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Chorserie
Musik für den Moment

Sangesfreude: Unter Anleitung von Uwe Kolberg üben die Voltaren-Singers in der Seniorenresidenz Alloheim „Haus am Werbellinsee“ alte Volkslieder und Schlager.
Sangesfreude: Unter Anleitung von Uwe Kolberg üben die Voltaren-Singers in der Seniorenresidenz Alloheim „Haus am Werbellinsee“ alte Volkslieder und Schlager. © Foto: Marco Marschall
Marco Marschall / 20.02.2019, 06:30 Uhr
Altenhof „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen kennen keine Lieder“, heißt es. Demnach ist der Barnim ein guter Platz zum Verweilen. Denn die Region ist reich an Chören. In unserer Serie stellen wir sie vor. Heute: die Voltaren-Singers aus Altenhof.

Es ist Donnerstag 16 Uhr im Alloheim von Altenhof. Aus den Fenstern im großen Gemeinschaftsraum der Seniorenresidenz ist zu sehen, wie die Oberfläche des Werbellinsees in der Sonne glitzert. Doch statt nach draußen blicken etwa 20 Bewohner, die sich an der u-förmigen Tafel versammelt haben, auf Textblätter in Aktenordnern. Einige sitzen in Rollstühlen und verfolgen das Geschehen, bewegen manchmal nur zaghaft die Lippen zu den Liedern.

In den zurückliegenden Wochen war das mediale Interesse an den Voltaren-Singers, dem Chor des Heims, ungewöhnlich groß. Der RBB war da. Für die Sendung Brandenburg aktuell wurde Uwe Kolberg einen ganzen Tag begleitet. Der 52-jährige Musiker und Bandcoach leitet den Altenhofer Seniorenchor seit den Anfängen 2012. An Reporter ist die Runde jedenfalls gewöhnt. „Draußen stehen noch zwei. Die sind von Sat 1“, scherzt Kolberg beim Besuch der Märkischen Oderzeitung.

Eine feste Liedabfolge gibt es nicht. Nach „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ einigen sich alle gemeinsam aufs nächste Stück. „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“ schmettert die Gruppe mit den oft dominanten Männerstimmen. Uwe Kolberg sitzt an einer Ecke der Tafel und begleitet den Chor auf der Akustikgitarre. Neben der 88-jährigen Gisela Bärensprung hat er seinen angestammten Platz.

Für ein Schwätzchen zwischendurch ist auch ein bisschen Zeit. So berichtet ihm Gisela von der Faschingsfeier, die kürzlich im Heim stattgefunden hat. „Das Beste waren die Pfannkuchen“, ruft einer der Männer hinein. „Und der Sekt“, meint ein anderer.

Zum gemeinsamen Singen am Donnerstag stehen Mineralwasserflaschen auf dem Tisch. „Das Kufsteinlied“ folgt, danach ein Schlager der schnelleren Gangart. „Jetzt wird’s flott“, kündigt der Kapellmeister an. Dann stimmen die Senioren in „Rosamunde“ ein.

Einige bleiben auch still, sind in sich zurückgezogen. Doch wer glaubt, sie bekämen vom Geschehen nichts mit, der irrt. Das gilt auch für die Älteste in der Runde, die 104-jährige Margarete Lorenz. „Sie braucht immer einen Moment“, berichtet Uwe Kolberg aus Erfahrung. Doch wenn sie das Lied hat, singe sie aus der Erinnerung mit. Die Musik scheint das Langzeitgedächtnis immer wieder zu entfachen und ruft Freude hervor – wenn auch manchmal nur für einen kurzen Moment. „Doch dieser Moment ist etwas Wunderbares“, sagt Kolberg.

Textlich kaum Probleme haben die meisten bei der Brandenburg-Hymne. Ihre „Märkische Heide“ kennen sie aus dem Effeff. Bei Feiern in der Residenz, wie zum Lichterfest, zum Herbstfest oder zum Weihnachtsmarkt treten sie mit ihrem Repertoire sogar auf. Einige Sänger haben Chorerfahrung. Andere haben ihr Leben lang einfach gern gesungen. Das gilt auch für das Abschiedslied, das nach einer Stunde jedes mal wieder erklingt. Seit sieben Jahren ist es „Auf Wiedersehen“.

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