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Abstimmung
„Wolfsfreie Zone“: keine Mehrheit für CDU-Antrag

2018 nah dran: Dieser Wolf stand bei Wolfsruh (Landkreis Oberhavel) vor dem Fotohandy.
2018 nah dran: Dieser Wolf stand bei Wolfsruh (Landkreis Oberhavel) vor dem Fotohandy. © Foto: Privat
Simone Weber / 19.02.2019, 15:55 Uhr
Rathenow Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus, Ordnung, Sicherheit, Umwelt und Brandschutz fanden auf der Tagesordnung ihrer Februar-Sitzung  erneut das Thema „wolfsfreie Zone Rathenow“ zur Diskussion. Der Antrag der CDU, die Kommune zur „wolfsfreien Zone“ zu erklären, war in der Stadtverordnetenversammlung am 5. Dezember 2018 in die Ausschüsse zurückverwiesen worden. Jetzt ergab sich eine Patt-Situation bei der Abstimmung. Der Antrag wurde daher abgelehnt.

Zum Inhalt des Beschlusses: Die Stadt Rathenow solle die Landesregierung auffordern, das Stadtgebiet im Wolfsmanagementplan als nicht für eine Besiedlung durch den Wolf geeignete Zone auszuweisen und den strengen Wolfsschutz zu lockern sowie die Art in das Jagdgesetz aufzunehmen. Zudem wird ein stärkerer Eigenschutz durch Weidetierhalter gegenüber angreifenden Wölfen zur Gefahrenabwehr gefordert.

Als unterstützende Begründung führte die CDU an, dass sich bereits 24 Brandenburger Kommunen mit einer Forderung nach einer „wolfsfreien Zone“ an die Landesregierung gewandt haben. Eine Antwort steht noch aus. „In den letzten Wochen gab es drei Wölfe auf Wildkameras im Bereich Semlin/Rathenow. Jäger beobachteten drei Wölfe bei Stechow und vor drei Wochen wurde unabhängig voneinander jeweils ein Wolfspaar bei Schönholz und  Ohnewitz gesichtet“, informierte Gerd Wollenzien, Ausschussvorsitzender und leidenschaftlicher Jäger, zu Beginn der Diskussion, die sich als heftig und sehr emotionsgeladen erwies. „Ich sehe den Menschen im Wald, wie beim Pilze sammeln, durch den Wolf bedroht“, so Enrico Fülöp-Daniel, sachkundiger Einwohner. „In einer Jagdzeitschrift ist ein Angriff eines Wolfs auf eine Joggerin mit Kindern in Polen beschrieben“, unterstützte der Abgeordnete Jörg Rakow (CDU). „Wir müssen auch unsere Weidetierhalter besser schützen.“ Diesen Standpunkten widersprach der Abgeordnete Jean-Luc Meier (Bündnis’90/Die Grünen) vehement. „Diese Diskussion ist vollkommen faktenfrei und unbegründet. Seit Wiederansiedlung des Wolfs ist bisher keinerlei Angriff eines Wolfs auf einen Menschen belegt. Gefahr des Wolfes für den Menschen und für Tierherden sind zwei völlig verschiedene Dinge“, so der studierte Biologe. „Die Angst der Menschen vor dem Wolf ist völlig unbegründet und dieser Beschlussvorschlag völlig absurd. Die Bevölkerung müsste hier dringend stärker aufgeklärt werden.“ Seinen Vorredner unterstützend meinte Karl-Reinhold Granzow (Die Linke): „Der Mensch gehört nicht zum Beuteschema des Wolfs. Diese Beschlussvorlage und die Diskussion dazu sind reine Stimmungsmache“. Er plädierte für eine Entbürokratisierung der Landwirtschaft und somit für unbürokratische Ausgleichszahlungen an geschädigte Landwirte.

Letztendlich stimmten jeweils vier der acht anwesenden Ausschussmitglieder für und gegen die Beschlussvorlage, die Rathenow zur „wolfsfreien Zone“ erklären soll. Damit wurde der Vorschlag abgelehnt und wird in der Stadtverordnetenversammlung am 13. März endgültig entschieden. Die CDU hält in ihrem Wahlprogramm zur Kommunalwahl am 26. Mai an der Forderung einer „wolfsfreien Zone“ fest.

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