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Im Jubiläumsjahr des Dichterfürsten kommen Literaturfreunde an Letschin nicht vorbei / Mehrere Veranstaltungen geplant

Jubiläumsjahr
Fontane-Zimmer in den Heimatstuben

Doris Steinkraus / 19.02.2019, 12:15 Uhr
Letschin (MOZ) Im Theodor-Fontane-Jubiläumsjahr kommen Geschichts- und Literaturfans kaum an den Letschiner Heimatstuben vorbei. Dort erinnert ein eigens eingerichtetes Zimmer an den großen Dichterfürsten. Die Einrichtung lockt mit besonderen Veranstaltungen.

„Es kommen zunehmend Besucher, die ganz konkret etwas zu Fontane wissen wollen“, sagt Edgar Petrick, Leiter der Letschiner Heimatstuben. Wer sich mit dem Leben des Dichterfürsten beschäftige, komme quasi nicht an Letschin vorbei, sieht es Petrick. In einem extra eingerichteten Raum gibt es Ausstellungsstücke und vor allem auch überdimensionale Zitate von Fontane, der immer wieder auch bei seinen Eltern in Letschin weilte. Nicht immer freiwillig, wie die Chronik belegt. Denn Fontane ging es wie so manchem, der sich in der Welt als Dichter und Künstler versuchen wollte. Bot ihm auch die Stadt oft die unverzichtbaren nötigen Anstöße für Gedichte und Verse, so ging es letztlich auch für ihn mehr als einmal ums Überleben.

Mehrmals kehrte der junge Fontane in den Schoß der Familie ins Oderbruch zurück, weil ihm schlichtweg das Geld fehlte „Fass ich die letzten fünf Jahre kurz zusammen“, schreibt er am 18. April 1850 an Gustav Schwab. „Ich hab sie mit Rezept- und Versemachen ehrlich hingebracht. Wurde mir’s mit dem tag- und nachtgequälten Leben in der Apotheke zu viel, so ging ich ein Vierteljahr aufs Land, und die, in der Stadt gespeicherten Stoffe vornehmend, war ich im Hause meiner Eltern und Freunde ein gern gesehener Gast.“ An einen Bekannten schrieb er: „Hier in Letschin hab ich die Cavernen meines schwindsüchtigen Porte Monnais‘s halb­wegs wieder geheilt.“

Bei seinen zahlreichen Fahrten durchs Bruch und den Studien in den Bibliotheken der Herrenhäuser sammelte Fontane Anfang der 1860er Jahre Informationen und Materialien, die nicht nur in seinen Wanderungen durchs „Oderland“, sondern auch in der Kriminalnovelle „Unterm Birnbaum“ und seinem einzigen historischen Roman „Vor dem Sturm“ Einzug fanden. Theodor Fontane schrieb über die wunderschöne Landschaft mit gleicher Leidenschaft wie über die historischen Abläufe und über den hiesigen Adel.

Die Letschiner haben Fontane nicht erst zum Jubiläum entdeckt. „Den Grundstock legte der Heimatforscher Ernst Tietze aus Quappendorf“, weiß Edgar Petrick. „Alfred Böhme aus Letschin hat daran angeknüpft und so wertvolles Ausstellungsmaterial zusammengetragen.“ Es befand sich einst in der alten Schule im Dorfzentrum. Beim Bau der Letschiner Heimatstuben war von Anfang an ein Fontane-Zimmer konzipiert gewesen. Es ist eingerichtet nach dem Vorbild aus jener Zeit, als Fontanes Eltern in Letschin lebten und die Apotheke betrieben. „Es sind natürlich alles keine Original-Utensilien aus Fontanes Zeiten, aber es sind historische Zeugnisse aus jener Zeit“, erklärt Edgar Petrick. Auch die zahlreichen Apotheken-Utensilien sind den Originalen, wie sie Fontane in der Apotheke und selbst auch in der Ausbildung als solcher kennen und handhaben lernte, entlehnt. Ein Feuer hatte 1866 das Haus, in dem Fontanes lebten und in dem sich die Apotheke von Vater Henri befand, zerstört. Der junge Fontane erlernte trotz seiner Liebe zur Dichtkunst den Beruf eines Apothekers, war sowohl in Letschin als auch in Magdeburg, Leipzig, Dresden und Berlin bis 1853 als Apotheker tätig.

Die Mitarbeiter der Heimatstuben wissen eine Menge zu ergänzen. In einem kleinen Faltblatt sind wichtige Stationen des Lebens von Fontane nachzulesen. Besucher der Letschiner Heimatstuben kommen zudem nicht an einen der wichtigsten Sätze ihres einstigen berühmten Bewohners vorbei: „Ich bin die Heimat durchzogen, und ich habe sie reicher gefunden, als ich zu hoffen gewagt hatte.“

Veranstaltungen zum Fontane-Jahr: 27. April Vortrag Adelbert von Chamisso“, 12. Oktober Lesung Fontane und die Technik, 14 Dezember: Lesung aus „Das Oderland“; Heimatstuben geöffnet Mi bis Fr 11 bis 17 Uhr, Sa/So 14 bis 17 Uhr, Infos unter Tel. 033475 50797

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Fritz Faustmann 23.02.2019 - 14:56:14

Tolle Arbeit!

Seit einiger Zeit stehe ich mal mehr, mal weniger mit Frau Axmann durch meine Ahnenforschung in Verbindung. Man findet immer ein offenes Ohr und oft auch neue Daten. Durch die Heimatstuben bin ich ein ganzes Stück weiter gekommen. Ich bin mir sicher, dass die Ausstellung sehr interessant ist und werde sie mir auf alle Fälle ansehen. Ich wünsche den Mitarbeitern weiterhin tolle Ideen und Themen und immer viele Besucher. MIt freundlichen Grüssen F. Faustmann

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