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Seit etwa 30 Jahren sind die „Märkischen Schmierfinken“ aktiv / Bernd Hübner erzählt aus der Vereinsgeschichte und von neuen Zielen

Vereinsarbeit
Künstler für ein ganzes Leben

Motive gibt es überall: Bernd Hübner, künstlerischer Leiter der Schmierfinken, hat diese Darstellung seines Gartens in Öl festgehalten. In seinem Atelier in Britz berichtet er davon. Er arbeite immer ein bisschen daran, fertig sei er noch nicht.
Motive gibt es überall: Bernd Hübner, künstlerischer Leiter der Schmierfinken, hat diese Darstellung seines Gartens in Öl festgehalten. In seinem Atelier in Britz berichtet er davon. Er arbeite immer ein bisschen daran, fertig sei er noch nicht. © Foto: Thomas Burckhardt
Julia Lehmann / 27.02.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 27.02.2019, 10:45
Britz (MOZ) Ein „lockerer Haufen“ aus sieben Leuten sei man heute. Viele mehr waren es nie, sagt Bernd Hübner, von Beginn an künstlerischer Leiter der „Märkischen Schmierfinken“. Ein Bericht darüber, wie der kleine Künstlerverein über Jahre mehr still als laut seine Spuren hinterlässt und weitere hinterlassen will.

Wachsen wolle man eigentlich gar nicht, könne man mit Blick auf das eigene Alter gar nicht, sagt Bernd Hübner (76). Diese konsequente Art der Künstlergruppe aus Britz darf man nicht falsch verstehen. Jedem, der um künstlerische Expertise bittet, wird sie bei den Märkischen Schmierfinken finden. Von Zurückhaltung darf man dennoch nicht sprechen. Seit 1990 gibt es den Verein, aber schon Jahre vorher haben die Mitglieder gemeinsam gemalt, im Rahmen des einstigen SVKE der DDR.

Bernd Hübner selbst malt seit seinem zehnten Lebensjahr. Und das hielt an, denn: „Ganz einfach. Ich bin Sohn eines Malermeisters, der in der eigenen Malerausbildung gelernt hat, dass ich auch gut mit Kreide und anderem umgehen kann.“ Den Malerbetrieb in Britz führt inzwischen Hübners Sohn, den vom Vater einst gegründeten Betrieb in Joachimsthal hat Hübners Bruder übernommen.

Damals noch in Joachimsthal zuhause nahm Künstler Anton Böhm Hübner an seine Seite. In seiner Jugend habe er in seiner Freizeit fast nur gemalt, sagt Hübner. Drei Jahre Abendstudium an der Kunsthochschule in Weißensee brachten ihm Jahre später das nötige Handwerkszeug. Nach der Wende entstand die Idee zum Verein. Mit dem Namen „Märkische Schmierfinken“ haben die Mitglieder auf die aus dem Westen herüberschwappende Kunst Bezug nehmen wollen. Man wollte sich abgrenzen. Daraus entwickelte sich ein hoher künstlerischer Anspruch. Geld habe er mit seiner künstlerischen Arbeit noch nie verdient.

Jeder malt für sich, sagt Bernd Hübner über sich und seine Mitstreiter. „Jeder hat eine Ausdrucksweise, die sein Eigen ist.“ Dennoch gehe man mit den Bildern des anderen kritisch um. Um sich gegenseitig zu befruchten, wie Bernd Hübner es nennt. Inspirationsquelle sind die Künstler aber nicht nur untereinander. Mit Vorliebe besuchen sie auch andere Künstler und deren Ausstellungen. „Wenn wir dort hinfahren, kommen wir mit Ideen nach Hause“, sagt Bernd Hübner. Danach beginne häufig ein schöpferischer Prozess, an dessen Anfang die Frage steht: „Lässt sich dies in unsere Sprache übersetzen?“ Die wohl wichtigste Vorlage für Bernd Hübner stellt aber die Natur dar. Etliche gefüllte Skizzenbücher zeugen von unzähligen Reisen ins nähere Umland, aber auch nach Südamerika, Ägypten oder Norwegen. Kleine rasche Zeichnungen, zum Teil eingefärbt, die in ihrer Darstellung so ein völlig anderes Reisedokument darstellen. Mit diesen als Vorlage entsteht im Nachgang ein Bild in Öl.

Mit Begeisterung erinnert sich Bernd Hübner an die Arbeit mit Kindern. In verschiedenen Projekten gaben die Vereinsmitglieder ihr Wissen an Schüler weiter. In der Britzer Max-Kienitz-Grundschule hat der Verein zusammen mit Schülern eine Wand im Treppenhaus gestaltet. Ein Projekt, das sich Bernd Hübner auch für die Zukunft in ähnlicher Weise gut vorstellen kann. Er wolle den Kontakt wieder aktivieren und dabei ergänzend und fortbildend zum Kunstunterricht arbeiten, wie er betont. „Wichtig für uns ist, künstlerisches Wissen und Techniken zu vermitteln“, so Hübner. Denn für den Verein zählt eines besonders: Er arbeitet mit dem stillen Ziel, junge Menschen nachhaltig an die Kunst heranzuführen. Nicht ohne Stolz berichtet Hübner von denen, die einst im Verein gewirkt haben und sich heute im künstlerischen oder kunsthistorischen Metier bewegen.

Ina Abuschenko-Matwejewa ist so jemand. Als junge Frau arbeitete die Künstlerin aus Eberswalde im Atelier der Schmierfinken. Gut möglich, dass ihr heutiges Schaffen auch Spuren aus dieser Zeit enthält.

In seinem Wohnhaus, das auch sein Atelier beherbergt, zeigt Hübner einige Arbeiten von Schülern. Viele enthalten das Kloster Chorin als Motiv, in dem der Verein mehrfach ausstellte. Prädestiniert für die Verbindung von Kunst und Geschichte sei stets der kürzlich im Alter von 85 Jahren  verstorbene Gunther Nisch gewesen. Er habe den Kindern auch immer etwas über das Leben der Zisterziensermönche berichten können, sagt Hübner. Der Neurochirurg Gunther Nisch hatte im künstlerischen Bereich eine spezielle Technik entwickelt. „Er arbeitete mit skalpellähnlichem Werkzeug und wenig mit Pinseln“, erklärt Bernd Hübner. Sein Verständnis von Farbigkeit sowie der Duktus seiner Bilder seien besonders. Ihm zu Ehren wolle man seine Bilder im Britzer Rathaus noch einmal zeigen.

Konkret wünscht sich Bernd Hübner ein Schülerprojekt, etwa in einer erneuten Kooperation mit der Grundschule, das in einer Ausstellung mündet und vor allem ein künstlerisches Fundament schafft, auf dem die jungen Menschen aufbauen können.

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