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Willkommen im „Tal der Ahnungslosen“

Mobilfunk- und internetfreie Zone: Bettenhaus und Erholungsfläche in der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“
Mobilfunk- und internetfreie Zone: Bettenhaus und Erholungsfläche in der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“ © Foto: Frank Groneberg
Frank Groneberg / 24.02.2019, 07:00 Uhr
Bremsdorf (MOZ) Die Leiter der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“ ärgern sich über eine unzureichende Internetversorgung ihrer Einrichtung. Messungen ihres technischen Dienstleisters haben ergeben, dass die Downloadgeschwindigkeit nur bis zu 2 Megabit je Sekunde beträgt.

Das Tal, in dem sich die Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“ befindet, könnte man mit Blick auf die jüngere deutsche Geschichte auch als „Tal der Ahnungslosen“ bezeichnen. Denn wer dort zu Gast ist, der kann gut nachempfinden, wie sich die Bewohner des Dresdner und des südostsächsischen Raumes einst gefühlt haben. Telefonieren mit dem Mobiltelefon ist nur möglich, wenn man das D2-Netz nutzt. Die Netze von E-plus, O2 und der Telekom (D1) funktionieren nicht: keine Verbindung.

Nicht viel besser sieht es bei der Internetversorgung über Kabel aus. Denn während anderswo in der Region seit Jahren Download-Geschwindigkeiten von 50 Megabit je Sekunde (MBit/s) oder mehr normal sind, die Leute zumindest aber wenigstens 16 MBit/s nutzen können, ist die „Bremsdorfer Mühle“ ebenfalls wie von der Welt abgeschnitten. Maximal 2 MBit/s Downloadgeschwindigkeit – mehr ist nicht drin. So hat es der für die Jugendherberge arbeitende IT-Dienstleister gemessen. Und so gibt es auch der Eigentümer des Datenkabelnetzes, die Deutsche Telekom, auf seiner Internetseite an. Denn testet man dort die Verfügbarkeit für die Adresse Bremsdorfer Mühle 1, wird angezeigt: Download maximal 2 MBit/s, Upload maximal 480 kBit/s. Mehr geht nicht.

„Für uns ist das völlig unzureichend“, ärgert sich Eckhard Rockstädt, gemeinsam mit Marco Kletzsch Leiter der Jugendherberge. „Wir merken das jeden Tag, wenn wir im Internet arbeiten, dass die Übertragung ständig hakt. Und das ist schon seit Jahren so.“ Direkte Folgen habe die mangelnde Internetversorgung auch für den Herbergsbetrieb. „Wir arbeiten in unserer Jugendherberge mit einem betriebsinternen Programm, das ein funk­tionierendes Internet voraussetzt. Und das setzt ständig aus“, sagt Eckhard Rockstädt.

Diese Situation wird auch zunehmend zum Nachteil im Werben um Gäste. Denn eine gute und kostenlose WLAN-Verbindung ist heutzutage ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für eine Urlaubsunterkunft. „Die Gäste fragen heute zuerst nach dem WLAN“, bestätigt Björn Sickert, Programmkoordinator in der Jugendherberge. „Wir haben weder Handyempfang noch WLAN – das wird immer mehr zum Nachteil.“

Erst kürzlich habe man das eigene WLAN-Netz erweitert, Verstärker an den Bettenhäusern angebracht. „Doch die Kapazität ist schnell ausgeschöpft“, erklärt Eckhard Rockstädt. Er denke dabei gar nicht mal an die Kinder und Jugendlichen, „die sollen hier die Natur erleben und nicht ständig aufs Smartphone starren, an sie geben wir das Passwort nicht raus“. Aber für andere Gäste, Geschäftsleute zum Beispiel oder auch für die Schachclubs, die Trainingslager durchführen, sei ein funktionierendes WLAN sehr wichtig. „Für uns ist die Situation belastend, für unsere Gäste ein großes Problem.“

Übers D2-Mobilfunknetz wären bis zu 6 MBit/s Downloadgeschwindigkeit möglich. Da es über Mobilfunk aber kein unbegrenztes Datenvolumen gibt, ist der Funk keine Alternative. Die Herbergsväter können nur hoffen, dass der laufende Breitbandausbau möglichst bald auch in ihrem kleinen Tal ankommt.

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