sorgen, dass es dort vom frühen Frühling bis in den späten Herbst blühen könnte. „Die Welkephase ist das geringste Problem. Wem das ein Dorn im Auge ist, der kann im späten September oder im Oktober ein zweites Mal mähen.“

Nicht ganz von der Hand zu weisen sei ein weiteres städtisches Argument: die Verkehrssicherheit. Wegen der seltenen Mahd könnten die Sichtverhältnisse eingeschränkt werden. Brecht räumt ein, dass Katzen oder kleine Hunde, die aus solch einer Wiese hervorspringen, eine Gefahr darstellen könnten. Dem könnte man begegnen, indem ein Sicherheitsstreifen an der Straße regelmäßig gemäht wird. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen könnten hier helfen.

Einerseits zeigt sich die Stadtverwaltung hinsichtlich straßenbegleitender Blühstreifen ablehnend, andererseits verweist sie darauf, an der Marwitzer Straße für die Muldenbepflanzung nicht zuständig zu sein. Beim Landesbetrieb Straßenwesen steht man dem Vorschlag der Grünen weniger ablehnend gegenüber. In Absprache mit der hausinternen Abteilung Umweltschutz und Landschaftspflege teilte der für das Sanierungsprojekt zuständige Mitarbeiter Hans-Jürgen Otte mit: „Wir würden die Blühstreifen nicht selbst anlegen. Aber wir haben nichts dagegen, wenn es andere tun, bezahlen und pflegen.“ Hinsichtlich der Verkehrssicherheit sieht Otte keine Probleme: „Wenn nicht gerade Schlingpflanzen die Straße überwuchern.“

Aus dem Rathaus heißt es hingegen, man wolle andere Flächen zu Wiesen entwickeln. Dazu zähle ein großer Landschaftsrasen am Papenberger Forst. Auch die gerade erst vor wenigen Jahren aufwändig gestalteten Flächen um die Hochhäuser stehen im Fokus. Ein Teil der Rasenflächen sollen in bunt blühende Wiesen verwandelt werden. Die Idee dazu stammte übrigens aus dem Bürgerhaushalt von 2018. (rol)

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