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52 mal Zauche
Günter Fillies und die Deetzer Erdlöcher

Andreas Trunschke / 22.02.2019, 08:00 Uhr
Deetz Günter Fillies (Jahrgang 1939) ist mit Ziegeleien aufgewachsen. Sein Großvater war Ziegelmeister in Zehdenick und Götzer Berge. Sein Vater führte nach dem zweiten Weltkrieg die Ziegelei von Rudolf Neumann in Deetz. Die Ziegeleien waren auch der Spielplatz während seiner Kinder- und Jugendjahre. Wenn die Arbeiter abends nach Hause gegangen waren, spielte er mit seinem Bruder und anderen Kindern auf dem Ziegeleigelände. Im Schuppen, wo die Ziegel lagerten, bauten sie Buden. Baumaterial hatten sie ja genug. Fillies erinnert sich außerdem an das „Tonrutschen“. Die Kinder nutzten die Hänge zu den Tongruben, um dort hinunter in die dortigen Pfützen zu rutschen. Das Wasser half gleich, beim nächsten Rutschen noch schneller zu sein. Wenn man jemanden ärgern wollte, streute man Sand auf die Bahn. Das Spiel gefiel selbst den Erwachsenen, abends, wenn ihre Kinder im Bett liegen sollten.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Sommer Mitte der 50er Jahre. Nach einem Wassereinbruch in eine Tongrube musste das Wasser weitgehend abgepumpt werden, bis auf modrige Reste am Boden. Dort hatten sich die Fische gesammelt. Die Kinder standen tief im Schlamm und griffen unter sich die zahlreichen Aale und warfen sie an Land. Noch heute bedauert Fililes, dass sie diese Gelegenheit erst am letzten Ferientag entdeckten und am nächsten Tag in die Schule mussten.

Der weitere Lebensweg führt ihn zunächst weg von den Ziegeleien und von Deetz. Er ging in Brandenburg zur Oberschule. 1957 machte er das Abitur, doch studieren wollte er zunächst nicht. Er wollte einen technischen Beruf ergreifen, zum Beispiel Rundfunkmechaniker werden. Letztlich bot sich eine Gelegenheit beim Fernmeldeamt in Brandenburg an der Havel. Zwei Jahre arbeitete er in diesem Beruf, dann ging er zur Armee. Eine Entscheidung, die sein Vater begrüßte: „Da lernst du erst einmal richtig laufen.“ Fillies kam nach Eggesin und arbeitete dort in der Funkeinheit. „Da habe ich viel gelernt.“ Nach der Armeezeit wollte er doch studieren, an der Fachschule Mittweida. Doch der Vater entschied es anders. Er meldete ihn in Dresden zum Studium an. „Zum Glück. Was andere mühsam im Fernstudium nachholen mussten, bekam ich gleich direkt mit.“ Es war eine schöne Zeit für Fillies. Am Ende war er Diplomingenieur für Fernmeldetechnik mit Bezug zur Hochfrequenztechnik.

Er arbeitete dann beim Rundfunk- und Fernsehtechnischem Zentralamt (RFZ) der Deutschen Post in Berlin. Seine Aufgabe war es, Sendetechnik und Antennen zu projektieren, die dann unter anderem an den Türmen in Brück getestet wurden. Dort waren die Spezialisten des RFZ beschäftigt. Fillies letzte große Arbeit war die Rekonstruktion der UKW-Antennen am Fernsehturm am Alexanderplatz in den Jahren 2001 und 2002. Ein Jahr später ging er in die Rente.

Bereits 1975 hatte er, als die Ziegelei seiner Kindheit abgerissen wurde, den Teil des Geländes erworben, auf dem die Kantine stand. „Das wäre doch ein schöner Fleck“, befand er. Eigentlich sollte es nur ein Wochenendgrundstück werden. Doch inzwischen hat er das Haus ausgebaut und ist ganz von Berlin zurück nach Deetz gekehrt. Im Heimatverein Deetz e.V. kümmert er sich insbesondere um die Geschichte des Ziegeleistandortes Deetz: „Du kennst dich ja da aus.“ Handwerklich außerordentlich begabt hat er neben der historischen Aufarbeitung auch den Brennofen und das Maschinenhaus detailgetreu nachgebaut. Man kann sie im Heimatmuseum Deetz besichtigen. Inzwischen interessieren sich viele für sein Fachwissen und seine alten Aufnahmen. Nebenbei findet er noch immer Zeit für sein großes Hobby, funktionierende Modelldampfmaschinen.

Der besondere Ort

Die Deetzer Erdlöcher sind untypisch für die Zauche, die ja „trockenes Land“ bedeuten soll. Dicht an dicht reihen sich die wassergefüllten ehemaligen Tonstiche unweit der Havel. Grundlage bilden die alten Gruben, aus denen seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg Ton gefördert wurde. Im Laufe der Jahre füllten sich die ehemaligen Tongruben mit Wasser und sind heute ein Anglerparadies.

Es ist hier so idyllisch wie sonst vielleicht nur noch im Spreewald. Man kann Filies verstehen, der sich für dieses Fleckchen Erde entschieden hat. Auf den schmalen Wänden zwischen den unzähligen, miteinander verbundenen Gruben führen schmale Wege entlang. Sie sind umsäumt von zahlreichen Bäumen und Sträuchern, im Wasser steht Schilf. Jetzt im Winter hat man einen guten Blick auf die Gewässer. Gelegentlich sieht man alte Ziegelsteine im Wasser, die an die Vergangenheit der Erdlöcher erinnern.

Ein Specht hämmert eifrig. Über einem fliegen immer mal wieder sirrend Schwäne vorüber. Ansonsten herrscht absolute Stille. In dem ca. 51 Hektar großen Gelände kann man sich wie in einem Labyrinth verlieren, sich immer nur von einem Weg zum nächsten treiben lassen, Natur genießen. Hier gibt es Ruhe pur. Wenn dann noch die Sonne scheint, kann das Paradies nicht weit sein.

Inzwischen führt der Havelradweg durch die alte Tongrubenlandschaft. Wer mag, kann sich am Ziegeleirundweg orientieren. In der Saison kann man im Havelstübchen Rast machen. Die Tafel über die Deetzer Ziegeleien, die am Havelstübchen steht, hat Fillies gezeichnet.

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