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Natur
Hunderte Kraniche machen Station

Heimliche Burgherren: Weil bei der Sanierung des Bergfrieds bewusst Nisthöhlen geschaffen wuden, sind die Dohlen dort heimisch und ziehen jedes Jahr Nachwuchs auf.
Heimliche Burgherren: Weil bei der Sanierung des Bergfrieds bewusst Nisthöhlen geschaffen wuden, sind die Dohlen dort heimisch und ziehen jedes Jahr Nachwuchs auf. © Foto: Jörn Tornow
Olaf Gardt / 21.02.2019, 22:15 Uhr
Beeskow (MOZ) Hunderte Kraniche kann man in diesen Tagen auf den Feldern zwischen Oegeln und Ragow beobachten. Viele seltene Vögel sind aber auch in den anderen Monaten des Jahres in Beeskow zu entdecken. Man muss nur aufmerksam hinsehen.

„Die Dohlen auf dem Burghof sind eine verschworene Truppe“, sagt Burgschreiber Sascha Macht. Höchstens noch ein paar Tauben würden sie zulassen, andere Vögel nicht. Stimmt fast, meint Beeskows Nabu-Chef Dr. Axel Schmidt. Um die 35 Dohlenbrutpaare gebe es in der Stadt, im Gymnasium haben sie ein Revier, in einer alten Trafostation, im Futterwerk hinterm Bahnhof und eben auf dem Bergfried. „Dort brüten aber auch jedes Jahr ein oder zwei Turmfalkenpärchen. Die lassen sich auch von den Dohlen nicht vertreiben“, so Schmidt.

Die derzeit zu beobachtenden Kraniche seien vor allem Zugvögel, die in Südwesteuropa, vielleicht auch Holland überwintert hätten und nun Station auf dem Weg zu ihren Brutplätzen in Skandinavien machen. Wenn man dagegen nur ein Kranichpärchen beobachte, handele es sich dagegen um Tiere, die auch hier in großen Schilfzonen oder Erlenbrüchen brüten werden.

In Beeskow gibt es auch andere seltene Vögel. Den Waldkauz kann man derzeit in der Nacht gut hören. Im Irrgarten und dem Friedhofswald brüten zudem regelmäßig Gelbspötter, Nachtigall  sowie Grün- und Mittelspecht. Letzterer braucht unbedingt große Eichen. Heckenbraunellen könne man beobachten und Gartenrotschwänzchen. Kernbeißer seien eher Wintergäste, brüten aber ebenfalls in der Region. Und Trauerseeschwalben. Die hätten die vom Nabu eingesetzten Kleinflöße als Bruthilfe gut angenommen.

Generell seien die Bestände vieler Vögel rückläufig, sagt Schmidt. Er macht vor allem die Landwirtschaft dafür verantwortlich. Glyphosat töte letztendlich alle Insekten, lasse nur die tote Bodenkrume übrig. Es gebe zu wenig Rand- und Blühstreifen, zu wenig Hecken, zu wenig Gebüsch. Im Garten und auf dem Balkon könne man ein wenig Ausgleich betreiben. Schmidt empfiehlt, beerentragende Sträucher und Bäume zu pflanzen. Eberesche und Holunder zum Beispiel. Ganz wichtig sei Efeu, dessen Früchte seien im April eine wichtige Vogelnahrung. Außerdem könne füttern. Schmidt ist für die Ganzjahresfütterung. Nachgewiesen sei, dass viele kleine Vögel bei Zufütterung eher mit der Brut beginnen und die Gelege größer seien. Für die Aufzucht des Nachwuchses fangen Meise und Co. dann ohnehin Insekten. Die Jungvögel brauchen Eiweiß. Wer zufüttert, habe also nicht mehr Mücken im Garten als der Nachbar.

Nistkästen, der Nabu betreut rund 300 für Vögel, könne man auch im Baumarkt kaufen. Man sollte Modelle aus unbehandeltem und nicht gehobelten Holz wählen, das Einflugsloch 33 oder 34 Millimeter groß. Für Blaumeisen sollte es 32 Millimeter sein. Jetzt, so Schmidt, ist die richtige Zeit, die Kästen mit einem Draht im Baum aufzuhängen.

Wer sich für die Arbeit des Nabu in Beeskow interessiert, kann heute um 17.30 Uhr in die Kupferschmiede kommen. Dort spricht Heike Ebert über „Vogelkundliche Beobachtungen an der Nordsee“. Marianne und Axel Schmidt stellen am 29. März ab 17.30 Uhr Naturbeobachtungen im Donaudelta und in den Karpaten vor.

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