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Biosphäre
Noch mal 17 Millionen Euro oder Abriss

Gilt als architektonisch anspruchsvoll: das Gebäude der Biospäre in Potsdam
Gilt als architektonisch anspruchsvoll: das Gebäude der Biospäre in Potsdam © Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Ulrich Thiessen / 20.02.2019, 08:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Die Biosphäre in Potsdam ist weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Die ehemalige Blumenhalle der Bundesgartenschau von 2001 lockte im vergangenen Jahrzehnt als Tropenhalle, mit Ausstellungen zu Dinosauriern oder seltenen Insekten Scharen von Besuchern an. Berühmtheit erlangte der Bau im Norden der Stadt aber auch, weil er regelmäßig vom Steuerzahlerbund als herausragendes Beispiel für Geldverschwendung gegeißelt wurde.

Gebaut wurde die Halle für 29 Millionen Euro zwischen zwei Erdwälle auf einem ehemaligen Militärgelände. 21,5 Millionen stammten aus Fördergeldern. Die Hoffnung, dass die Halle als Ergänzung zu den anderen Sehenswürdigkeiten Potsdams funktioniert und bis zu 300 000 Besucher anziehen könnte, ging nicht auf. Mitte dieses Jahrzehnts mussten zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Euro aus dem Stadthaushalt zugeschossen werden.

Bevor 2017 die Zweckbindung der Fördergelder auslief, gab es bereits umfassende Debatten um eine andere Nutzung. Ein Stadtteilzentrum oder eine Schule waren im Gespräch. Die Ideen platzten – zu teuer, hieß es. Anfang dieses Jahres wurde nun ein neues Projekt vorgestellt: eine Klima-Erlebniswelt. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) verweist auf das Klimahaus in Bremerhaven, das ein Besuchermagnet ist. Potsdam könnte überregional mit dem Vorhaben punkten und seine Wissenschaftslandschaft wie die Institute für Geoforschung und Klimafolgenforschung mit ins Boot holen, so das Stadtoberhaupt. Das Konzept sieht verschiedene Klimazonen vor – bis hin zur Simulation von Extremwettern.

Geschätzter Kostenpunkt für Sanierung und Umbau: 17 Millionen Euro. Wieder müsste der Großteil aus den Fördertöpfen des Landes kommen. Der Oberbürgermeister hofft auf einen privaten Hotelbau und Konferenzkapazitäten in der unmittelbaren Nähe der Halle. Kostendeckend, das räumt Schubert ein, würde die Halle wohl auch künftig nicht zu betreiben sein, selbst bei einem Anstieg der Besucher. Von einer halben Millionen Euro jährlich ist die Rede.

Schubert stellt gegenüber dieser Zeitung aber auch klar, dass das Projekt nur bei einer breiten Unterstützung in der Stadtverordnetenversammlung angegangen wird. Ob die zustande kommt, ist bislang noch nicht klar. Hans-Jürgen Scharfenberg, Chef der Linken in der städtischen Vertretung, steht dem Projekt positiv gegenüber. Auch er hält einen dauerhaften Zuschuss für gerechtfertigt. „Wenn wir das jetzt verbauen, bleibt nur noch der Abriss“, erklärt er.

Bei Umfragen lokaler Medien hatten sich Mehrheiten der Teilnehmer immer gegen einen Abriss ausgesprochen. Die Halle ist beliebt und gilt inzwischen als einer der wenigen architektonisch anspruchsvollen Nachwendebauten in der Landeshauptstadt.

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