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Gnadenhof
Verein hofft auf Entscheidung zum Wohle der Tiere

Gerettet: Fundtiere wie dieses Kaninchen finden im Gnadenhof Asyl. Derzeit leben etwa 150 Tiere auf der Anlage in Wensickendorf, die allermeisten sind Haustiere.
Gerettet: Fundtiere wie dieses Kaninchen finden im Gnadenhof Asyl. Derzeit leben etwa 150 Tiere auf der Anlage in Wensickendorf, die allermeisten sind Haustiere. © Foto: Steffen Kretschmer
Klaus D. Grote / 19.02.2019, 20:57 Uhr
Wensickendorf (MOZ) Die von der Kreisbaubehörde verfügte Schließung des Wensickendorfer Gnadenhofs hat ein überwältigendes Echo ausgelöst. Neben Unmutsäußerungen über das Vorgehen der Behörde gab es auch viele Hilfsangebote für den Trägerverein.

„Vielen Dank für eure Anteilnahme und eure vielen Tausend Hilfsangebote. Jeder positive Post von euch macht uns stärker“,schrieb der Verein auf seiner Facebook-Seite. Erneut wurde dort die Verwunderung über das Vorgehen von Baudezernent Egmont Hamelow (CDU) und Bauamtsleiter Oliver Grützmacher (CDU) kritisiert, weil sie sich nicht an Absprachen gehalten hätten. Das bestätigte auch der SPD-Kreistagsabgeordnete und Oranienburger Fraktionschef Dirk Blettermann. Bis zu dem am Dienstagnachmittag geplanten Treffen sei zwischen den Beteiligten vereinbart worden, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Entgegen der Vereinbarung preschte der Landkreis vor. Zuerst wurden mit der am Freitag versendeten Nutzungsuntersagung Fakten geschaffen, am späten Montagnachmittag gab es dazu eine Pressemitteilung.

Damit habe die Kreisverwaltung ausführlich seine Sichtweise darstellen können, sagte Ruth Schnitzler vom Verein Gnadenhof & Wildtierrettung. Sie appellierte an die Baubehörde, „zum Wohle unserer Tiere, aller in Not geratenen Tiere, aber auch aller Menschen, die sich hilfesuchend an uns wenden, mit uns ehrlich und fair eine Lösung zu finden“.

In den Reaktionen der Facebook-Nutzer gab es konstruktive Vorschläge, kreative Ideen, Demoaufrufe und trotz aller Hilflosigkeit auch eine Portion Humor, zum Beispiel in der Forderung; „Lasst uns die Tiere vor der Kreisverwaltung aussetzen!“ Das wichtigste Hilfsangebot kam aus Berlin. Die Anwaltskanzlei Freshwaters übernimmt kostenlos die juristische Vertretung des Vereins. Als erstes solle die sechsmonatige Räumungsfrist angefochten werden, sagte Ruth Schnitzler. Timm Zeiss, Insolvenzanwalt bei Freshwaters, kann sich an den Verein persönlich erinnern. „Wir haben mal Entenküken, die auf dem Balkon seiner Lebensgefährtin ausgebrütet wurden, aufgenommen. Die wurden erfolgreich und zusammen mit anderen Küken in die Freiheit entlassen“, erinnert sich Ruth Schnitzler. Weil Zeiss Insolvenzanwalt ist, werde sich aber sein Kollege Bassem Al Abed, der auch Bezirksverordneter der SPD in Charlottenburg ist, um die Vertretung des Vereins kümmern.

Im Gespräch mit den beiden Verwaltungen gab es konstruktive Vorschläge offenbar nur von der Stadtverwaltung. Die Baubehörde habe lediglich erklärt, was alles nicht gehe, sagte der SPD-Kreistagsabgeordnete und Oranienburger Fraktionschef Dirk Blettermann im Anschluss. Ziel sei, noch vor der Kommunalwahl eine Lösung zu finden. Möglichst solle ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Baudezernent  Frank Oltersdorf (SPD) sagte nach dem Gespräch: „Die Stadt Oranienburg stand und steht einem Bebauungsplanverfahren offen gegenüber. Das haben wir dem Verein immer signalisiert.“ Problematisch sei jedoch die Randlage zum Landschaftsschutzgebiet Westbarnim. Die Stadt habe ein Interesse daran, das Gebiet rechtssicher zu machen, so Oltersdorf.

Mit dem Bebauungsplan sollen die auf dem Grundstück errichteten Gebäude legalisiert werden. Der Hof samt Stallungen war offenbar 1940 als Schwarzbau errichtet worden. Dagegen geht die Baubehörde nun vor. In einer gemeinsamen Presseerklärung von Kreis und Stadt wird die im vergangenen Jahr mit Hilfe des Fernsehsenders Vox sanierte Scheune als neues Gebäude bezeichnet. Der Bestandsschutz sei durch den Umbau erloschen.

Mit einem Bebauungsplan und der endgültigen Legalisierung könnte der Gnadenhof für seine Dienstleistungen Gebühren von den Kommunen nehmen und offiziell als Tierheim im Landkreis arbeiten. „Auch das war eine Option, über die wir gesprochen haben“, sagte Ruth Schnitzler. „Das wäre natürlich die allerbeste Lösung für uns, aber noch haben wir nicht gewonnen.“

Aus der Erklärung der Kreisverwaltung

■ In einer Presseerklärung vom Montagnachmittag wurde die Nutzungsuntersagung ausführlich begründet. Darin heißt es unter anderem:

■ „Angesichts der Tatsache, dass dem Betreiber des Gnadenhofs die Problematik seit Jahren hinlänglich bekannt ist, bleibt ihm zur Befolgung der Nutzungsuntersagung eine großzügig bemessene Frist von sechs Monaten nach Zustellung des Bescheides. Da die sofortige Vollziehung angeordnet ist, hat ein Widerspruch keine aufschiebende Wirkung der Frist. Für den Fall der Zuwiderhandlung gegen die Nutzungsuntersagung wird dem Verein ein Zwangsgeld in Höhe von 1 000 Euro angedroht.“

■ „In der Begründung für die Nutzungsuntersagung macht die untere Bauaufsichtsbehörde geltend, dass die Nutzung im Widerspruch zu öffentlich-rechtlichen Vorschriften steht. Von illegal genutzten baulichen Anlagen geht eine nicht unerhebliche negative Vorbildwirkung aus. Andere Bauherren könnten angeregt oder bestärkt werden, ebenso die Vorschriften des Baurechts zu missachten. Gesetzestreue Bauherrn, Eigentümer, Mieter und Nutzer müssen gleichgestellt werden.“

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