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Kunst
Zeichnungen und Gemälde wecken die Neugierde

Die mittelmärkischen Chronisten bewundern die in der SteinTherme ausgestellten Werke.
Die mittelmärkischen Chronisten bewundern die in der SteinTherme ausgestellten Werke. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 21.02.2019, 10:50 Uhr
Bad Belzig Die Heimatkalender der 1920er Jahre wurden mit vielen Zeichnungen bebildert, die den Namenszug „R. Muth“ tragen. Über den Maler der Bilder, der mit vollem Namen Richard Muth hieß, war bislang wenig bekannt.

Hans-Joachim Strich, Gründungsmitglied der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark, hat Muths Werk wiederentdeckt. Darüber und über den in Vergessenheit geratenen Künstler Richard Muth referierte der Michendorfer Dr. Rainer Paetau am Mittwoch in der Bad Belziger SteinTherme. Im Foyer des Gesundheitsfindlings eröffnete er eine Ausstellung, die Einblick in das Leben des Künstlers und in sein umfangreiches Schaffen gewährt.

Unter dem Titel „Richard Muth - Der Maler des Kreisheimatkalenders“ wurden für die Ausstellung Werke ausgewählt, die Spiegelbild seines künstlerischen Schaffens sind.

Richard Muth, 1868 in Berlin geboren, studierte von 1888 bis 1895 an Kunstschulen in Berlin und München. Danach brach er zu einer Studienreise nach Italien auf. Er kehrte mit einem reich gefüllten Skizzenblock zurück. Inspiriert von dieser Reise entstanden die Zeichnungen „Via del Romito“ und „Italien. Landhaus“, die 1904 auf der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt wurden. In den Jahren danach verdiente Muth seinen Lebensunterhaltung auch mit Werbe-Zeichnungen und Ansichtskarten. Er arbeitete unter anderem für die Unternehmen Stollwerk, Sarotti und Palmin. Zwischenzeitlich nach Caputh verzogen, wechselte er 1907 abermals seinen Lebensmittelpunkt und siedelte sich in Rehbrücke an. In den darauffolgenden Jahren stellte Muth wiederholt auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus, schuf weiterhin Werbegrafiken und Zeichnungen.

Der Erste Weltkrieg und die Inflation zu Beginn der 1920er Jahren wurden für den fünffachen Familienvater und Künstler zur Zäsur. Seine Kundschaft, die bislang Abnehmer für  Ölgemälde war, konnte sich die teure Kunst nicht mehr leisten – der Künstler in dieser Folge auch keine teuren Farben mehr. Nachfolgend griff Richard Muth, der ein Meister des filigranen Zeichnens war, zu Bleistift und Feder. Er skizzierte in realistischer Perspektive Landschaften und Ortsansichten seiner Heimat, die nachfolgend bei Bedarf koloriert werden konnten. Die heute vielfach aus Heimatkalendern, Heimatblättern und anderen Zeitschriften bekannten Werke entstanden.

Zwischenzeitlich war Richard Muth mit seiner Familie nach Michendorf gezogen. Er lebte damit im heutigen Landkreis Potsdam-Mittelmark. Als SPD Abgeordneter wurde er Kreistagsmitglied und bis 1924 Amtsvorsteher des Amtes Saarmund.

Nach seinem Tod 1933 geriet sein Werk in Vergessenheit und verstreute sich in alle Himmelsrichtungen. „Muth ist dadurch ein offenes Thema“, so Paetau, der gleichzeitig betonte, dass Muths Werk es verdient, „weiter erforscht zu werden.“

Die Mitglieder der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark und Gäste der Vernissage pflichteten dem bei. Die Reproduktionen von Muths Zeichnungen und Gemälde faszinierten, weckten Neugierde und sorgten für viel Gesprächsstoff. Hier zog der Beelitzer Wasserturm, dort das Belziger Krankenhaus die Betrachter in den Bann – und das, obwohl viele von ihnen genau diese Bilder durch ihre Forschungsarbeit seit Lngem kennen. Die alten Heimatkalender, in denen sie gedruckt wurden, hatten viele schon oft in Händen.

Thermechef Dr. Christian Kirchner sagte: „Die Ausstellung liegt mir am Herzen. Die Bilder haben so großen regionalen Bezug.“ „Sie passt hier in der Bad Belziger SteinTherme wie die Faust aufs Auge“, lobte wiederum der SPD-Landtagsabgeordnete Günter Baaske. Er dankte gleichzeitig der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark, die die Ausstellung nach Bad Belzig holte.

Die Ausstellung „Richard Muth - Der Maler des Kreisheimatkalenders“ wird bis zum 31. März im Foyer der Bad Belziger SteinTherme gezeigt.

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