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Skandal
Neonazis bewachten Gedenkstätte

Historischer Zaun: Wachtürme und einige Zäune und Mauern auf dem Lagergelände Sachsenhausen sind zum Teil noch im Originalzustand.
Historischer Zaun: Wachtürme und einige Zäune und Mauern auf dem Lagergelände Sachsenhausen sind zum Teil noch im Originalzustand. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 19.02.2019, 06:00 Uhr
Oranienburg (MOZ) Die mit dem Objektschutz auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen beauftragte Sicherheitsfirma hat als Subunternehmen einen Cottbuser Security-Dienst  aus dem rechtsextremen Milieu beschäftigt. Die Stiftung fordert umgehend Konsequenzen.

Die seit dem 1. Februar 2018 mit dem Schutz des Geländes und der Gebäude auf der Fläche des früheren Konzentrationslagers beauftragte Sicherheitsfirma „City Control“ hat mit „Boxing Security“ die Firma eines Neonazis als Subunternehmen mit Aufträgen versorgt. Die Gedenkstättenstiftung zeigte sich entsetzt und überrascht. „Wir hatten davon absolut keine Kenntnis und erst nach Medienanfragen davon erfahren“, sagte Stiftungssprecher Horst Seferens.

„Boxing Security“ gehört dem Cottbuser Ronny S., der nach Informationen des Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus tief in der rechtsextremen Szene der Lausitz verwurzelt ist. Im vergangenen Jahr soll er auf einer Kampfsportveranstaltung von Neonazis im Erzgebirge aufgetreten sein. Sein Team benannte sich nach einer Gruppe des rassistischen US-amerikanischen Ku Klux Klans „Black Legion“. Unter diesem Label werden in Cottbus auch Kleidungsstücke für Neonazis mit Wehrmachtsaufdrucken verkauft.

Auf dem Social-Media-Kanal Instagram zeigt sich Ronny S. in einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Vize-Weltmeister ´45“. Das Profil wurde inzwischen auf privat geschaltet. Brandenburgs Verfassungsschutz beschreibt die rechtsextreme Szene in Cottbus, zu der Türsteher, Hoologans und Security-Mitarbeiter gehörten, als „toxisches Gebilde“.

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat die von ihr beauftragte Sicherheitsfirma „City Control“ inzwischen aufgefordert, die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmen umgehend zu beenden. „Bisher haben wir dazu noch keine Zusage“, sagte Stiftungssprecher Horst Seferens. Die Firma war am Montag telefonisch nicht zu erreichen. „Box Security“ gibt sich selbst einen neutralen Anstrich. Auf der Homepage heißt es: „Die Firma distanziert sich in jeglicher Form von Extremismus und Gewalt jeder Art. Im Ausführen von Aufträgen und im Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Partnern, verkörpern wir genau wie im Sport, den Gedanken von Fairness, sowie Gleichbehandlung, Offenheit und Loyalität!“ Diese Darstellung hat wohl damit zu tun, dass sich die Firma auch um Aufträge zur Bewachung von Asylunterkünften bemühte und nach eigenen Angaben diese auch erhielt. Ansonsten beschreibt sich die 2012 gegründete Firma mit „zahlreichen disziplinierten Leistungssportlern“ in ihren Reihen selbst als „junges, dynamisches und sportliches Team“.

Nach Angaben von „City Control“ seien in sechs Schichten Mitarbeiter von „Box Security“ eingesetzt worden, sagte Seferens. Ob die Neonazi-Firma auch in der Gedenkstätte Ravensbrück zum Einsatz kam, werde noch geprüft. Die Objektschützer seien in der Gedenkstätte rund um die Uhr im Einsatz. Wie viele Personen in einer Schicht tätig sind, wird aus Sicherheitsgründen öffentlich nicht gesagt.

In Verträgen sichert sich die Stiftung in einer Extremismusklausel eigentlich gegen den Einsatz einer Firma wie „Box Security“ ab. Bereits in der Ausschreibung für den Sicherheitsdienst seien besondere Regeln formuliert worden, die an den „sensiblen Orten“ der Gedenkstätten als authentischen Orten der NS-Verbrechen zu beachten seien. Auch seien bei Vertragsabschluss Gespräche über die besonderen Erfordernisse an den Sicherheitsdienst auf dem Gedenkstättengelände geführt worden, so Seferens. Die Beauftragung von Subunternehmen bedürfe der ausdrücklichen Zustimmung durch die Stiftung. Es kam jedoch noch nicht einmal zu einer Mitteilung. Seferens sprach deshalb nun von einem Vertrauensbruch durch das beauftragte Unternehmen. Ob der Vertrag aufgelöst wird, werde nun geprüft. Das sei auch eine juristische Frage.

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