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Gründung einer Nostalgie-Eisenbahn in Brandenburg / Aktivisten wollen Templiner Drehkreuz in Betrieb nehmen

Eisenbahnromantik
Mit dem Dampfross ins Grüne

Oliver Schwers / 19.02.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 19.02.2019, 08:28
Templin (MOZ) Zurück zur Schiene – so lautet das Motto, um den deutschen Verkehrsinfarkt zu verhindern. Da machen Nostalgie-Eisenbahner mit. Sie wollen zunächst in Brandenburg, dann in ganz Deutschland ein Netz historischer Bahnstrecken neu betreiben. Templin ist mit dabei.

Viele Eisenbahnstrecken sind schon vor Jahrzehnten aufgegeben worden: Einst existierte eine Kreisbahn zwischen Schönermark und Damme mit Stopp in Gramzow. Fast schon vergessen ist die höchst romantische Strecke zwischen Angermünde und Bad Freienwalde. Auch Gartz besaß mal einen Eisenbahnanschluss. Ebenso gab es eine Verbindung zwischen Casekow und Penkun. Doch aus Kostengründen, wegen Reparationsleistungen nach dem Zweiten Weltkrieg, wegen fehlender Fahrgastzahlen oder Gütertransporte verschwanden viele alte Bahndämme und Bahnhöfe allmählich von der Bildfläche. Der unaufhaltsame Vormarsch des Individualverkehrs per Auto tat ein Übriges.

Inzwischen dreht sich die Entwicklung wieder um. Entlang von Bahnlinien finden Ansiedlungen statt. Schnelle Schienenverbindungen in Großstädte machen das Landleben wieder attraktiver. Hinzu kommt eine regelrechte Welle der Eisenbahnromantik. Wo Dampfrösser fauchen, stürmen Fotografen in Scharen hinterher. Sonderzüge mit historischer Technik sind in Windeseile ausgebucht. Das Eisenbahnmuseum in Gramzow gehört zu den wichtigsten Tourismus-Aushängeschildern der Uckermark.

Hierauf setzen die Retter der Eisenbahngeschichte. Schon seit über zwei Jahren entsteht, kaum in der Öffentlichkeit beachtet, ein gemeinnütziges Projekt – eine touristische Nostalgieeisenbahn auf dem Lande. Mitglieder von gleichgesinnten Vereinen wollen dabei das aufgegebene Schienennetz in Deutschland neu beleben, Bahnhöfe in Betrieb nehmen, Signalanlagen, Gleise und Bahnwerke reaktivieren. Das Gesamtvorhaben ist auf 50 Jahre ausgelegt. In den ersten 20 Jahren geht es zunächst um Strecken in Ostdeutschland. „Wir haben hier noch ein Rieseneisenbahner-Potenzial und damit echte Fachkräfte“, erklärt Mitinitiator Holger Kodim.

Die Idee klingt wie ein Märchen: Vergammelte Bahnhöfe, verwilderte Bahnanlagen werden ertüchtigt und neu aufgebaut für einen Romantik-Betrieb mit historischen Loks und Wagen, mit touristisch bedeutsamen Ausflugszielen und entspannter Reise-Atmosphäre für Urlauber. Auch an einen regulären Betrieb denken die Nostalgiker.

Die Ziele sind ehrgeizig. So planen die Oldtimer-Pioniere eine Verbindung von Berlin-Lichtenberg, Wriezen, Bad Freienwalde nach Oderberg mit eventueller Wiederaufnahme der Strecke bis Angermünde. Ebenso ist ihnen die Neubelebung der aufgegebenen Linie Templin-Prenzlau wichtig. Von dort könnten historische Züge bis nach Heringsdorf oder zum Stettiner Haff rollen.

Vor den Gründern steht eine Mammutaufgabe: Sie müssen Anlagen zurückkaufen, pachten, in Betrieb nehmen, Genehmigungen einholen, Leute und einen Fuhrpark beschaffen. Das kostet Millionensummen im dreistelligen Bereich. Das Geld soll eine Stiftung „Historische deutsche Länder- und Reichsbahnen“ beschaffen.

Der erste Zug könnte 2023 ab Templin rollen. Dort beräumen die Nostalgiker seit einem Jahr das aufgegebene Bahnwerk, um es im Zusammenhang mit dem Templiner Drehkreuz wieder in Betrieb zu nehmen. Das Gelände käme als Standort für historische Technik und in seiner Ursprungsfunktion als Reparaturwerk in Betracht. „Es ist überall so viel kaputt gemacht worden“, bedauert Holger Kodim. Deshalb wollen die Bahn-Nostalgiker zu den alten erfolgreichen Werten der Eisenbahn zurückkehren, jenseits von Modernisierung und Rentabilität.

Reisen mit alter Technik

■ Bei Wikipedia gibt es eine „Liste der stillgelegten Bahnstrecken in Brandenburg und Berlin“. Dort sind alle einst existierenden Strecken mit Datum der Auflösung verzeichnet.

■ Unter www.berlin-macht-dampf.com haben die Dampflokfreunde Berlin ihren Fahrplan für das erste Halbjahr 2019 ins Internet gestellt. Darunter sind Traditionsfahrten nach Bad Freienwalde und Templin.

■ Im Eisenbahnmuseum Gramzow kann man gleich den ganzen Museumszug für Veranstaltungen chartern. Er verkehrt zwischen Gramzow und Damme und fasst 48 Personen.

■ Bis an die Ostsee fährt der Lausitzer Dampflokclub mit seinen Sonderzügen. Dabei passieren sie auch regelmäßig den Angermünder Bahnhof, begleitet von Fotografen.

■ Ab 2023 wollen die Eisenbahnnostalgiker ab Templin fahren und Prenzlau, Eberswalde sowie Neuruppin anbinden. Geplant ist täglich mindestens ein Personenzug am Vormittag sowie einer für die Rückfahrt am Nachmittag. Weitere Strecken sollen folgen.

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Hasso Isenhagen 19.02.2019 - 09:48:41

Russland bereitet touristische Weltraumflüge vor

und träumen die Leute von der Vergangenheit. Es ist schade um jeden Heller den diese Leute der Steuer vorenthalten und in derart unsinnig aufwendige Projekte stecken. Die schaffen sich ihre Spielzeugeisenbahn in Spur original und die eigentliche Bahn hat kein Geld fürs WLAN.

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